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Manager mit Weltblick

Von Von Desastern, Klassenerhalt und Europa - und einem kleinen "gallischen" Dorf.
Das Ziel war der Klassenerhalt, geschafft hat die Eintracht sehr viel mehr. Klasse! (Foto: dpa) Das Ziel war der Klassenerhalt, geschafft hat die Eintracht sehr viel mehr. Klasse! (Foto: dpa)
Die Eintracht hat sich mit Wucht und einem großen Ausrufezeichen nach dem Wiederaufstieg in der Bundesliga zu Wort gemeldet. Der Klassenerhalt war geplant, rausgekommen ist Europa. Respekt, liebe SGE!

Eine solche Leistung hat viele Väter. Das ist meistens eine hervorragende Teamarbeit, weil jedes Rädchen ineinander funktioniert. Für Bruchhagens Schmerzen nach dem Abstieg gibt es wohl keine bessere Medizin als diesen herausragende Erfolg. Mit seinem neuen Vorstandskollegen Axel Hellmann ist bei der Eintracht frischer Wind reingekommen. Bruchhagen der seriöse Dauerbrenner und Hellmann, der, der Neues bewegen möchte. Der nicht nur von einer „neuen Marke Eintracht“ träumt, sondern für diesen Traum akribisch und hart arbeitet.

Und dann die platonische Liebe zwischen Sportdirekter und Trainer. Hübner und Veh vertrauen und respektieren aneinander. Und genau deshalb haben die „11 Freunde“ auf dem Platz so gut funktioniert, weil die anderen Macher mit- und nicht gegeneinander gearbeitet haben. Erfolg hat viele Väter und kann manchmal auch ganz einfach sein.

Erfolg gibt es auch beim FSV Frankfurt. Vierter Platz in der 2. Bundesliga. Das gab es beim Frankfurter Traditionsverein noch nie. Das sechste Jahr 2. Liga hintereinander - und das, obwohl es laut Experten nie ein Zweites hätte geben sollen. Das kleine „gallische Dorf“ in Bornheim wehrt und wehrt und wehrt sich. Und da Angriff ist immer die beste Verteidigung ist, hat man dieses Jahr nicht wie sonst üblich mal eine halbe Saison erfolgreich gespielt, sondern kurzerhand beschlossen: Das machen wir jetzt mal eine komplette Saison lang. Gratulation an die Verantwortlichen, allen voran Benno Möhlmann und Uwe Stöver. Nur, Erfolg weckt Begehrlichkeiten nach Neuem und meistens auch nach mehr.

Stöver spricht vom Klassenerhalt für die kommende Saison. Möhlmann würde niemals, zumindest öffentlich, widersprechen – formuliert es aber etwas anders: Es kann zwar wieder nur um den Klassenerhalt gehen, aber der einstellige Tabellenplatz sollte es schon sein. Zustimmung. Das Image der „Grauen Maus“ ablegen, etwas frecher werden und trotzdem sympathisch bodenständig bleiben. So wird der FSV seinen Weg weiter und weiter gehen.

Bei den Wehenern aus Wiesbaden war der FSV wohl das große Vorbild. Also der FSV der letzten Jahre, nicht der aktuellen Saison. Die Hinrunde war ein Desaster. Anspruch und Wirklichkeit klafften meilenweit auseinander. Mit Sportdirektor Michael Feichtenbeiner ist eine gute Kompetenz dazu gekommen. Ehrgeiz und Fleiß beschrieben den Schwaben wohl ganz trefflich. Und große Sprüche sind auch nicht so sein Ding. Aber der will hoch, der gibt es keinen Zweifel, und deshalb wurde in den vergangenen Wochen gemeinsam mit Cheftrainer Peter Vollmann ganz akribisch an einem Kader für die neue Saison gearbeitet.  Wehen-Wiesbaden wird um den Aufstieg in die neue Saison ein gehöriges Wörtchen mitreden. Und das ist auch gut so, denn Hessen braucht wieder ein paar Bundesligisten.

Apropos Bundesliga. Kickers Offenbach wird die abgelaufene Saison so schnell nicht vergessen. Triumphe im DFB-Pokal, katastrophale Auftritte in der 3. Liga.  Ein Wechselbad der Gefühle. Sportlich näher an der Regionalliga als an der Liga, der man sich seit Jahren eigentlich zugehörig fühlt. Doch 2. Liga geht nur, wenn man vernünftig bleibt. Und jenseits des Mains gab es wohl eine „Vernuftallergie“. Wie auch sonst soll man das verstehen, was man so liest und hört. Schulden ohne Ende und das ganze Tafelsilber verkauft. Und für was? Für Mannschaften, die fünf Jahre in Folge den „Wieder“-Aufstieg in die 2. Bundesliga verfehlen – am Ende sogar sportlich fast noch in die Regionalliga absteigen.

Und wenn dann das neue Stadion als Ausrede für diese Misswirtschaft herhalten muss, dann grenzt das schon an Volksverdummung. Ich nämlich kann man mich noch gut an die Forderungen nach dem neuen Stadion seitens der Vereinsverantwortlichen erinnern. Da hieß es, dass die Kickers wirtschaftlich nur eine Chance hätten: ein neues Stadion müsse her. Jetzt beginnt der Neuaufbau oder erst mal die Rettung. Das wird ein langer und steiniger Weg. Alle Träumereien müssen am „Bersch“ endgültig beendet sein. Mit kleinen Schritten alles wieder aufbauen und nach vorne schauen. Keine Luftschlösser mehr. Nicht nur geiler, ehrlich, bodenständiger Fußball „Marke Offenbach“, sondern auch geiles, bodenständiges und ehrliches Wirtschaften ist angesagt. Und die Kickers sind es allemal wert, dass sie gerettet werden. Der OFC ist ein ganz besonderer Verein.

Für die Lilien ist das Abenteuer 3. Liga schon wieder beendet. Drei Trainer in einer Saison konnten letztendlich keine Wunder verbringen. Der Kader war nicht Drittligareif. Sehr schade, denn Darmstadt gehört einfach dazu und Darmstadt ist wichtig und hat so wahnsinnig viel Potential in der Stadt. Also Kopf hoch und weiter arbeiten. Wichtig ist, dass die richtige Analyse folgt. In Darmstadt sollte man nicht mit Polemik auf die Rettung der Offenbacher Kickers reagieren. Denkt an die Bibel, an den ersten Stein. Den sollte man in Darmstadt nicht werfen – gerade nicht in Darmstadt. Und vielleicht sollte man sich erinnern, dass es unter Anderem der OFC war, der vor knapp fünf Jahren an einem Benefiz-Turnier für die insolventen Darmstädter teilgenommen hat. So wie die damaligen Verantwortlichen um Präsident Kessler mit viel Energie und Leidenschaft einen Scherbenhaufen zusammen gekehrt haben, so versucht man es jetzt in Offenbach.

Und Hilfe und Unterstützung ist für beide Vereine sinnvoll (gewesen). Ich verstehe, dass man sich als wirtschaftlich sauber geführter Verein im Wettbewerb von den Unseriösen benachteiligt fühlt. Das Argument kann man zulassen. Aber ob es hilfreich ist, die eigenen Versäumnisse zu erklären, glaube ich nicht. Der FSV Frankfurt könnte hier als gutes Beispiel gelten. Er ist gesund aufgestiegen von der Oberliga bis in die 2. Bundesliga, ist gesund geblieben und hatte damit sogar sportlichen Erfolg.

Meine Kolumne endet mit dem großen Traum, dass sich die Vereine aus der Region irgendwann mal wieder sportlich duellieren können in der Bundesliga. Egal ob erste oder zweite Liga. Hauptsache Bundesliga. Und jetzt träum' ich davon, dass es endlich mal wieder Sommer wird. Das scheint mir nämlich noch viel unrealistischer zu sein.

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