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Kleiner Mann, große Welt

Von Diesmal: Mobile Handy-Apps, die die Welt (nicht?) braucht.
Die Caktus - Smart Hydration (Facebookseite). (Screenshot: Daniel Waldschik) Die Caktus - Smart Hydration (Facebookseite). (Screenshot: Daniel Waldschik)

Einen schönen Donnerstagmorgen wünsche ich Ihnen und hoffe, Sie haben nicht zu arg meinem heutigen Blog entgegengefiebert. Doch? Na dann gebe ich mir mal Mühe, Ihre Lust nach Unterhaltung auch zu stillen.

Ich bin ja momentan krankgeschrieben und habe alle Zeit der Welt, mich im Internet zu tummeln. Da stoße ich dann schonmal auf so allerlei kuriose Fundstücke. Besonders hat mir ein neues Produkt gefallen, das anzeigt, wie viel (oder wenig) Wasser ich am Tag schon in mich reingeschüttet habe. „Caktus“ heißt das finnische Start-up, dass verspricht, mein Trinkverhalten zu verbessern.

Wie das gehen soll: Ein als Armband für die Flasche getarnter Sensor misst die Bewegungen und Neigungen des Behälters und schätzt so die von mir getrunkene Menge. Das Gerät soll also so clever sein, dass es den Unterschied zwischen Ansetzen und Abstellen erkennt. Aus der mitgelieferten App kann ich dann ablesen, ob ich die ärztlich empfohlenen 1,5 Liter Wasser bereits intus habe oder noch ein paar Milliliter nachkippen muss.

Digitaler Schnickschnack

Genial, oder? Alternativ kann ich selbstverständlich auch eine 1,5-Liter-Flasche Wasser kaufen und am Wasserstand ablesen, wie viel ich schon getrunken habe. Aber sind wir mal ehrlich: Etwas ohne unser geliebten Handy überprüfen? So ganz ohne digitalen Schnickschnack? Das schafft unser dekadentes Hirn heutzutage doch gar nicht mehr. Egal! Darüber nachzudenken ist mir jetzt auch echt viel zu anstrengend.

Aber weil trinken ja genauso gesund sein soll wie Geschlechtsverkehr und sein Hirn einzuschalten, habe ich mal „recherchiert“, was der Mobile-App-Markt sonst noch so hergibt:
 

Die "Prahl-Hans"-App
Die Firma Schwengel Experts Xanten (SEX) bringt demnächst mit dem „Rubbel Master“ ein Gadget für alle Pseudo-Aufreißer und Frauen-Abblitzer auf den Markt. Damit sollen deren erfundene und übertriebene Sexgeschichtchen optimiert werden und noch glaubwürdiger klingen. Der Clou: Der „Rubbel Master“ – eine Art Plastik-Wäscheklammer, die an die Hoden geklemmt werden muss – erkennt nicht, ob die eigene Hand dem (Piller)Mann die Auf-und-ab-Reibung verpasst oder tatsächlich doch eine echte Frau beim Akt dabei ist. Der Mehrwert: Ein integriertes Statistik-Tool sendet die Daten vom „Rubbel Master“ via Bluetooth an die im Lieferung enthaltene Software. Per Mausklick kann sich der Nutzer so ganz einfach eine Tabelle mit weiteren Daten ausgeben lassen, die er bei seiner Schäferstündchen-Prahlerei einfließen lassen kann – so etwa Dauer oder Reibungsfrequenz. Über eine zusätzliche Smartphone-App lassen sich zudem problemlos Fotos, Videos oder Soundfiles an Freunde und Familie schicken – wer will, sogar in Echtzeit.
 
Die "aufmerkSARm"-App
In Sachsen wird derzeit an einer mobilen Anwendungssoftware getüftelt, bei der die für das menschliche Gehirn schädliche Handystrahlung (SAR-Wert) über die Spiegelneuronen des Nutzers gesteuert wird. Die Wirkung dieser zukunftsweisende App basiert auf der Annahme von Wissenschaftlern, dass Spiegelneuronen für das innere Imitieren fremder Aktionen verantwortlich sind und dadurch den Menschen erst zu einem sozialen, mitfühlenden Wesen machen - etwa durch das „sich-in-andere-Hineinversetzen“. Je höher also das Aktivitätsmuster in den Nervenzellen, desto weniger Handystrahlung lässt die App ins Gehirn des Nutzers durchdringen. Davon sollen gerade Vieltelefonierer wie etwa Manager und Geschäftsleute profitieren, denen häufig nachgesagt wird, sie seien ruppig, skrupellos und ohne Mitleid. Getestet werden soll die Software übrigens an den rund 560.000 Wählern, die ihre Stimme bei der Bundestagswahl 2013 der NPD gegeben haben. Dazu die Entwickler: „Welche Personengruppe wäre besser geeignet als Rechtsextremisten und Neonazis?“ Den Vorwurf der vorsätzlichen Hirnschädigung bei den Rechten weist die Firma von sich. „Wer die NPD wählt, ist eh nicht mehr ganz klar in der Birne. Was sollen ein paar Handystrahlen da noch anrichten?“
 

Dass es nicht verkehrt ist, bei der Benutzung von Smartphone-Apps oder anderem Softwareblabla den eigenen Denkapparat wenigstens ansatzweise zu gebrauchen, zeigt einer der wohl denkwürdigsten Momente der jüngeren Menschheitsgeschichte: Die Geburtsstunde des iDApp. Da kursiert eine Anzeige des Herstellers Apple in den sozialen Netzwerken mit dem Hinweis: "Installier das Update auf iOS 7 und mach dein iPhone damit wasserfest". Jedem, der im Physikunterricht mit nur einem Ohr hingehört und nur einem Auge auf die Tafel geschielt hat, ist klar: Die Anzeige kann nur ein Fake sein. Eine Software, also etwas, das aus digitalen Daten besteht, soll einen pysischen Körper, also das Gehäue, das die strombetriebenen Platinen umschließt, gegen Flüssigkeit abdichten? Wie soll das denn bitte gehen?

Den Unfug hinter der Anzeige vielleicht selbst zu erkennen, ist von einigen schon zuviel verlangt. Stichwort: Dekadentes Hirn. Zahlreiche Apple-Nutzer ließen sich nämlich nicht lange bitten: Neues Update drauf, schhhhhhhh und gluckgluck, wird das Handy testweise unter den Wasserhahn gehalten oder ohne tropfendichte Schutzhülle ein Unterwasserfoto von Goldfisch Goldi geknipst. Zum Leidwesen einiger Store-Mitarbeiter. Die bekamen später nämlich von etlichen iPhone-Tunk-Trotteln die Ohren vollgejammert, dass ihr Handy statt wasserfest jetzt schrottreif sei und die Versicherung den Wasserschaden nicht übernehme. Was soll man dazu sagen? Wer 'nen Dachschaden hat...
 

In diesem Sinne: Zuerst das Hirn, dann die App einschalten!
Ihr Daniel Waldschik




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