Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Chef des Äppelwoi-Theaters: Äppelwois Ansichten

Von In sechs Jahren hat das Warten ein Ende: Dann kann ich endlich machen, was ich will...

Hessen-Philosophie

Sin Sie auch am Warte, dass die Zeit rumgeht? Ich aach. Ich bin immer am Warte, dass die Zeit rumgeht. Obwohl, bei mir geht's. Ich hab ja nur noch sechs Jahr'n, gell, bis zur Rente. Nur noch sechs Jahr'n, gell, des habe ich mir extra ausrechnen lassen.

Obwohl, bei mir war des ja schon als Kind so. Ich weiß noch, wie mei Mutter immer zu mir gesacht hat: Wart´s ab, was wird, des wird. Des hat se gesacht. Wart´s ab,  was wird, des wird. Und wenn de erst emal groß bist, dann kannste mache, was de willst.

Drei Tach später war ich im Kinnergarte bei denen bescheuerte Tante, gell! Ei, da kannste ja nun wirklich net mache, was de willst. Und mer wird so langsam groß, gell! Na ja, die drei Jahr Bastelkram hab ich ganz gut rumgekriegt. Mir basteln was für Ostern, mir basteln was für Weihnachten, mir basteln was für'n Muttertag, und dann de ganze Schiss widder von vorne, gell!

Ei, wie des fertisch war, bin ich gleich widder hin zu de Mutter. Hab´ ich gesacht, ei Mama, was is dann, wann kann ich denn jetzt endlich mache, was ich will ? Wart´s ab, was wird, des wird. Und wenn de erst mal rechne und schreibe gelernt hast, dann kannste mache, was de willst. Ein Tach später war ich in so´m muffige Klassenzimmer. Strich ruff, Strich runner, e Pünktche obbe druff, gell! Und des e paar Jahr lang.

Wie des rum war, bin ich gleich widder zu de Mutter hie, gell. Hab´ ich gesacht, ei ja Mama, was is dann, wann kann ich denn jetzt endlich mache, was ich will? Wart´s ab, was wird, des wird. Und solange du deine Füße unner mein Tisch stellst...

Ein Tach später hab´ ich die Hannelore kennegelernt. So e Figürche, gell! So e Figürche und so en Hinnern! So en Hinnern! Als rischtig was zum festhalte! Ich mich gleich ordentlich in Schale geschmisse unn an´s Hannelörche ran. Un da hab ich gesacht, du Hannelore, du mit deim Figürche un deim Hinnern, also mir zwei gell!  Ich tät dir unheimlich gern mal an de Dingenskirchen läuten. Wart's ab, was wird, des wird. Un wenn mir zwei erstmal ordentlich verheiratet sind, dann derfste mir auch mal an de Dingenskirchen läuten.

Dann hab ich mein eigene Tisch gekauft un die Füß drunnergestellt. Dann hab´ ich die Hannelore geheiratet und dann durft ich ihr Samstags nach em Baden auch mal an die Dingenskirchen. Aber die große Freiheit Nummer sieben war des aach net!

Letzt´ Woch, da hatte mer Silberhochzeit. Da war die alt Mutter auch nochemal da. Bin ich gleich widder hin, hab´ ich gesacht: Ei ja, Mama, was is dann? Wann kann ich denn jetzt endlich mache, was ich wil ? Wart's ab, was wird, des wird ! Un wenn der erstemal uff Rente bist, dann kannste mache, was de willst. Ei ja, hab´ ich ja nur noch sechs Jahr'n, gell! In sechs Jahr'n kann ich mache, was ich will! Des mach' ich dann auch! In sechs Jahr'n mach' ich, was ich will! - Bloß was?!

Zur Startseite Mehr aus Michael v. Loefen - Äppelwois Ansichten

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse