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Chef des Äppelwoi-Theaters: Äppelwois Ansichten

Von Wie motiviert man Schüler, für gute Noten alles zu geben? Unser alter Mathe-Lehrer hatte da einen genialen Trick!

Ach so, liebe SchülerInnen, Büffeln wollt oder sollt ihr nicht mehr! Armin Himmelrath heißt der Buchautor des Werkes „Hausaufgaben - Nein Danke“. Und schon wächst bundesweit der Protest gegen diese Lern-Pflichtübungen. Kinder und Eltern seien davon genervt, meint der Autor. Und die Lehrer geben zu, dass sie durch die Kontrolle der Hausaufgaben wertvolle Unterrichtszeit verlieren würden.

Ach, liebe Lehrer, dann sprechen wir zunächst mal über die sieben Stunden Koch- und Bastelunterricht, die meine zwölfjährige „Adoptivtochter“ an der Kennedy-Hauptschule in Bad Vilbel wöchentlich zu absolvieren hat. Ja, Ihr habt richtig verstanden: KOCHEN und BASTELN! In diesen sieben Stunden könntet Ihr 'ne Menge Hausaufgaben kontrollieren! Ihr könntet in dieser Zeit sogar zusammen mit den Kindern lernen, damit auch in die Köpfe vielleicht mal was reingeht!

Aber wahrscheinlich macht Euch das Vor-Kochen fürs Wochenende einfach mehr Spaß! Kann ich ja auch verstehen. Und das eine oder andere Weihnachtsgesteck kann in dieser Jahreszeit auch schon ganz locker vorbereitet werden. Und Hausaufgaben verschärfen ja ohnehin die sozialen Unterschiede, meint Herr Himmelrath. Denn ambitionierte Eltern können ihre Sprösslinge in den Nachhilfeunterricht stecken, wo sie dann die Hausaufgaben erledigen; andere können das nicht, weil sie entweder die Kohle dazu nicht haben oder selbst nicht über die sprachlichen Ressourcen verfügen, um ihr Kind zu unterstützen.

Und deshalb sollen die lieben Kleinen jetzt gar nix mehr lernen? Doch, sollen sie! Aber freiwillig! Zitat Himmelrath: „In jedem pädagogischen Seminar lernt man, dass die Motivation von innen raus das Entscheidende ist. Aber Hausaufgaben setzen auf eine Bedrohungssituation, weil man sie machen muss. Deswegen funktionieren sie nicht. Lehrer müssten vielmehr eine Motivationshaltung erzeugen, damit die Schüler etwas machen.“

Jo! Dann motivieren wir jetzt mal eine pubertierende, durch Medien verseuchte Schülerin, die altersimmanent auch noch stinkefaul ist. Das ist bestimmt ganz einfach. Ich erzähl's mal anders aus meiner Jugend: Da hat das in der Tat geklappt. Mein Mathe-Lehrer war ein begeisterter Skat-Spieler, war darin sogar Landesmeister. Und wir Oberschüler waren auch begeisterte Skat-Spieler. Da haben wir dann eben zusammen gespielt und waren hoch motiviert. Wir haben nämlich um die Mathe-Noten gespielt. Wer gewonnen hat, bekam die Gnaden-Vier; oder der Lehrer 'nen Kasten Bier. – Mussten wir aber nie spendieren, da wir ja um unser kleines Mathe-Leben spielten. Alle gegen einen – wie die drei Musketiere! Und ein bisschen Mathe haben wir dann auch noch gelernt, aus Dankbarkeit. Und irgendwann muss man ja anfangen, zu lernen; sonst ist ja später gar nix in der Birne.

Deshalb, denke ich: Hausaufgaben ja! Bleibt nur die Frage: Wo und wie? Reiner Pilz, Vorsitzender des Landeselterbeirats Hessen, ist auch gegenüber Hausaufgaben skeptisch: „Einheitliche Aufgaben unterfordern die einen und überfordern die anderen Kinder“, meint er. Er hält es für besser, dass die Schüler den Lernstoff wiederholen – eingebunden ins Konzept einer Ganztagsschule, wo Lehrer ihnen dabei individuell unterstützend zu Verfügung stehen. Einverstanden! Und da muss man ja auch nicht den ganzen Tag büffeln. Man könnte ja auch zusammen Skat spielen. Und die Vokabeln lernen wir dann am Wochenende mit Mama und Papa. Damit deren sprachliche Ressourcen vielleicht auch besser werden.

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