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Chef des Äppelwoi-Theaters: Äppelwois Ansichten

Von Ungeheuerlich, was sich Brad Pitt wieder geleistet haben soll... Kommen Sie ruhig näher, denn Klatsch ist gesund!

Klatsch ist gesund, sagt ein führender Wissenschaftler. Mehr noch: Tratschen ist es demnach, was den Menschen vom Tier unterscheidet. 

Als Normalsterblicher, der sich eigentlich wünscht, dass 95 Prozent seiner Mitbürger den Mund doch bitteschön nur zur Nahrungsaufnahme öffnen sollten, überrascht mich diese Meldung doch ziemlich. Denn bisher empfand ich es doch eher als ungesund, was viele Leute um mich rum so zum Besten geben. Aber, bitteschön, ich vertraue dann mal der Wissenschaft und mache mich schlau.

Also noch mal: Tratsch ist gesund! Als Experte aus diesem Gebiet gilt seit vielen Jahren der britische Evolutionsexperte Robin Dunbar von der Universität Oxford. Seine Theorie zusammengefasst: Der Klatsch stammt von der Fellpflege des Affen ab. Fellpflege dient dem Zusammenhalt der Gruppe, ist jedoch äußerst zeitintensiv. Daher die Entstehung der menschlichen Sprache.

Plaudern ist auch effektiver als Kraulen, weil man mit Worten gleich mehrere Sozialpartner auf einmal erreichen kann. Zum Beispiel, wenn man mit Kollegen auf dem Flur zusammensteht oder abends bei einer Party mit Freunden. Nichts wird dabei so begierig aufgesogen wie der neue Tratsch über gemeinsame Bekannte. Wer gut lästern kann, findet viele Zuhörer. Und: Wer viele Sozialkontakte hat, hat eine deutlich höhere Lebenserwartung.

Dunbar geht so weit zu sagen: „Der wichtigste Überlebensfaktor ist die Größe des sozialen Netzwerkes.“ Tratschen stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Je kleiner und geschlossener die Gruppe, desto mehr wird getratscht. – auf dem Dorf zum Beispiel mehr als in der Stadt. Der Tratsch hat auch die Funktion eines Frühwarnsystems: Wenn man immer wieder Schlechtes über jemanden hört, nimmt man sich vor ihm in Acht.

Übrigens haben mehrere Studien ergeben, dass Männer genauso viel tratschen wie Frauen. Das will ich ja gerne glauben. Wenn ich bei uns im Äppelwoi-Theater die verschiedenen Grüppchen in der Pause zusammenstehen sehe, dann weiß ich, dass die Kerle im wahrsten Sinne des Wortes auch nicht maulfaul sind.

Bleibt ja nur noch die Frage: Worüber reden die denn gerne? – Die Forschung sagt, dass berühmte Zeitgenossen immer ein beliebtes Thema sind. Damit ist allerdings immer noch nicht erklärt, warum sich viele Menschen so sehr für Klatsch über Leute interessieren, die sie noch nie getroffen haben, etwa Prominente.

Angela Keppler, Professorin für Kommunikationswissenschaft an der Uni Mannheim, analysiert diesen Prozess folgendermaßen: „In dem Moment, in dem Zum Beispiel eine Promi-Ehe auseinander geht, ist das für Menschen, die sich dafür interessieren, eine Erschütterung ihrer bisherigen Wertvorstellungen.“ Im Extremfall könnten sich sogar soziale Normen verändern, meint der auf Klatschforschung spezialisierte US-Psychologe Charles Walker. Ewige Liebe? Gibt's vielleicht doch nicht. Andere Studien deuten darauf hin, dass gerade mit Beziehungsdesastern moralische Lektionen transportiert werden. Zum Beispiel: Fremd gehen rächt sich, sollte man lassen.

Davon abgesehen hat es zwei praktische Vorteile, ausgerechnet über Promis herzuziehen. Erstens kennt sie jeder, man kann also am Frühstückstisch genauso über sie ablästern wie mittags in der Kantine. Zweitens werden die Betroffenen nie darüber erfahren. Wird dagegen über den Kollegen gesprochen, könnte der es mitkriegen und einen darauf ansprechen – wie peinlich! Der Promi wird sich in der Regel nicht melden; und wenn doch, dann hätte man eine so gute Geschichte zu erzählen, dass die Lebenserwartung gleich um Jahre steigen könnte.

Bleiben wir zum guten Schluss mal bei der Wörtlichen Bedeutung des Wortes „Klatsch“. Und da gibt es ja zwei Bedeutungen. Zum einen die eben Abgehandelte. Zum anderen ist „Klatschen" auch ein sehr aktives Wort. Man kann zum Beispiel einem, der einem auf den Zeiger geht, eine „klatschen“, etwa mittels einer Ohrfeige. Also: Lasst uns diese Doppeldeutung besonders intensiv merken. Wenn uns jemand mit seinem Klatsch mal wieder richtig nervt, dann denken wir an die andere Bedeutung - und dann klatscht's.

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