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Chef des Äppelwoi-Theaters: Äppelwois Ansichten

Von Einigkeit und Recht und Fernsehen: Der Deutsche glotzt sogar länger TV als er eigentlich Zeit dafür hat.

Was machen wir am Sonntag? Jede Woche der gleiche Zirkus: Immer gegen Wochenmitte stellt sich die Frage aller Fragen! WAS MACHEN WIR AM SONNTAG?

Gut. Das Kind ist acht Jahre alt und relativ anspruchslos; entweder Opel-Zoo in Kronberg oder Frankfurter Zoo. Nur mach' das mal als Vater jeden Sonntag mit! Du kannst keine Kinder und Tiere mehr sehen! Mal ganz davon abgesehen, dass dieses Vergnügen für mich nicht nur keines ist, sondern auch noch recht teuer ist! Da hab' ich mich dann schon mal gefragt: Wie machen das eigentlich die anderen?

Die Antwort konnte ich nachlesen. Die Marktforscher von GFK haben nämlich das Freizeitverhalten der Deutschen untersucht. Und siehe da: Die meisten Deutschen kommen mit ihrer Freizeitmenge gut zurecht. Zumindest unter der Woche. Am Werktag nämlich hat der Durchschnittsdeutsche drei Stunden und 56 Minuten Freizeit! Und zwar echte Freizeit! Kochen, Putzen, Kinder versorgen und andere notwendige Aktivitäten haben die Statistiker dabei schon abgezogen.

Und was machen die Deutschen in diesen vier Stunden unter der Woche am liebsten? Richtig: Fernsehen! Mehr als einen funktionierenden Fernseher scheint der Deutsche nicht zu brauchen! Ist ja auch logisch und ergibt sich auch aus einer anderen Zahl: Ein Fernseher läuft in Deutschland im Durchschnitt 238 Minuten am Tag, sagt uns Media Control. Und das sind genau 3 Stunden und 58 Minuten. Ha, erwischt! Der Deutsche glotzt also auch noch 2 Minuten während der Arbeitszeit, in welchen Bildschirm auch immer. Und 66 Prozent der Deutschen sind zufrieden mit ihrem Freizeitverhalten! – Und das ist vielleicht das Allerschlimmste! Zwei Drittel liegen auf der Dauercouch! Gute Nacht, Deutschland!

Horst Opaschowski, Pionier der Freizeitforschung in Deutschland, sagt, dass erfüllende Freizeit heute neben Entspannung auch Abwechslung, Erlebnisse, Kommunikation und Geselligkeit bieten müsse. Ja, wann denn? Auf dem Weg von der Couch zum Klo? Oder wann? Ganz großes Kino! Zwei Couch-Potatoes im Flur: „Isch hatt´ en reischlisch dünne Stuhl!“ – „Nix da, meiner war zu hart!“ – Gut, das waren jetzt Kommunikation und Geselligkeit. Bleiben noch Abwechslung und Erlebnisse. Okay, Abwechslung reduzieren wir mal aufs Zappen und Erlebnisse gibt's dann, wenn das Bier alle ist: „ Isch hab' Dir gesacht, Du musst Bier hole!“ – „Ei ja."

Auffällig in diesem Zusammenhang ist eine Meinung von Ulrich Reinhardt, Leiter der Zukunftsstiftung in Deutschland. Der meint nämlich detailliert zum heutigen Freizeitverhalten der Deutschen: „Kaum eine Aktivität dauert länger als zwei Stunden; die Deutschen scheinen ständig einen neuen Impuls zu brauchen.“ – Okay, nach zwei Stunden den Fernseher mal aus! E-Mails checken! – Danach Fernseher wieder an! Okay, meine kleine Tochter mit Deinen acht Jahren: Wir gehen am Sonntag doch wieder in den Zoo! Das ist mir allemal das angenehmere Freizeitverhalten.

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