Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Chef des Äppelwoi-Theaters: Äppelwois Ansichten

Von Vom Stress mit dem Stress: Warum eigentlich leiden die Deutschen unter der Arbeit besonders stark?

Die 4- Tage-Woche

Obwohl die Zahl der Arbeitnehmer in Deutschland kontinuierlich steigt, muss jeder Einzelne in seinem Job länger ran. Arbeitnehmer mit einem Vollzeit-Job mussten im vergangenen Jahr im Schnitt 40,5 Stunden wöchentlich arbeiten. Das war eine ganze halbe Stunde mehr als 20 Jahre zuvor, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Bei Teilzeitbeschäftigten sieht´s genauso aus! Und dann die ungünstigen Arbeitszeiten: Fast jeder Vierte arbeitet ständig oder regelmäßig abends, knapp jeder Zehnte in der Nacht! Da ist natürlich der Deutsche Gewerkschaftsbund nicht weit: „Arbeitszeit muss besser erfasst und vergütet werden“, kommt als prompte Forderung.

Ach Gottchen, ja… Das wird den Bauer in der Wetterau oder im Odenwald vielleicht höchstens müde lächeln lassen. Muss er doch ständig – 365 Tage im Jahr – sein Vieh versorgen. Da ist mit ner 40-Stunden-Woche nix! Aber macht ja nix! Fordern kann man ja als Arbeitnehmer immer. Und das sieht dann so aus: Fünf Tage pro Woche arbeiten, häufig Überstunden und am Wochenende Familienstress.

Auf Dauer kann ein solches Leben krank machen, warnt ein Ökonom - und fordert die Vier-Tage-Woche. In der Woche kommt man neben der Arbeit kaum zu etwas, ist das Wochenende dann da, muss man sich erst einmal ausruhen. Dann gibt es etliches zu erledigen - und schon ist das Wochenende wieder vorbei.

Arbeit, Arbeit, Arbeit - daraus besteht für viele heutzutage die Woche. Dabei gerät die Work-Life-Balance in Schieflage, es bleibt kaum mehr Zeit für die Dinge, die glücklich machen, die im Leben wichtig sind. Und das Allerschlimmste: Die Lebensqualität kann unter zu viel Arbeit leiden. Schnell bleibt man auch mal ein wenig länger. Wer viel arbeitet, hat im Büro einen guten Stand.

Doch Studien zeigen angeblich, dass die körperliche und seelische Gesundheit unter zu viel Arbeit leidet. Das Risiko eines Schlaganfalls, für Herzerkrankungen und Typ-2-Diabetes erhöhe sich. Immer zu arbeiten, heiße, die Zeit mit Freunden und Familie zu verlieren und zudem die Fähigkeit, Dinge zu tun, die dem Leben zusätzlichen Wert geben. Es fehle die Energie, über andere Lebenswege nachzudenken und die eigenen Talente auszuleben. Das sagt Wirtschaftsprofessor David Spencer. Er fordert deshalb ein Drei-Tage-Wochenende. Jede Woche. Nicht nur seien die Mitarbeiter dann gesünder und produktiver. Weniger zu arbeiten lasse uns auch die positiven Seiten der Arbeit mehr sehen. Es bedeute, nicht nur besser zu arbeiten, sondern insgesamt das Leben auch mehr zu genießen, sagt er.

Warum arbeiten wir überhaupt so lange? Der Ökonom John Maynard Keynes sagte voraus, dass durch die technische Entwicklung im 21. Jahrhundert nur noch eine 15-Stunden-Woche nötig sei. Spencers Meinung nach befinden wir uns in einem Teufelskreis aus viel zu viel Arbeit. Obwohl die technische Entwicklung vorangetrieben und damit die Produktivität erhöht wurde, arbeiten wir so viel wie nie zuvor. Unterstützt werde dies von Politik und Wirtschaft. Zudem werden wir ständig dazu angehalten, neue Dinge zu kaufen, für die wir wieder mehr Geld benötigen und länger arbeiten müssen.

Spencer fordert eine Reduzierung der Arbeitszeit auf 30 Stunden in der Woche. Das Wochenende sollte drei, idealerweise sogar vier Tage lang sein. Der Ökonom meint, die jetzige Gesellschaft sei zu jobzentriert. Wir müssten neu über Arbeit und den Wert, den wir ihr in unserem Leben zumessen wollen, nachdenken.

Okay, dann denken wir mal: Der deutsche Durchschnitts-Depp guckt gerne und viel Fernsehen. Dazu braucht er sicher mehr Zeit. Und dann das Smartphone: Da drückt und fummelt er oft stundenlang an ebenso sinnlosen und dummen Spielen oder Web-Seiten herum. Auch das kostet natürlich viel Zeit – und die braucht er auch, ist er doch längst abhängig von den Dingern!

Vielleicht sollte irgendwer dieses sinnlose Tun auch noch vergüten; denn obiger Ökonom hat uns leider nicht mitgeteilt, wer oder was die wegfallenden Arbeitsstunden finanziell ausgleichen könnte oder sollte. Und dann der Umsatz! Einer, der nur 15 bis 30 Stunden die Woche arbeitet hat ja dann kein Geld mehr zum Ausgeben. Da muss er dann in den Odenwald ziehen, und da gibt´s noch nicht mal für 15 Stunden Arbeit in der Woche. Es sei denn, er hilft dem Bauern beim Melken. Umsonst natürlich.

Warum sind eigentlich alle so gestresst in Deutschland? Vielleicht hat das ja auch ganz einfach was mit der inneren Einstellung zu tun? Wenn wir immer nur vor uns hin leiden und dieses unsägliche Leid dann auf die Arbeit schieben, dann kann´s ganz schlimm kommen: Einen meiner jugendlichen Mitarbeiter hat´s letzten Montag ganz übel erwischt. Der hat – laut eigener Aussage – Sonntag Nacht bis 1 Uhr (!) an seiner Master-Arbeit geschrieben. Davon war er dann so kaputt, dass er Montag aus Versehen in eine Strassenbahn nach Offenbach gestiegen ist! Und weil er da drin eingeschlafen ist, musste er auch noch in Offenbach aussteigen! Und das ist dann wahres Leid!

Zur Startseite Mehr aus Michael v. Loefen - Äppelwois Ansichten

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse