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Chef des Äppelwoi-Theaters: Äppelwois Ansichten

Von Immer mehr Jugendliche sind süchtig nach dem Internet: Wen wundert's? Man muss nur mal ihre Eltern im Restaurant beobachten!

Die Droge Internet

Die gute Nachricht hat uns schier weggehauen: Kampftrinken unter Jugendlichen geht zurück! Eine historisch niedrige Raucherquote bei Kindern und Jugendlichen sowie sinkender Alkoholkonsum, da jubelte die Bundesdrogenbeauftragte, als sie jüngst den neuen Drogen- und Suchtbericht 2016 vorstellte. Nur noch 15.500 Kinder zwischen 10 und 17 Jahren werden jährlich wegen Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert. Ich versuch' mir das mengenmässig mal gerade vorzustellen und find's ganz schön viel.

Aber es gibt ja Ersatz-Drogen; und da sehen die Zahlen ganz anders aus. Designerdrogen z.B. sind ganz doll im Kommen. Und: Die richtigen Suchtgefahren für Kinder und Jugendliche lauern im World Wide Web. Demnach gelten in Deutschland rund 560.000 Menschen zwischen 14 und 64 Jahren als internetabhängig. Und Jüngere sind dabei deutlich häufiger betroffen.

So zeigen bei den 14- bis 24-Jährigen etwa 250.000 Menschen Anzeichen einer Abhängigkeit, unter den 14- bis 16-Jährigen sind's gar allein 100.000. Nach einer anderen Studie könnten bereits 1,2 Prozent aller Neuntklässler süchtig nach Computerspielen sein. Und natürlich sind die Eltern da völlig unschuldig dran.

Für viele Eltern – so sagt der Bericht – sei es schwierig, Regeln für die Nutzung von Computerspielen und Internet aufzustellen. Denn: Anders als ihre Kinder seien sie in der Regel nicht in die Internetwelt hineingeboren. Ich sehe das anders! Und zwar ganz besonders hier auf der Sonneninsel Zypern.

Wenn Papa, Mama und zwei Kinder abends ins Restaurant kommen, dann gilt die erste Frage nicht der Speisekarte; sondern die heißt: „What´s your wifi-code?“ Und dann packen alle vier – ja richtig, alle vier(!) – ihr Tablet oder Smartphone aus und loggen sich ein. Jetzt könnte man ja noch denken, vielleicht haben die was Wichtiges zu erledigen. Aber oft kann man denen ja auch so´n bisschen über die Schulter gucken. Und siehe da: Die lieben Kleinen spielen Ballerspiele (natürlich mit Kopfhörer – wenigstens das). Papa guckt erst mal Wetterbericht (den könnte ich ihm jetzt auch so sagen – nämlich: Sonne bis Weihnachten), und Mama schaut sich in aller Ruhe Modeseiten an, die sie aber heute am Pool wahrscheinlich auch schon drei Mal gesehen hat.

Lustig wird's immer dann, wenn der Kellner nach der Essensbestellung fragt: Die haben sie nämlich vergessen. Vor lauter Netz. Vielleicht könnte das Internet ja alle Hunger- und Durstprobleme dieser Welt lösen? Wer Netz hat, braucht keine Nahrungsaufnahme mehr. Und natürlich auch keine Tischgespräche mehr. Aber das muss kein Fehler sein; dann wird auch weniger Bullshit abgesondert.

So, also das Elternproblem haben wir abgehandelt; die können nix dafür, wenn die Brut internetsüchtig wird; weil's die Alten ja eh schon sind. Jetzt müssen wir uns noch fragen: Woran erkenne ich denn im Zweifelsfall die Online-Sucht? Und da hat die Bundesdrogenbeauftragte – heißt übrigens Marlene Mortler und gehört zur CSU – viele kluge Ratschläge zur Hand. Anzeichen einer Online-Sucht sind: „Wenn Kinder sich unleidlich verhalten, nicht pünktlich aufstehen, sich nicht waschen und nicht pünktlich zur Schule gehen. Entsprechend kommt es zu häufigen Schwänzen und schlechten Schulnoten. Oft kämpfen diese Kinder und Jugendlichen auch mit Schlafproblemen.“

Liebe Frau Mortler, wenn ich an meine Kinder in der damaligen Pubertät denke… Die waren unleidlich, unpünktlich, faul, ungewaschen, haben auch mal geschwänzt und hatten nicht immer die besten Schulnoten! Aber schlafen konnten die 1a; teilweise bis Mittags. Liebe Frau Mortler, ich habe nur ein Problem: Es gab da noch kein Internet! In diesem Sinne: Weiter so mit der Drogenbekämpfung durch die Bundesregierung! Da sitzt wirklich jeder Schritt! Und darauf ein doppelter Schoppen! Prost!

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