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Frankfurt-Kennerin: Prinzessin vom Main

Von War wieder eine tolle Woche mit mir. Und mit Ulrich Tukur und Hilde Knef im Hemdchen. Und doch: Früher war wirklich alles besser.

Gestern bin ich geschminkt aufgewacht und gut angezogen. Kennen Sie das, wenn man kein Ende findet, alles so schön ist und der nächste Tag noch in weiter Ferne liegt? Ich fühle mich immer sehr gut, denn ich bin niemandem eine Rechenschaft schuldig. Keine Kinder, um die ich mich kümmern muss, kein Eifersuchtsdrama hinter der Haustür und nicht mal vorwurfsvolle Hundeaugen, die anklagend starren. Wo warst Du, Frauchen? Ja, das Frauchen war unterwegs, solange es will und so oft sie will. Sie geht hin, wohin sie will und isst und trinkt, was sie will.

Mein Ende finde ich oft an der Bar des schönen Restaurants Main Nizza. Das ist wie Familie. Ich komme da rein und fühle mich zuhause. Die Gastgeber Uli und Hardy sind das Herz in dieser Artischocke. Das Team ist so angenehm wie die begleitenden Weine. Dort bin ich also sehr gerne mit Freunden oder Kunden und auch oft alleine und trödel so vor mich hin.

Schön ist es auch im Film-Museum, da gibt es auch ein Café im Erdgeschoss, und man kann sich, gemütlich auf einem Stuhl platziert, den Kuchen schmecken lassen. Das Treiben im Foyer beobachten und dann auch ins Kino gehen.

Kino ist großes Kino im Film-Museum. Besonders wenn ein Prominenter die sogenannte „Carte Blanche“, eine ganz private Filmauswahl, mit seiner Anwesenheit beehrt.

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Vor ein paar Tagen war Ulrich Tukur zu Gast. Er ist ja öfters in Frankfurt, ein Tatortler. Ein Wiederholungstatortler, der sich in Frankfurt sehr wohl fühlt. Und in Florenz, wo er auch noch wohnt. Sein erster Wunschfilm ist „Unter den Brücken“ mit Gustav Knuth und vielen anderen großartigen Schauspielern. Die blutjunge Hildegard Knef und Hannelore Schroth. Recht sexy, wie sie da auf dem Boot übernachtet in einem dünnen Trägerhemdchen. Das war schon ziemlich gewagt für die damaligen Zeiten.

Aber ich unterhalte mich oft mit alten Menschen, was ich da alles so erfahre, da kriege selbst ich manchmal einen roten Kopf. Also stimmt es doch: Früher war alles besser. Ulrich Tukur ist obendrein ein großer Verehrer von Hans Albers. Ich habe mal recherchiert und herausgefunden, dass Hans Albers seine erste Theater-Rolle in Frankfurt bekommen hat. In einem Haus am Frankfurter Hauptbahnhof, das dann im Krieg weggebombt wurde. Schade, dass es dort im Bahnhofsviertel auch kein Kino mehr gibt. Also ich meine eines, wo nicht nur die Pornos in Dauerschleife gezeigt werden und die verbabbten Papiertaschentücher zwischen den Sitzreihen herumfliegen.

Ich bin mal versehentlich in so ein Kino reinspaziert, und da saß ein Typ ganz alleine in der ersten Reihe und onanierte fröhlich vor sich hin. Ein Alleinunterhalter nach Art des Hauses. Ich habe mich so erschrocken, dass ich vergessen habe, dass ich hier so etwas erwarten muss. Wollte mich da oben an die Bar setzen, weil ich jemanden kannte, der da arbeitete. Bin dann dumm rumgelaufen und habe die Tür zum Kino erwischt. Die dumme Prinzessin auf Abwegen.

Zurück zu Hans Albers, der wohl auch kein Kostverächter gewesen sein soll und der gerne mit den Damen herumhantierte. Nicht der frühe Vogel kriegt den Wurm, sondern der Freie.

Ein guter Freund von mir, der mit seiner Agentur weltweit klassische Konzerte veranstaltet, hat im Bahnhofsviertel nach dem Krieg in einem kleinen Zimmer den Grundstein zu seiner Karriere gelegt. Er arbeitete mit Zarah Leander und auch Marlene Dietrich und kam mit vielen großen Stars zusammen. Alles begann in einem kleinen Zimmer am Bahnhof. Als er da morgens so sein Moped rausschob, lief er ins Bild von Dreharbeiten. Oder war es ein Fahrrad? Ich bin jetzt nicht ganz sicher. Der Regisseur fand ihn gut und passend und machte ihn kurzerhand zum Komparsen, morgens in der Hofeinfahrt. Neben Hans Albers. Also habe ich einen Freund, der mit Hans Albers gedreht hat. Er lief durchs Bild. Er debütierte in der Hofeinfahrt im Morgengrauen.

Ja, diese Geschichte habe ich Herrn Tukur dann auch beim Abendessen erzählt.  Ich durfte mit zum Dinner, darüber habe ich mich sehr gefreut. Dass es so schöne Filme und Veranstaltungen gibt im Film-Museum ist sicher vielen von Ihnen bekannt. Vielen aber auch nicht, ich lege Ihnen ans Herz, sich mal an diesen schönen Ort zu begeben. Da kann man viel Freude haben in den Ausstellungen und Veranstaltungen. Man muss ja kein Cineast sein, aber man kann dort auch Mitglied werden. Als Filmfreund, der einen Jahresbeitrag entrichtet und auch ihn in den Genuss von schönen Kurzreisen bringt. Da kann man damit rechnen, dass diese Fahrten wundervoll organisiert und geplant werden mit Schnuppereien hinter den Kulissen. Auch stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis, und man ist unter sich.

Ich selbst bin gar kein Freund von Vereinen oder Mitgliedschaften, aber im Film-Museum, da bin ich gerne dabei. Es gibt dort auch eine wunderbare Filmvorführerin, die ich sehr schätze. Sie heißt Pramila und ist eine sehr gute und talentierte Sängerin, die mit ihren Auftritten oft das Publikum verzaubert. Ihre neue CD ist gerade erschienen und darauf ist sie, verständlicherweise, stolz wie Bolle.

Am Samstag werden wir gemeinsam nach Wiesbaden fahren. Ich hoffe, wir müssen nicht trampen, denn wir sind beide ohne Auto. Dort erwartet uns Ronny Rolls in seiner Sendung „Chez Ronny“ bei Radio Rheinwelle. Pramila ist sein Wunschgast, und ich freue mich sehr, dass sie Zeit hat. Ich will auch bestimmt eine Zugabe noch obendrein. Ich liebe Radio. Ich liebe zuhören, ich liebe es zu sprechen und mich zu unterhalten. Handys aus.

Wenn man gut vernetzt sein will, dann muss man auch Sprachen beherrschen und Menschen verzaubern ohne Emoticons oder Elektrokram. Die Sprache ist ein wesentlicher Bestandteil der Persönlichkeit. Ich danke dem Schöpfer, dass ich eine Stimme besitze.

Es gibt viele Menschen, die nicht sprechen können oder hören. Oder auch nicht sehen. All das sind Sinne, die so wertvoll sind. Wer sie nie hatte, leidet bestimmt nicht so unsagbar wie Menschen, denen im Laufe des Lebens durch Schicksalsschläge etwas davon verloren ging. Ein sehender, sprechender, hörender Mensch, der beweglich ist, der hat den wahren Sechser im Lotto. Mit Zusatzzahl. Ich sage nochmals Danke.

Ich bedanke mich auch bei meinen Dingen im Alltag, bei meinem Briefkasten oder meiner Kaffeetasse. Das geht dann so: „Danke, kleiner Briefkasten, dass du meine Post bewahrst." Oder: „Danke, kleine Kaffeetasse, dass ich aus Dir trinken kann.“ Probieren Sie das mal aus, ihr Leben wird schöner und die Dinge um sie herum wertvoller. Das ist für mich die wahre Börse, wo die Aktien gut stehen müssen und steigen können, bis sie durch die Decke knallen.

Eine Dame erzählte mir gestern von einem Mann, der stotterte. Er wollte aber unbedingt Schauspieler werden. Er bewarb sich und wurde immer abgelehnt. Er gab jedoch nicht auf und bekam tatsächlich eine feste Anstellung im Schauspielhaus. Na, also geht doch! Keep simply knocking on Theaters Door.

Jeder Mensch, der seine Träume vor Augen hat, hat das Recht auf deren Erfüllung. Und oft beginnt es mit einem kleinen Wunsch, ein Herzenswunsch muss aber von Herzen kommen. Sonst klappt es nicht. Also ich wünsche mir jetzt, dass einer kommt, dem ich Schaufel und Besen überreichen kann. Mir ist nämlich gerade eine Packung geöffneter Haferflocken aus dem Schrank gefallen. Direkt in meine offene Handtasche der eine Teil, der Rest ging zu Boden. Saublöde Geschichte. Ah, da klingelt es. Wunsch erfüllt. Danke. Herzlichen Dank.

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