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Frankfurt-Kennerin: Prinzessin vom Main

Von Einfach wertvoll: Eines Tage lag eine goldene Schatulle auf einer Frankfurter Wiese, und es geschah Wunderliches...
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Auf einer Wiese in Frankfurt stand vor einigen Tagen eine kleine goldene Schatulle. Sie stand da im Sonnenschein und glänzte mit der Sonne um die Wette. Viele Menschen gingen an ihr vorbei, große und kleine und Hunde mit und ohne Leine. Alte und junge Menschen, dicke und dünne. Menschen aus allen Ländern und Nationen. Auch einige Graugänse wanderten schnatternd an ihr vorbei.

Jeder sah die kleine goldene Schatulle, jeder machte sich dazu seine eigenen Gedanken. Einer wünschte sich, sie wäre voller Geld und Schmuck. Doch er ließ seine Finger weg, denn er hatte Angst vor einer versteckten Kamera. Der andere wünschte sich, es wäre keiner da und er könnte die Schatulle einfach unbemerkt wegnehmen und zu Hause öffnen.

Doch die kleine goldene Schatulle stand dort, glänzte und funkelte und keiner traute sich, sie anzurühren. Verstohlene Blicke. Einige Menschen verlangsamten ihren Gang und kehrten wieder zurück, nur um an dem kleinen Schätzchen vorbei zu schlendern. Einen Blick darauf zu werfen und zu rätseln, wem sie denn gehöre. Ist es ein Kunstwerk oder eine Falle?

Keiner jedoch dachte in diesem Moment wirklich an Gefahr oder Unheil. Es war einfach zu schön, die kleine Schatulle anzusehen und davon zu träumen, den Inhalt zu besitzen. Sie war fast beschützenswert schön, vielleicht auch weil sie so klein war. Doch was verbarg sich darin? Schön war sie, das stand fest. Begehrenswert schön.

Es wurde Nacht, die Unberührte stand ruhig am Main und funkelte nun im Dunkeln. Etliche Jogger, Trinker, Kiffer, Mütter, Väter, Fahrradfahrer und unzählige Spaziergänger später stand die kleine goldene Schatulle immer noch an ihrem Platz. Selbst die Polizei stieg samt Schäferhündin aus dem Auto um sie näher zu betrachten. Nur aus der Ferne, alle träumten von ihr. Der Schutzhund jedoch wedelte bei ihrem Anblick nur freudig und sprang zurück in den Kofferraum. Das Begehren wurde nun allgemein immer größer, einige Menschen wagten sich näher heran und man sprach gemeinsam über die kleine goldene Schatulle. Man unterhielt sich, in allen Sprachen. Man rätselte in allen Sprachen. Man tauschte sich aus, man lachte und lernte sich kennen. Auch mit Händen und Füßen, wenn es sprachlich nicht klarer ging.

Täglich trafen sich nun immer mehr unterschiedliche Menschen an diesem Ort. Es wurden immer mehr. Es wurden Freundschaften geschlossen, einige verliebten sich sogar ineinander und kehrten Hand in Hand zurück. Die goldene Schatulle blieb geachtet, betrachtet und ungeöffnet am Platz. Sie wurde zu einem Treffpunkt aller Nationen. Der Liebe und des Vertrauens. Der Sorglosigkeit, der Hilfsbereitschaft und der menschlichen Nähe.

Eines Tages jedoch, zum großen Schrecken aller, war die kleine goldene Schatulle verschwunden. An ihrer Stelle jedoch lag ein Zettel mit einer Botschaft: Ich war stets verschlossen, keiner kam mir zu nah. Ich wurde bewundert und begehrt. In meinem Innern, welches ihr nie gesehen habt, war Leere. Ihr alle jedoch habt mich reich gefüllt mit eurer Bewunderung, Respekt und Treue. Ihr habt euch alle Zeit genommen und mich zu einem Schatz gemacht. Nehmt euch Zeit und gebt Eure Liebe. Ich wollte nicht, dass ihr mich durch Wind und Wetter je verrostet oder zerstört seht. Deswegen bin ich gegangen. Doch ihr müsst wissen, ich bleibe im Innern stets die Gleiche. Durch euch wurde mein Innerstes vergoldet, so müsste ich auch nicht fürchten, dass ihr euch vor mir erschreckt oder ekelt, wenn mein Äußeres nicht mehr glänzend wäre. Das ihr mich mit Füßen treten würdet oder achtlos wegwerfen. Ich muss nun nie wieder Angst haben und danke euch dafür. Das ist der wahre Schatz. Da ist der Inhalt. Das ist unser aller Leben. Und wenn mich an dieser Stelle einer vergraben hätte, dann wäre ich vielleicht niemals gefunden worden und ihr wärt achtlos an mir vorübergegangen. Fühlt euch gedrückt, ich muss weiter. Ich denke an euch. Vergesst mich nie. Euer kleiner Goldschatz.

P.S.: Ich plane nun, mich beruflich zu verändern. Vielleicht schule ich um auf Trickkiste! Wir sehen uns!

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