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Chef des Äppelwoi-Theaters: Äppelwois Ansichten

Von Die Jugend will nicht mehr rebellieren, Anpassung gilt als cool. Eintracht-Fans können ein Lied davon singen...

Eintracht-Fan gegen jeden Trend

Liebe Fan-Gemeinschaften der Frankfurter Eintracht, die Ihr Euch vor einigen Wochen so wunderbar zusammengeschlossen habt, um den Bürokraten der Darmstädter Verwaltung richtig kontra zu geben, indem Ihr sie mit einstweiligen Verfügungen und Anordnungen gezwungen habt, Euch doch nach Darmstadt fahren zu lassen. Und wie Ihr denen ca. 165.000 Euro an Prozesskosten und Verwaltungsgebühren aufgebrummt habt für ihre unsinnigen Taten; ach, was haben wir Euch dafür bewundert.

Aber vielleicht ist es jetzt mal an der Zeit, einen Blick zu werfen auf die Gegenseite, auf jene bürokratischen Kalkleisten, die sich den ganzen Unsinn ausgedacht hatten, obwohl sie ja eigentlich in Eurem Alter sein müssten! Die, die da so rumsitzen in den Ämtern und Behörden. Das sollten ja auch „junge“ Leute sein, wenn man dem statistischen Altersdurchschnitt glauben will. Aber die ticken halt ganz anders! Und das kann einem schon Angst machen, wenn man der jüngsten Sinus-Jugendstudie vertrauen mag.

Deutschlands junge Menschen stehen nach dieser Studie nämlich auf etwas, das für junge Leute früher eher ein Schimpfwort war: Auf Mainstream! „Sein wie alle“ gelte für viele Jugendliche als cool, ob beim Musikgeschmack, Klamotten oder Kino, sagt Studienautor Marc Calmbach. Abgrenzung und Provokation sind einem Kuschelkurs mit den Erwachsenen gewichen. Jugendforscher Klaus Hurrelmann sieht darin einen Trend zur Überanpassung. Zitat: „Es ist eine nicht-rebellische Generation, die als oberstes Ziel hat, in diese Gesellschaft hineinzukommen“, bilanziert er.

Damit, liebe Eintracht-Fans, habt Ihr's schwarz auf weiß: Arschkriechen ist angesagt. Hinterfragen nicht erwünscht. Denn sonst kann man ja nix werden in dieser Gesellschaft! Und im übrigen laut Studie: Die strikte Ablehnung von Gewalt eint Jugendliche aus allen Bildungsschichten. – Na, da habt Ihr's doch schon wieder; ein Eintracht-Fan muss in deren schlichten Denk-Apparat zwangsläufig wohl zur Klopperei neigen. Ist doch klar.

Nun ist die Jugend als Ganzes – laut Studie – aber keine homogene Gruppe. Sie gliedert sich in Konservative, Pragmatische, Ökos und die Spaß-Fraktion. Nehmen wir nur mal an, Ihr, liebe Eintrachtler, seid die Spaß-Fraktion. Tja, was bleibt denn da noch gegen Euch? Die Konservativen, die Euch eh nicht übern Weg trauen, und die Pragmatischen, die dieses Misstrauen dann praktisch umsetzen und dabei auch schon mal locker gegen geltendes Recht verstoßen. Die Ökos halten sich ohnehin lieber raus. Warum sind die aber jetzt so?

Die Wissenschaftler sehen Wirtschaftskrisen, die Terroranschläge in Europa und eine zunehmend unsichere globalisierte Welt als Gründe für den ungewöhnlichen Schulterschluss. „Es ist eine Überanpassung aus Sorge“, sagt Hurrelmann. Das letzte Mal haben Jugendforscher das in der Generation nach dem zweiten Weltkrieg beobachtet, bevor dann die 68er rebellierten. Aufsteigen statt absteigen gehört zu den zentralen Motiven.

Und der Herr Calmbach sieht die Anpassung der jungen Leute auch als Reaktion auf uns Erwachsene im fortgeschrittenen Alter: Wir würden uns nämlich immer jugendlicher geben! Aber gerne doch! Schon morgen packe auch ich wieder die Löcher-Jeans und die Kunstleder-Hosen aus! Euch zeig' ich's doch gerne, Euch Weich-Eiern! Also, liebe Eintracht-Fans, weiter so! Und mögen noch viele gelungene derartige Aktionen folgen – natürlich gewaltfrei! Denn wie hat der Kommentator einer großen deutschen Zeitung formuliert: Die Hooligans kommen nicht aus Frankfurt, sie sitzen im Darmstädter Rathaus. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!

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