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Chef des Äppelwoi-Theaters: Äppelwois Ansichten

Von Ein neuer Sex-Trend ist ein Kein-Sex-Trend: Die Jugend von heute will erst ein Nest bauen und dann erst vögeln.

 
 
„Vorbeugen ist besser als heulen“, so lautete eine Kampagne der Jugendzeitschrift
Bravo zur Empfängnisverhütung im Jahre 1973. Rund 35 % der Jungen und 30 %
der Mädchen unter 17 Jahren hatten laut Kölner Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung intime Beziehungen ohne ausreichend über Verhütungsmittel
aufgeklärt zu sein. 35 % aller Jungen, das war jeder dritte Junge. Wohlgemerkt, im Jahre 1973!
 
Heute sieht das alles ganz anders aus: Jugendliche warten für den ersten Sex auf den richtigen Partner, wie eine neue Studie o.g. Zentrale zeigt (tja, die gibt´s tatsächlich immer noch!). Insgesamt sei die Gruppe der 14- bis 17-Jährigen nicht früher sexuell aktiv als in den vergangenen Jahren, sagt uns BZgA-Leiterin Heidrun Thaiss aktuell im November 2015. Bis 2005 hätten sich die sexuellen Aktivitäten nach vorne verschoben, also, sei man jünger zur Sache gegangen. Inzwischen sei der Trend aber gestoppt, wenn nicht sogar rückläufig. Ein „Wertewandel“ könnte der Grund sein, meinen die Forscher in der Erhebung „Jugendsexualität 2015“.
 
Was um alles in der Welt bedeutet nun „Wertewandel“? – Das ist laut Studie die Sehnsucht nach fester Partnerschaft. Da wird nicht mehr rumgepoppt! Nein, die jungen Leute wollen ihr eigenes Nest bauen. Der Trendforscher Peter Wippermann wertet dies als Gegenbewegung zum gesellschaftlichen Mainstream mit oft unbeständigen Beziehungen und Ehen. Die Jugend handle, ähnlich wie bei Retro-Trends, nach dem Motto „Wir machen es besser“.

Gut, das hört sich ja doch sehr vernünftig an; nur: Wir müssen es halt eben mal machen, liebe Jugend! Besser machen alleine reicht nicht! Da muss schon Bewegung in die Bewegung! Und irgendwie war das 1973 mit der BRAVO-Kampagne auch nicht so schlecht; da gab´s wenigstens solche Briefe zu unserer inneren Erbauung:
 
Lieber Doktor Sommer.
Ich schreibe Dir diesen Brief, weil ich sehr verzweifelt bin. Ich bin ein Mann, und ich lernte ein anderes Wesen kennen. Wie sollte es anders sein: Es war eine Frau. Wir kamen uns näher. Wir kamen uns dichter und dichter, wie es die Dichter nicht besser beschreiben können. Und dann, an diesem Tag, da sprach sie diese Worte, die ich mein ganzes Leben lang nicht mehr vergessen kann. Sie fallen mir nur jetzt gerade nicht mehr ein. Es war aber dadurch ein Moment entstanden, wir waren uns ja so nah. Und zum allerersten Mal in meinem Leben hatte ich eine erektile Dysfunktion. Es ging ja gar nix mehr. Es war ja schlapper als schlapp. Sie hat ja dermaßen gelacht. Weil: Ein Mann ohne Ständer, das ist ja kein gestandener Mann. Es war ja furchtbar, dieses Gelächter von ihr zu hören. Herr Doktor Sommer, Sie müssen mir dringend wieder zu einer Latte verhelfen. Helfen Sie mir, Dr. Sommer.
 
Bitte, liebe Jugend, schreib wenigstens solche oder ähnliche Briefe! Dann kannst Du von mir aus auch mit 35 erste sexuelle Erfahrungen machen. Da juckt nix mehr…
 
 

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