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Manager mit Weltblick

„Kultur für alle“ ist nur noch bloßes Geschwätz von gestern.
Guten Morgen! Gut geschlafen? Schön! Jetzt aber mal AUFWACHEN! Haben Sie schon mal aufs Kalenderblatt geschaut? Wir haben bald Weihnachten, und in Sachen Schöngeist ist Ihr Name Hase und sie wissen von gar nichts? Ei, Ei, Ei. Ich könnte wetten, dass Sie noch nicht vor Orchestergräben gesessen und keines unserer Museen mit ihren ins Uferlose gehende Angebot besucht haben? Sie haben sich noch kein Bild gemacht von den Vernissagen und Ausstellungen, die unsere Metropole im Überfluss zu bieten hat?

Sagen Sie mal, für wen gibt diese Stadt denn bitteschön mehr als 160 Millionen Euro aus, um die Kultur nach allen Regeln der Kunst zu subventionieren? Also los, genießen Sie endlich die in Trüffelsafrankaviar-Tunke ertränkten Kulturhäppchen. Die (Bratwurst-)Bundesliga hat Pause, das (Popcorn-)Kino nichts zu bieten und das alljährliche Quotenbuch ist für dieses Jahr auch schon wieder weggelegt. Allerhöchste Kulturzeit. Das Angebot ist immens, fragen Sie gefälligst nach. Es tut ja sonst keiner...

Wie?! Hochkultur, interessiert sie nicht? Mmh... O.K, das ist ein Argument. Ein gutes sogar. Denn in der Ablehnung sind Sie nicht alleine. Experten schätzen, dass allenfalls ein knappes Zehntel der deutschen Bevölkerung einen Zugang zur Hochkultur hat. Doch die Eliten fördern fröhlich freizügig die Orchideen der Eliten. Und die Vasen dazu. So hat man in Hamburg zum Beispiel ein Gebäude ans Wasser gebaut, ob dessen Finanzierung einem die Tränen kommen können: Die auf 77 Millionen Euro veranschlagte Elbphilharmonie sorgt für Zwist, weil sie schlappe 400 Millionen teurer wird. Ein echter Reinfall, den sonst nur schwäbische Eisenbahnhöfe und BERlin zu bieten haben.

Die Kunst, sie lebt subventioniert, es lebe die Kunst! Kultursubventionen verlängern Politikerleben. Viele so genannte Volksvertreter wissen nur zu genau um die Wirkung. Zuschüsse sind der Allzweckreiniger für weiße Westen. Die Mehrheit gewinnt man kulturell, und so wird lieber erst gar nicht nach dem Sinn einer neuer Veranstaltung oder eines Neubaus gefragt, wenn man doch einweihen und eröffnen kann, was das Zeug hält. So wird ein Angebot künstlich aufgeblasen, statt die Nachfrage und das Interesse durch die Verknappung des Kulturguts zu erhöhen. Was spricht dagegen, Bretter vor den Köpfen abzureißen, Häuser und Bühnen zu privatisieren, um so die frei werdend Ressourcen effizienter einzusetzen?

Es ist kein Kunstbanause wer fordert, dass gerade hier weniger ein echter Mehrwert wäre. Für die Menschen, für die Kunst und vor allem für die Künstler. Es ist eine Pervertierung des Subventionsgedankens, dass sich beispielsweise unsere Stadt Frankfurt am Main einen jährlichen Kulturetat von fast 200 Millionen Euro gönnt und der Zuschuss pro Karte für die Städtischen Bühnen bei fast 168,68 Euro liegt. Fast so hoch also wie die Rechnung, die die Kulturhungrigen nach dem Schlussakt beim Italiener um die Opernecke mit ihren eigenen Banknoten begleichen, wenn er und die Gattin „Nüdelchen mit Trüffeln“ bestellen und dazu ein guten Roten trinken.

Der einst lautstark artikuliert Ruf nach „Kultur für alle“ ist nur noch bloßes Geschwätz von gestern. Das Allgemeinwohl muss gefördert werden - und dazu bedarf es neuer Ideen, und Kanäle und einer Umleitung des Geldflusses. Und wenn nun knapp 9 Millionen im Kulturetat eingespart werden sollen, dann wirkt der Aufschrei der Kulturmächtigen eher wie eine Inszenierung. Die wohl einzige nicht subventionierte. In diesem Sinn: Stoppt die Zeitgeisterfahrer! (Bernd Reisig)
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