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Chef des Äppelwoi-Theaters: Äppelwois Ansichten

Von Die meisten Feierabend-Killer sind bekannt: E-Mails, SMS etc. machen uns allzeit bereit. Es gibt noch einen Killer: falsche Freunde!

Was ist eigentlich der „Feierabend“? …Und was für eine Frage! Denn in des Wortes wörtlicher Bedeutung empfindet ihn wohl heutzutage niemand. Ich glaube, keiner kann sich vorstellen, jeden Abend zu feiern; also, einen drauf zu machen, Party zu machen, um die Häuser zu ziehen, in Clubs zu gehen.

Also schauen wir zunächst mal im Lexikon, woher dieses Wort kommt und was es bedeutet. Zitat: Aus dem lateinischen Wort „feria“ für einen Wochentag bzw. kirchlichen Feiertag entwickelte sich das althochdeutsche „fîra“ mit der Bedeutung Fest oder Ruhe (im christlichen Sprachgebrauch vor allem ein Tag, der mit einer gottesdienstlichen Handlung begangen wurde). Hieraus wurde mittelhochdeutsch „vîre“ für einen festlich begangenen Tag oder die Arbeitsruhe (woraus sich der neuhochdeutsche Begriff „Feier“ entwickelte), wobei seit dem 12. Jahrhundert „vîr-âbent“ den Vorabend eines Feiertages bezeichnete. Dieser Begriff wird später frühneuhochdeutsch (nach dem 16. Jahrhundert) unter dem Einfluss der Sprache der Handwerker umgedeutet zu „(Beginn der) Ruhezeit am Abend“. Zitatende!

Also ganz wichtig: Beginn der Ruhezeit am Abend! Und damit haben neuerdings ganz viele Leute Probleme; denn sie können nicht abschalten! Tja, weil sie ständig erreichbar sind. Da sagt jedenfalls die Studie „Freizeit-Monitor 2015“ der Stiftung Zukunftsfragen.

Bevor sich viele Leute entspannen können, vergeht bei 38 Prozent aller Bürger etwa eine Stunde, bei 6 Prozent braucht es zum Abschalten sogar mehrere Stunden.

Für die aktuelle Untersuchung wurden im vergangenen Juli 2000 Menschen ab 14 Jahren persönlich befragt. Zwar schafft es nach eigener Aussage knapp die Hälfte der Deutschen ( 48 Prozent), sich sofort zu entspannen; viele Befragte seien jedoch ständig erreichbar, was ihre Freizeit beeinträchtige.

E-Mails, SMS und andere Handy-Kommunikation nach Feierabend stehen ja seit längerem in der Kritik, weil ein Zusammenhang mit Stress und psychischen Erkrankungen bei Arbeitnehmern vermutet wird. Und die Befragung zeigt tatsächlich, dass manche abends gar nicht von ihren Pflichten loskommen.

Acht Prozent der Teilnehmer gaben an, dass es für sie nie wirklich Feierabend gebe. Vor allem Hausfrauen und Selbstständige beschwerten sich in dieser Richtung. Aber auch Angestellte können nicht loslassen.

Und dafür gibt es laut Studie einen sehr eigenartigen Grund: Das soziale Gefüge hat sich verändert; die gestiegene Zahl von Single und Kinderlosen führt dazu, dass immer mehr Menschen Arbeitskollegen als gute Freunde haben. Und da wird dann natürlich auch abends über die Arbeit gesprochen.

LIEBE NICHT-FEIERABENDLER! Mal ein offenes Wort. Die Smartphones kann man wegschmeißen! Das ist nicht neu. Neu ist vielleicht, dass Ihr die Dinger nicht in die Mülltonne schmeißen dürft, denn da holt Ihr die nach 'ner Viertelstunde spätestens wieder aus. Nein, schmeißt sie in den nächsten Fluss, dann ist Ruhe!

Und noch was: Ich bin seit 40 Jahren selbstständiger Schauspieler. Ich kenne also gar keinen Feierabend, da ich abends arbeiten muss; in der Regel! Und wir Kollegen / Freunde sprechen sogar noch um Mitternacht über unseren Beruf (wie war die Vorstellung? etc.). Aber wir genießen am nächsten Morgen den „Feier-Morgen“, denn Proben sind frühestens ab 11 Uhr. Und das heißt, nicht zu feiern; also, keinen drauf zu machen, niemals Party zu machen oder um die Häuser ziehen oder in Clubs zu gehen. Denn Kneipen und Clubs sind dicht, allenfalls Bäcker und Cafés haben auf; und da kann man ganz in Ruhe mit der Zeitung sitzen und vor sich hinträumen – okay, manchmal, bis der Kollege kommt. Und dann reden wir übers Wetter.

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