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Chef des Äppelwoi-Theaters: Äppelwois Ansichten

Von Etikette(n)-Schwindel an der Schule: Lehrer,. die Schülern Hotpants oder Jogginghosen verbieten, verstoßen gegen das Grundgesetz.

Hierzulande gab's ja schon öfter mal Streit um die Etikette. Zum Beispiel: Wann ziehe ich was an? Was darf ich zu bestimmten Anlässen tragen und was nicht? Nun gut, dass man zur Beerdigung nicht im Hochzeitskleid gehen soll, ist noch nachzuvollziehen. Aber dass unser Nachwuchs in der Schule keine Jogginghosen tragen soll, das geht wohl ein bisschen zu weit.

Angefangen hat der ganz Ärger letzten Sommer in Baden Württemberg. Eine Schule im Nordschwarzwald sorgte mit einem Verbot für Hotpants für Aufsehen. Eine katholische Schule in Hamburg wollte darauf bei ihren Schülern weder Unterwäsche sehen noch zu viel nackte Haut. Jetzt soll auch die Jogginghose im Klassenzimmer tabu sein; ein Schulcampus im schwäbischen Schwieberdingen bei Stuttgart will die Schlabberhose verbannen.

Die Schulleiterin Ilse Riedl ist sich ihrer Sache sicher: Schon seit Jahren duldet sie keine Jogginghosen an iherer Hermann-Butzer-Schule mit der Begründung: Die Schule ist keine Chill-Out-Zone! Nein, die Schule sei ein Arbeitsplatz! Da hat die benachbarte Gemeinschaftsschule sofort nachgezogen; auch dort soll die Schlabberhose auf den Index.

Nun, mal davon abgesehen, dass ich als praktizierender Papa meiner Achtjährigen anziehe, was ich will und für richtig halte, wie soll ein solches Kleidungsverbot denn in der Praxis umgesetzt werden? Nehmen sich die Lehrerinnen und Lehrer nicht doch mal wieder ein wenig zu wichtig? Das BaWü- Kultusministerium hat sich denn auch eindeutig geäußert: Bildung ist nämlich Ländersache und für Schüler in ganz Deutschland gilt das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit. Ein Verbot der Jogginghose lässt sich daher aus Sicht des Ministeriums gar nicht begründen. Persönlicher Geschmack von Lehrern dürfe an öffentlichen Schulen nicht zum Richtwert für die Kleidung von Schülern werden.

Wohlgemerkt: Es handelt sich hier um öffentliche Schulen; Privatschulen können natürlich das Tragen von – beispielsweise – Schuluniformen präferieren. Jetzt bleibt die Frage: Was verleitet eine Direktorin oder einen Direktor zum Anordnen solcher Schwachsinnigkeiten? Gut: Bei Hotpants und nackter Haut würde ich sagen, die Herrschaften sind ganz einfach verklemmt bis in den Schritt. Aber bei Jogginghosen? – Da siehst Du ja den Schritt gar nicht, weil's doch nur schlabbert. Wird durch dieses Schlabbern untenrum vielleicht die Phantasie der Damen und Herren in ungewöhnlicher Weise angeregt? Und inwiefern wird durch dieses Schlabbern die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt? Denn die Jogginghose kann ja auch arbeitstechnisch genutzt werden – etwa im Sportunterricht!

Na schön, der Modedesigner Karl Lagerfeld hat mal gesagt: Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren! – Aber das haben doch Teenager in der Pubertät ohnehin! Lasst sie doch verrückt sein! Das waren wir doch alle in diesem Alter. Ich finde, wer als Lehrer solche Dresscode-Regeln aufstellt, der hat die Kontrolle über sein Gehirn verloren. Und ob sie/er in diesem Zustand noch als Vorbild-Person taugt, sei dahingestellt.

Und wir Frankfurter erinnern uns in diesem Zusammenhang noch gerne an den „nackten Jörg“, der jahrelang bei Wind und Wetter nur mit Turnschuhen bekleidet splitterfasernackt durch Sachsenhausen lief – und niemanden gestört hat. Was hätten da wohl die BaWü-Lehrer dazu gesagt? – Wahrscheinlich hätten denen die Turnschuhe nicht gefallen.

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