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Bundestagsabgeordneter: Am Rande der Politik

Von Gute Vorsätze zeigen: Wir wissen, dass wir es besser können. Und dieser Satz sollte auch unsere Politik bestimmen.

Jahreswechsel und gute Vorsätze

Eher noch als die Geburtstage sind die kalendarischen Jahreswechsel für viele ein Anlass, gute Vorsätze zu formulieren. Die besinnlichen Weihnachtstage haben ihre Wirkung getan, man ist in sich gegangen und hat Veränderungsbedarf festgestellt. Vielleicht hat auch die Ehefrau es an mahnenden Worten nicht fehlen lassen, man möge doch ein paar Kilo abnehmen, oder die Kinder haben wortreich bemängelt, dass sich der Vater an den anderen Tages des Jahres nicht so intensiv um sie kümmere wie an Weihnachten, aber meist liegen den guten Vorsätzen Erkenntnisse aus den Tiefen der eigenen Einsicht zugrunde.

Und es wäre ja auch einfach, sich darüber lustig zu machen, etwa durch den Hinweis, dass alle Fitness-Studios ihre Hochsaison im Januar haben, aber es geht um etwas anderes.

Gute Vorsätze zeigen nämlich eine Differenz auf zwischen dem, wie wir leben und dem, wie wir leben wollen. Engel brauchen keine Vorsätze, sie leben nur in der Vollkommenheit; Tiere fassen keine Vorsätze, weil sie nicht über sich selbst reflektieren, sich also nicht zum Thema ihres Nachdenkens machen können. Es ist also etwas zutiefst Menschliches, sein Leben an einem Idealbild auszurichten.

Friedrich Hölderlin hat das einmal in einem schönen Gedicht erfasst: „Wir sollen unsern Adel nicht verleugnen/ Den Trieb in uns, das Ungebildete/ zu bilden nach dem Göttlichen in uns.“ Wir haben also den Trieb in uns, und für Hölderlin ist dieser Trieb auf die Entfaltung des Göttlichen in uns angelegt. Oder, weniger pathetisch: Auf die besseren Seiten in uns, um die wir einfach wissen.

Deswegen spielt bei den guten Vorsätzen für das neue Jahr selten Materielles eine Rolle, etwa, wenn man sich vornähme, mehr Geld zu verdienen, beruflich Karriere zu machen oder sich einen Drittwagen zu kaufen. Die Vorsätze beziehen sich meist auf einen gesünderen Lebenswandel, mehr Bewegung, weniger Alkohol, nicht mehr rauchen, oder auf Verhaltensweisen:  Mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, Mitarbeiter besser behandeln, nicht mehr so aufbrausend und ungeduldig zu sein, gelassener zu werden, Freundschaften besser zu pflegen oder mehr vertrauen zu haben, wenn die Tochter abends ausgeht.

Die guten Vorsätze zeigen, dass wir durchaus einen guten Kompass dafür haben, was wir tun sollten und was nicht. Vor allem haben wir ein Bild davon, wie wir gerne selbst wären. Wir urteilen aus einer Erfahrung heraus, die häufig durch Fehlurteile geprägt war. Nicht Fehlurteile des Verstandes, sondern der Leidenschaften, der Gefühle, der emotionalen Aufwallung. Wir wissen, dass wir es besser können. Und gerade dieser Satz, so wünsche ich mir, möge in der Politik das Handeln und das Reden bestimmen. Das wäre mein Wunsch für 2017 und ein wenig auch mein eigener guter Vorsatz, den ich ja bekräftigend noch einmal in der bevorstehenden Fastenzeit bestätigen kann.

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