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Chef des Äppelwoi-Theaters: Äppelwois Ansichten

Von Wenn der Schüler um sein Handy kämpft und den Lehrer würgt: Vom alltäglichen Dumpfsinn in den Klassenzimmern.

Okay, liebe Grundschüler, Mathe könnt Ihr auch nicht! Sagt die Bildungsstudie Timms. Die attestiert euch besorgniserregende Probleme in Mathematik. Da seid Ihr im internationalen Vergleich auf 522 Punkte tief ins Mittelfeld abgerutscht und liegt nun unterhalb des EU-Durchschnitts von 527 Punkten. Vor allem bei Textaufgaben seid Ihr ruckzuck mit Eurem Latein am Ende (schönes Wortspiel! Als ob ein Grundschüler auch nur einen Funken Ahnung von Latein hätte)! Klar, für Textaufgaben sollte man der deutschen Sprache mächtig sein, was Ihr aber oft nicht seid.

Marion Körle, Mathe-Lehrerin an der Wehrheimer Limesschule hat festgestellt, dass Kinder mathematische Textaufgaben vielfach zu oberflächlich lesen und ganz schnell zu dem Schluss gelangen: „Diese Aufgabe kann ich nicht.“ Die Gründe hierfür sieht die Pädagogin in unserer schnelllebigen Zeit, in der die Kinder vielen Reizen ausgesetzt seien. Auf gut deutsch: Eure Smartphones liegen Euch mal wieder im Wege. Das bestätigt Stephan Wassmuth vom hessischen Landeselternbeirat: „Wenn ich sehe, dass Grundschul- und Kindergartenkinder schon am frühen Morgen am Handy spielen, ist das nicht ganz korrekt."

Also schauen wir mal ganz kurz, wie das dann später aussieht, etwa nach Beendigung der Hauptschule. Andrea Schmidt ist Ausbildungsleiterin beim Frankfurter Mess- und Regeltechniker Samson, und sie meint: „Bei Textaufgaben haben nicht wenige unserer Bewerber auch Probleme.“ Sie führt solches nicht vorhandenes Textverständnis auf mangelndes Lesen zurück, für viele bestehe die Sprache fast nur noch aus Kurznachrichten. Na Bravo! Kurzes Beispiel: Was bedeutet HASSUT ZONK ? – Ganz einfach: Besoffen SMS getippt.

Also gut! Mathe könnt Ihr nicht. Deutsch könnt Ihr nicht. Was könnt Ihr überhaupt? Natürlich: KLOPPEN! Schimpfen, drohen treten, prügeln – Schüler teilen nicht nur untereinander aus. Sie knöpfen sich auch verstärkt Lehrer vor. Eine Umfrage zeigt erstmals das Ausmaß von Gewalt gegen Lehrer. In Auftrag gegeben wurde diese bundesweite repräsentative Umfrage zur Gewalt gegen Lehrkräfte vom Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE). Sechs Prozent aller Lehrer wurden demnach von Schülern schon einmal körperlich angegriffen. Das ist aber nur die offizielle Zahl. Hochgerechnet schätzt der VBE die Zahl der angegriffenen Lehrer bundesweit auf 45.000 ( fünfundvierzigtausend). Psychische Gewalt wie Bedrohungen, Beleidigungen, Beschimpfungen oder Mobbing hat bereits jede Vierte befragte Lehrkraft erlitten.

So ein kleines Beispiel: In Niedersachsen hat ein vierzehnjähriger Schüler einen Lehrer bei einer Klassenfahrt mit einem Schnürsenkel gewürgt, weil der ihm das Handy weggenommen hatte. Na klar, für Euer Handy tut Ihr alles. Da sind die Aggressionen hoch. Zumal das Smartphone ja oft der Grund für Aggressionen aller Art ist. Lehrerverbände etwa in Nordrhein-Westfalen und Bayern haben in eindringlichen Appellen davor gewarnt. Zitat: „Wir erleben eine Aggressivität, eine Sprache des Hasses, der Geringschätzung und Diskriminierung, persönliche Beleidigungen, bewusste Kränkungen und Ausgrenzung in Wort und Handeln.“ Damit werde der Boden auch für physische Gewalt bereitet.

Nach Erkenntnissen von Neurologen bestehe zwischen aggressiver Sprache und aggressivem Verhalten ein enger Zusammenhang. Na klar, wenn's im Kopf fehlt, dann bleiben nur noch die Muskelpakete. Die Zahlen zeigen deshalb vor allem, dass es hauptsächlich an Haupt-, Grund- und Förderschulen zu körperlicher und psychischer Gewalt kommt. 38 Prozent der Lehrkräfte an Förderschulen haben bereits körperliche Übergriffe erlebt.

Okay, liebe Grund- , Haupt- und Förderschüler, Ihr habt keinen Respekt mehr! Vor nichts und niemandem. Dann begreift bitte aber auch, dass auch keiner mehr vor Euch Respekt haben wird. Man muss Euch später nicht einstellen oder ausbilden. Geht putzen oder Straße kehren. Und wenn Ihr dabei mit dem Smartphone in der Hand in den nächsten Gulli fallt, ist es auch nicht schade um Euch. Es gibt ja dann genug von Euch. Und all denen, bei denen noch ein Resthirn vorhanden ist, sage ich: Man kann Gewalt gegen Lehrer auch anders ausleben. Wir haben mal dem Musiklehrer seinen Fiat 500 in den dritten Stock direkt vor den Musiksaal geschleppt. Das war richtig körperliche Arbeit! Mit sechs Mann! Aber sein dummes Gesicht, als er das gesehen hat, war's wert.

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