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Chef des Äppelwoi-Theaters: Äppelwois Ansichten

Von Überall falsche Vorbilder: Selbst die Superhelden machen unsere Kinder zu Monstern und nicht zu Weltenrettern.

Also, liebe Kleinkinder, dass Fernsehen Euch nicht gut tut, das ist eine alte Weisheit. Aber dass Ihr jetzt auch noch mit den Superhelden Probleme haben sollt, des will mer net in de Kopp enei. Superhelden sollen doch eigentlich Vorbilder sein. Sie schützen im Fernsehen die Schwachen und bekämpfen die Bösen. Doch für Kindergartenkinder sind sie dennoch kein geeignetes Programm, sagen die Forscher.

Superman, Spiderman oder Captain America wirbeln durch das TV-Programm zahlreicher Vorschulkinder. Eine US-Studie hat nun Wirkung und Gegenwirkung bei den lieben Kleinen und ihren Superhelden untersucht und herausgefunden: Vor allem bei Jungen stiegen die Aggressionen – körperlich und auch sozial – signifikant an. Als Vorbilder für den Schutz Schwächerer hinterließen die Superhelden hingegen bei Jungen wie bei Mädchen keinen Eindruck, stellten Sarah Coyne und ihr Team von der Brigham Young University in Provo (Utah) fest.

Und das schauen wir uns mal ein bisschen genauer an und schauen dann mal in unsere eigene Fernsehjugend. Die Forscher hatten die Eltern von 240 Kindergartenkindern zwischen drei und sechs Jahren aus verschiedenen Einrichtungen im Abstand von einem Jahr befragt. Sie sollten Auskunft darüber geben, welche Superhelden ihre Sprösslinge bevorzugten und auch, inwieweit sie sich mit Taten oder Worten aggressiv gegenüber anderen verhielten.

Bei der Auswertung zeigte sich: Fast 84 Prozent der Jungen und 82 Prozent der Mädchen hatten schon TV-Serien oder Filme mit Superhelden gesehen. Jeder fünfte Junge und etwa jedes zwanzigste Mädchen guckten solche Programme wöchentlich. Bei beiden Geschlechtern zeigte sich – wenn auch bei den Mädchen in wesentlich geringerem Ausmaß –, dass die Aggressionen binnen eines Jahres umso mehr zunahmen, je mehr sich die Kids mit Superhelden beschäftigten.

Eltern sehen die positiven sozialen Seiten der Superhelden, die Kiddies aber eben nicht! Diese seien eben noch zu jung, um komplexe, doppelte Strukturen von Gewalt und Schutzeffekt zu verstehen, erläuterte Frau Coyne.

Der Sozialpsychologe Robert Busching von der Uni Potsdam sagt dazu: „Mich wundern die Ergebnisse nicht, denn Gewalt in Superhelden-Geschichten wird immer legitimiert.“

Ist ja eigentlich einleuchtend, liebe Eltern, für die lieben Kleinen ist Gewalt ganz einfach Gewalt; egal wer sie anwendet und zu welchem Zweck auch immer. Dies bestätigt auch der Münchner Medienpädagoge Michael Gurt: „Welche Botschaften bei den Kindern ankommen und wie sie gewalthaltige Geschichten oder Heldenfiguren beurteilen, ist vom sozialen Umfeld abhängig.“ Sprich: Wenn Papi mit dem Bierchen in der Hand auf dem Sofa ordentlich mitfiebert und den Superhelden auch noch anfeuert, fester drauf zu hauen, dann kommt das bei den lieben Kleinen nicht so gut. Dazu besagter Herr Gurt: „Kinder brauchen Identifikationsfiguren, die ihnen am Herzen liegen, ihnen das Gefühl von Vertrautheit und Verlässlichkeit bieten. Superhelden gehören definitiv nicht dazu.“ Also abschalten!

Ach, wie hatten wir das doch so viel besser! In den siebziger Jahren war das Kinderfernsehen in Deutschland der allerletzte Schrei. Es gab „Biene Maja“, „Wickie“ und „Heidi“. Es gab „Black Beauty“ und „Fury“. Es gab „Rin-tin-tin“ und „Lassie“. Es gab „Daktari“ und „Tarzan“. Es soll sogar Leute gegeben haben, die „Barbapapa“ geguckt haben.

Ich habe eine Theorie zu „Barbapapa“. Ich glaube, dass die Kinder, die damals nachmittags „Barbapapa“ geguckt haben, schon morgens von ihren Eltern mit Drogen vollgestopft wurden, damit sie „Barbapapa“ nachmittags aushielten. „Barbapapa“ – das waren farbige Flächen, die miteinander sprechen – absolut bescheuert. Aber natürlich absolut gewaltfrei. Und: Wir haben im zarten Alter zwischen drei und sechs ganz bestimmt kein Fernsehen geguckt; da wäre uns die Oma mit dem Kochlöffel hinterher gerannt.

Ach, und liebe Kiddies, wenn Euch die neue „Biene Maja“ nicht mehr so gefällt wie uns die alte – dann denkt nach: Bei uns sangen Gitti und Erica die Titelmelodie. Heute macht das Helene Fischer. Noch Fragen?

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