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Chef des Äppelwoi-Theaters: Äppelwois Ansichten

Von Leonardo di Cabrio, Titanic, Kabarett, Klamauk und vieles mehr: Unser Neu-Isenburger Kellertheater feiert 35. Jubiläum.

Großer Erfolg auf kleiner Bühne

Als am 27. Oktober 1981 der damalige Neu-Isenburger Bürgermeister Dr. Paul Büchel im neu eingerichteten Kellertheater im Haus zum Löwen das rote Band zerschnitt, das die Bühne vom Zuschauerraum trennte, da fiel ihm in eben diesem Moment ein Lappen auf den Kopf, der ihm zunächst die Sicht nahm. Die Einsicht wiederum folgte auf dem Fuß: Was er da eben eröffnet hatte, war zumindest vom Programm her ein ungewöhnliches Theater. „Loriot's Tele-Revue“ wurde zur Eröffnung gegeben; Szenen von Loriot in hessischer Bearbeitung, die schon am ersten Abend für lautes Gelächter sorgten.

Das Kellertheater war geboren. Jenes Kleinkunst-Theater, das die nächsten 35 Jahre für tausende ausverkaufte Vorstellungen sorgen sollte; jenes Kleinkunst-Theater, das jeglichen Zeitgeist und alle Trends ganz einfach dadurch überlebte, indem es sie vorwegnahm. Die Kellerkünstler waren einfach immer ein bisschen schneller – und wollen's noch eine Zeitlang bleiben. Und ich darf diese Truppe inszenieren und das Programm zusammenstellen. Dafür bedanke ich mich bei allen Kulturschaffenden und dem großartigen Publikum.

Die ersten Jahre nach 1981 schwankten wir zwischen politischem Kabarett und gepflegter Salon-Komödie. Ein Kabarett-Programm mit der Satire-Zeitschrift TITANIC gab's 1982 ebenso wie die erste Inszenierung der lange Jahre erfolgreichen Woody-Allen-Komödie „Spiel´s noch mal, Sam!“ Dafür erhielten wir dann 10 Jahre später sogar den Kulturpreis des Kreises Offenbach. Woody-Allen-Komödien wurden noch öfter gespielt: 1983 z. B. „Gott und Tod“ oder 1986 „Wer früher stirbt, ist länger tot“ sowie 1990 die Mauerfall-Komödie „Vorsicht Trinkwasser!“ Und immer wieder dazwischen aktuelle politische Kabarett-Programme wie „Ha-la-li-luja“ (1983 ) oder „ Rubbellos statt arbeitslos“ (1985).

Einen unerwarteten Hit landeten wir noch Ende 1983 mit der Uraufführung der neuesten Schwulen-Komödie „Blonde Erdbeere“; einhundertvierzig ausverkaufte Vorstellungen sprachen eine deutliche Sprache. Aufführungsserien, die heute nur noch schwer oder gar nicht zu erreichen sind. Denn die Konkurrenz hat sich ebenso vermehrt wie das Ausgehen an sich vermindert. Aber das mittlerweile in „Äppelwoi-Theater“ umbenannte Kleinkunst-Etablissement lebt!

Im Jahre 1987 traf dann der Schauspieler Pit Krüger zu uns und arbeitete mehrere Jahre mit. Besonders erfolgreich war seine Inszenierung der Kishon-Komödie „Es war die Lerche“, die natürlich auch neue Zuschauerschichten nach Neu-Isenburg brachte. Das Kellertheater war endgültig etabliert.

Bis Anfang der neunziger Jahre präsentierten wir dann jedes Jahr eine große Komödie und ein aktuelles Kabarett-Programm. Diese Mischung bewährte sich und war der Garant für ausverkaufte Häuser: Wem das Kabarett zu heftig war, der freute sich auf die nächste Komödie, umgekehrt war's genauso.

1991 mit dem Kulturpreis änderte sich dann einiges: Das städtische Kulturamt, damals unter Ludger Heyming, engagierte sich für unser Ensemble. Es gab städtische Mittel und einen Sonder-Etat für Freilicht-Veranstaltungen. 1991 wurden im Hof des Hauses zum Löwen die deutschen Äppelwoi-Festspiele aus der Taufe gehoben, werbemäßig erfolgreich begleitet von der städtischen Frauenbeauftragten, die damals so energisch gegen das angeblich sexistische Festspiel-Plakat wetterte, dass die überregionale mediale Aufmerksamkeit sichergestellt und der Riesenerfolg nicht mehr abzuwenden war.

Und dann veränderte sich die deutsche Kleinkunst-Szene: Nach der Wiedervereinigung verflachte das politische Kabarett zusehends. Einfache spaßige Unterhaltung war angesagt, pures Ablachen war Trumpf: Es kam die Comedy. Für unser Team damals eine heikle Entscheidung: Einerseits wollten wir das Stammpublikum nicht vergraulen, andrerseits mussten neue Elemente her. Nicht nachmachen wollten wir, sondern vormachen!

