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Frankfurt-Kennerin: Prinzessin vom Main

Von Verlassen Sie mal den Holzweg. Jetzt! Später ist es vielleicht zu spät...

Als kleines Mädchen habe ich meiner Mama auf die Frage: „Was willst Du denn später mal machen?“, geantwortet: „Reisen!“ Das habe ich dann später auch zu Genüge getan. „Später“. Aber ich habe es zumindest getan und war in der Lage dazu. Bekam die Freiheit und Freizeit geschenkt von meinen Freunden und Mitmenschen oder Partnern. Ich war und bin beweglich, habe fremde Länder kennen gelernt und bin komfortabel transportiert worden. Komfortabel und sicher. Egal wo, egal wie und egal wann.

Ich bin glücklicherweise sehr anspruchsvoll und genieße den Luxus. Das hat aber nichts mit Geld zu tun oder einem Upgrade. Das kann auch ein Spaziergang im heimischen Wald sein, solange es ihn noch in dieser Form gibt.

Irritiert hat mich lediglich mal tatsächlich ein Wald in der Nähe von Weston in den USA, wo ich immer meine Freundin Eartha Kitt (Achtung Namedropping, meine Herrschaften!) besucht habe. Dort waren tatsächlich künstlich installierte Wege in Form von Holzschienen gelegt, Hinweisschilder verboten mir Diverses, was man im Wald normalerweise tut, z.B. etwas aufzuheben und mitzunehmen. Oder mich außerhalb der holzigen Schienen aufzuhalten. Ich wäre dann ein Dieb, ein Grenzübertreter und hätte eine Straftat begangen, nehme ich an. Drei Monate Knast wegen unerlaubten Entfernens einer Eichel aus dem Wald. Da wäre unentdeckt kein Pinocchio entstanden und unter diesen Umständen auch niemals eine selbstgemachte Krippe. Bestimmt standen dort in den Vogelhäuschen auch Kameras, die alles aufgezeichnet haben. Wen wundert dort solch ein Wunder der „Natur“?

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Als Kind habe ich aus Kastanien Schweine gebastelt, steckte ihnen vier Streichholzbeine dran und malte ein Gesicht drauf. Klasse Wertarbeit. Oder Blätter und Blüten wurden liebevoll in Buchseiten gepresst und getrocknet zu Collagen gewandelt. Da hatte man dann ein schönes Geschenk zum Muttertag. Das hat übrigens auch Grace Kelly, die Fürstin von Monaco, einst als ihr Hobby entdeckt. Man muss ja auch nicht die Zweige abreißen oder etwas zerstören und vermüllen. Das habe ich mal gemacht, an einem Teerosenbaum, der über den Gartenzaun hing: einen riesengroßen Zweig abgerissen. Ich wollte meiner Mama Blumen mitbringen vom Schulausflug. Dafür habe ich mir nicht nur die diebischen kleinen Finger zerstochen, wobei der Zweig nicht abging und nur traurig beschädigt herab hing. Nein, ich bin dann zur Belohnung auch noch von einem Taxi überfahren und schwer verletzt worden, weil ich auf Zuruf des strengen Lehrers schnell über die Straße rannte, ohne zu gucken. Mit der Angst vor einer Strafe im Genick.

Aber freue dich, was der Baum oder Strauch Dir freiwillig abwirft, daraus kannst du dir noch echte Freude bauen. Knallerbsen am Busch kann man dagegen abreißen und vor sich herwerfen, dann drauftreten und sich freuen, wie es knallt. Silvester im Wald. Dann gibt es noch Bäume, keine Ahnung wie die heißen, die haben so nashornartige Knospen, die kann man sich auf die eigene Nase kleben. Das ist lustig. Finde ich zumindest. Wer Glück hat, der findet eine Strauchlandschaft Heidelbeeren oder gar Walderdbeeren, die klein und schmackhaft sind.

Vielleicht amüsieren sich die Überwacher noch heute darüber, wie ich in den Wald gepinkelt habe, weil ich es nicht mehr aushielt nach dem Verzehr von stillem Wasser aus dem Supermarkt. Hier trinke ich aus dem Wasserhahn, das war und ist mir in Amerika nicht so angenehm.

Nun, zurück zu „später“. Dieses Wort ist ein gewaltiges. Kannst Du mir mal helfen? Kannst du dies oder kannst du das? Alle diese Fragen und viele mehr werden immer mit dem Wort „später“ beantwortet. Was wollen wir denn alle mal später machen? Dazu müssen wir uns besinnen, ob es das jetzige auch später noch so gibt. Wahrscheinlich nicht. Den Dreck von heute können wir später nicht mehr so einfach aus dem Weg räumen, denn dazu ist es dann mit Sicherheit zu spät.

Also nichts unnötig aufschieben, mal Fünfe gerade sein lassen und den Holzweg verlassen.

Liebe Grüße, Ihre Prinzessin vom Main.

P.S.: Am 5. Juni ist Welthundetag. Werfen Sie ein Stöckchen, und sie bekommen es garantiert zurück und ein Schwanzwedeln gratis dazu. Am Weltspartag hingegen kriegen sie nichts. Der ist fürn Arsch.

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