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Kleiner Mann, große Welt

Von Diesmal: Eine Sendung, die das Kind in uns Männern weckt.
Rücken- und Bauchseite eines rund 20 Millimeter großen Triops cancriformis in einem Präparat. (Foto: dpa) Rücken- und Bauchseite eines rund 20 Millimeter großen Triops cancriformis in einem Präparat. (Foto: dpa)

Früher war es Weihnachten, das meine großen blauen Kinderaugen zum Leuchten brachte. Im kommenden Dezember, ich bin dann fast 34 Jahre alt, wird es etwas anderes. Was, will ich aber nicht zu voreilig verraten.

Sagen Sie mir doch erst einmal: Gehören Sie auch zu den Experimentier-Helden, die damals, als Sie klein waren, Stunde um Stunde, tage- und nächtelang vor einem Glas voll mit Leitunsgwasser und diesem sandkornartigen Pulvergemisch als Zusatz aus dem Yps-Gimmick-Tütchen gehockt haben, bis die Flüssigkeit irgendwann trüb grün war, aber nichts passierte? Gratuliere! Dann gehören Sie wie ich zu der Kategorie Jung-Wissenschafler, deren Urzeitkrebse möglicherweise deshalb nicht schlüpften, weil wir schlichtweg vergessen haben, mal den Löffel im Glas zu schwingen um so den Sauerstoffgehalt im Wasser anzukurbeln. Insgesamt 20 Mal gab es die Tierchen als Sprössling-Brause im Magazin. Groß bekommen habe ich sie nie.

Vielleicht bei meinem nächsten Versuch. Denn wissen Sie was: Das Kult-Comic-Heft aus der 70er Jahren, das bis 2000 auf dem Markt war, etliche Neustarts hinter sich hat und nach einer Neuausrichtung seiner Zielgruppe (der Kind gebliebene Mann im Alter von 30 bis 45 Jahre) seit März 2013 vierteljährlich erscheint, kommt ins Fernsehen. Richtig gehört! Yps wird zur Wissenschaftssendung.

Wann die erste Folge ausgestrahlt wird, ist nicht genau datiert. „Im Dezember“, heißt es auf der Internetseite der Produktionsfirma Endemol. Aber wo sie laufen wird, ist bekannt: auf RTL Nitro – dem Sender mit dem, wie der eigene Slogan vorgibt, „Fernsehen für Helden“. Bleibt zu hoffen, dass das Format nicht, ups, zur Pannenshow wird.

Ich persönlich stehe ja mit der Mediengruppe RTL, dem der Spartensender angehört, schon lange auf Kriegsfuß. Und auch die Kölner Firma Endemol hat schon einigen Schund fabriziert. Aber mit dem Sendestart meines einstigen Lieblingsheftchens als TV-Format, das mich an unbekümmerte Kindertage und sorgenfreie Zeiten voller Spaß und Experimentierfreude erinnert, fiebere ich jetzt schon wie ein kleiner Bub auf den Dezember hin – und drücke gern ein Auge zu, wer da wo und wie das Drehbuch schreibt.

Leute, das wird toll. Ich sehe mich als Siebenjährigen, der, über das Waschbecken gebeugt, verzweifelt versucht, die schwarze Tinte von seinen Fingerkuppen mit Gallseife und Bürste abzuschrubben. Von der einst weißen Raufasertapete und der Schranktür in Mahagoni-Optik mal ganz abgesehen. Rein schleichen, in Mamis und Papis Schlafzimmer, schön die Wände und Kleiderschranktüren mit den Händen andatschen, um auch ja genügend Abdrücke zu hinterlassen, fünf Mark aus dem kleinen rosa Sparschwein, das immer hinter den Wintersocken stand – dort, wo sonst die Oster- und Weihnachtsgeschenke versteckt waren! –, stibitzen, und dann mit Detektivausweis, Fingerabdruckpulver, Lupe, Pinsel und aus Zeitungspapier selbstgebasteltem Sherlock-Holmes-Hut auf Einbrecherjagd gehen. Ich war aber auch ein cleveres Kerlchen: Denn, wer selbst nach dem Bösewicht sucht, kann es ja selbst nicht gewesen sein! Dachten zumindest meine Eltern. Das Geld habe ich natürlich immer zurück in die Sparbüchse getan. Nur halt eben in meine. Aber pssst. Das bleibt unter uns. Yps-Buddies forever!



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