Und so kamen wir auf die Idee, deutsche Comedy-Elemente mit kanadischem „Theatersport“ zu vermischen. Raus kam die lange, lange Jahre erfolgreich gepflegte Improvisations-Show. Große Teile des Abends wurden aus dem Stegreif nach Vorgaben des Publikums gespielt. Eine Show-Art, die wir als die damaligen „Spottlichter“ geradezu kultivierten und die die Jahre 1993 bis 2003 dominierte. Immer in der gleichen Besetzung mit Frollein Beate, Herbert aus der Wetterau, dem cholerischen Chef und meistens irgendeinem Gaststar (oft: Leonardo di Cabrio) ging's dann im wahrsten Sine des Wortes ins Publikum hinein. An die einhundert Improvisationsformen und -spiele sind in dieser Zeit entstanden. Die Shows hießen „Krabbel-Cocktail“ , „Happy Aua“ , „Batman's Rache“, „Babbel-Show“, „Hessen-Gaudi“ oder „Das dümmste Gericht“.

2003 war's dann wieder mal so weit: Richtungs- und Programmwechsel waren angesagt. Die Impro-Shows hatten sich wohl auch ein wenig überlebt, und so hieß es: nachdenken! Aber unsere Truppe hätte sicher nicht so lange überlebt, wenn uns nicht immer was eingefallen wäre. Und so kamen wir auf die nächstliegende Idee: Warum nicht einfach mal das spielen, was uns in unserer Jugend immer genervt hat?! Und so wurden die Schlager-Shows geboren, eine satirische Abrechnung mit den 60er, 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts und natürlich gekoppelt mit den bewährten Spottlicht-Improvisationen. Live gesungen wurden die „ollen Kamellen“ selbstverständlich auch, und so reihten sich Heino-Hits an die der Kollegen Carpendale oder Wencke Myhre, Spider Murphy Gang oder Abba. Und das Publikum bejubelte die 70er Jahre in „Marmorstein und Hossa“, die 60er in „Petticoat und Entenschwanz“ und die 80er in „Da-Da-Da-Der Märchenprinz“.

Und ans Aufhören denkt von uns hier keiner. Im nächsten Jahr folgt eine große Musical-Show „Kitsch oder Liebe“ mit den schönsten Musical-Melodien aus „TABALUGA“, „TARZAN“, „GREASE“, „STARLIGHT-EXPRESS“, „COPACABANA“, „MISS SAIGON“, „CATS“, „ANNIE GET YOUR GUN“, „CABARET”, „ANATEVKA”, „SATURDAY NIGHT FEVER”, „MY FAIR LADY”, „DREI MUSKETIERE” und vielen anderen mehr. Ein Theater-Abend, den Sie so im Äppelwoi-Theater noch nie erlebt haben! Außerdem gibt's die große Nachbarschafts-Show mit dem Titel „Krieg der Geranien“. Seit vier Jahren firmiert auch unser Ensemble in Neu-Isenburg als „Deutsches Äppelwoi-Theater“ und unterhält mit dem Bad Homburger Haus ein zweites kleines Theaterchen im dortigen Kurhaus – und da feiern wir übrigens im Januar auch schon zehntes Jubiläum.

Zum festen Ensemble gehören neben meiner Weniskeit, Michael von Loefen, übrigens heute Susanne Fey, ausgebildete Tänzerin, Sabrina Wilstermann, ausgebildete Schauspielerin (übrigens aus Neu-Isenburg ) und Glen Arriola, ein philippinischer Comedian, der fließend hessisch spricht. Und dieses Quartett wird hoffentlich noch lange zusammenarbeiten.

Momentan ist es jeden Freitag um 20 Uhr zu besichtigen im Äppelwoi-Theater im Haus zum Löwen, Löwengasse 24, 63263 Neu-Isenburg. Die Abendkasse ist jeweils 90 Minuten vor Showbeginn geöffnet und telefonisch zu erreichen unter 06102 – 38875. Im Vorverkauf sind derzeit übrigens alle Shows bis Sommer nächsten Jahres. Tickets gibt's im Ticket-Shop in der Hugenottenhalle, Frankfurter Straße 152, 63263 Neu-Isenburg. Oder Sie kaufen telefonisch über 06102-77665 oder 069-1340 400 und erhalten Ihre Tickets per Post direkt ins Haus. Gerne bedienen und beraten Sie die Mitarbeiter von Frankfurt Ticket RheinMain auch direkt in den allen anderen angeschlossenen Vorverkaufsstellen.

Und der besondere Ticketservice: Drucken Sie sich Ihre Eintrittskarten einfach selber aus – Sie buchen über www.frankfurt-ticket.de und haben Ihre Äppelwoi-Tickets innerhalb weniger Minuten griffbereit zu Hause!

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