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Chef des Äppelwoi-Theaters: Äppelwois Ansichten

Von Die Deutschen heiraten wieder pompös. Meine Tochter lässt's auch krachen. Und ich greife zur Waffe!

Töchterchen heiratet...

…und wir feiern mal wieder nicht trendy! So ein Pech! Das passiert uns immer wieder. Aber doch bitte nicht bei der Hochzeit! Was machen wir falsch? Um es auf den Punkt zu bringen: Wir geben nicht genug Geld aus. Und ich als Brautvater muss es ja wissen.

Ja, wir feiern nur „in Familie“. Und das ist heute nicht „in“. Denn: 5000 bis 15.000 Euro geben die Deutschen laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ im Durchschnitt für ihre Hochzeit aus. Vor einigen Jahrzehnten sei es unvorstellbar gewesen, mehrere Monatsgehälter in eine Feier zu investieren. Einen der Gründe finden die Autoren im Werk „Der Konsum der Romantik“ der Soziologin Eva Illouz. Wer viel Geld investiert, zeige, wie ernst er es meine, heißt es dort.

Na ja, nun bin ich mit meinem Schwiegersohn sehr zufrieden und meine Tochter mit ihrem Zukünftigen auch. Die beiden meinen es garantiert gaaaaanz ernst. Nur, die Kohle haben wir in dem genannten Umfang nicht. Und da darf's doch gerne etwas schlichter sein.

Vergleichen wir doch mal den gängigen Trend mit unserer Feier:
Bettina Funke-Redlich ist Sprecherin des Bundes deutscher Hochzeitsplaner, und sie beobachtet, dass die ganz große Hochzeitsparty mit Live-Musik und viel Tamtam wieder gefragt ist. Und der Trend gehe vor allem zu sehr edlen Locations wie imposanten Schlössern, Orangerien und Festsälen. Auch die Brautkleider und die gesamte Inszenierung der Hochzeit seien glamouröser geworden.

Okay, wir haben kein Schloss und keinen Ballsaal, sondern einen Bio-Bauernhof, der zwei Freunden des Brautpaares gehört. Wahrscheinlich essen wir da gesünder, das ist doch auch schon mal was. Und ob man vom Bio-Wein schneller betrunken wird, das darf ich an diesem Tag endlich mal selbst ausprobieren.

Schauen wir auf andere Hochzeits-Details. Ina Froehner ist Pressesprecherin beim Online-Portal Dawanda und charakterisiert die Hochzeitszeremonie folgender-maßen: „Fast jede Hochzeit hat ein Motto und ein Farbschema – und das muss auch durchgezogen werden“, meint sie. „Das Brautpaar mag beispielsweise Roségold – dann soll alles von den Einladungskarten bis zur Dekoration dem entsprechen. Hochzeiten sind in den letzten Jahren einhergehend mit dem Social-Media-Trend durchgestylter“, sagt Frau Froehner. Und sie sieht als Hauptgrund das Internet: „Da sind ja tausende Anregungen zu jedem Detail.“

Gut, wer die Zeit hat, tausende Anregungen zu begucken, mag das tun. Nur: Wie viele Jahre muss er/sie dafür der Arbeit fern bleiben, um das alles zu bestaunen, um es sich dann nicht leisten zu können.

Wir basteln uns die Deko selbst; jeder bringt was mit – da wird das mit der farblichen Gleichheit nicht so ganz hinhauen. Dafür muss unsere Deko auch keiner ein Leben lang aufheben; weiß doch sowieso keiner, wohin mit dem ganzen Kerschel.

Nur mal so nebenbei: Vor rund 15 Jahren galt es nahezu als verpönt, spießig klassisch im weißen Brautkleid und in einer großen Location zu heiraten. Aber jetzt kommt das alles wieder. Zum Beispiel die Hochzeitstorte! Ich zitiere noch mal Frau Froehner: „Wo vielen vor rund zehn Jahren ein Erdbeerkuchen reichte, soll es jetzt doch wieder etwas Mehrstöckiges sein.“

Na prima, da muss die Braut aber wenigstens 1,80 Meter groß sein, sonst kommt sie an die obere Schicht gar nicht dran und muss sich unten so'n bisschen Füllung rauspopeln.

Bei uns gibt's überhaupt keinen Kuchen, sondern ein leckeres Dessert, denn wir haben einen eigenen Koch, der für uns im Bio-Hof kocht. Hat den Vorteil, dass ich die Mehrstock-Torte nicht rankarren lassen muss, und dabei soll ja auch schon einiges schief gegangen sein.

Übrigens: Zwischen Standesamt und Hochzeitsfeier gehen wir spielen – in eine Laser-Tech-Halle. Zwei Stunden lang erschießen wir uns gegenseitig – das ist die Übung fürs gemeinsame Leben. Und hat den Vorteil, dass die Damen alle ihre Super-Kleider ausziehen müssen. Steht übrigens auch in der Einladung: Um sportliche Kleidung wird gebeten – wegen körperlicher Ertüchtigung. Das wird ein Spaß!
 

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