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Frankfurt-Kennerin: Prinzessin vom Main

Von Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo... Ein typischer Tag im Bahnhofsviertel.
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Ich gehe gerade durch das Bahnhofsviertel und schaue mir an, was sich in den letzten 24 Stunden alles so verändert hat. Der dunkelrote Schlüpper, den wohl gestern hier eine/einer verloren hat, liegt immer noch rechts neben dem Kanaldeckel, und das Fahrrad daneben ist immer noch ein Einrad. Das ist dem/der Besitzer/in bis dato noch nicht aufgefallen. Morgen ist vielleicht noch der Sattel weg u.s.w.

Ein recht angetrunkener junger Herr torkelt mir entgegen, ich wechsle natürlich nicht die Straßenseite, denn der Gehweg bietet genug Platz für uns beide. Mal sehen, was nun Schönes passiert. Er röchelt kurz und dreht sich weg, zieht sein Handy und stöhnt irgendwas ins Telefon das klingt wie: „Die Alte hat sich wieder voll reingehängt beim Meeting heute, voll rein, ich glaub, ich kack ab. Wo bist`n Du? Komm doch noch auf 'nen Sprung hier hier hier, auf spring mal mit zu den, zu den Assis. Hier alles voll asozial. Da kannst Du echt nicht dein Auto stehen lassen, nimm Dir ein Taxi, is bessa so!“

Ist wirklich besser so, denke ich und biege um die Ecke. Dort sitzen zwei Männer auf einer Treppenstufe und sprechen miteinander. Gestikulieren und sprechen laut. Na, es ist ja auch ohne die beiden noch nicht genügend Lärm vorhanden. Ein Gespräch der besonderen Art, wie ich anzunehmen gedenke. Es geht um Weiber und Suff. Aus den Wortfetzen baue ich ein Traumgespräch zusammen, es geht wie folgt:

„Was kann ich machen, Mann?"
„Weiß nicht Alter!"
„Die will nicht, Mann."
„Na dann will die nicht, Alter. Die will dich dann nicht, kapier das doch."
„Was gibt`s da zu kapieren, Mann?"
„Na, das die nicht wil,l ,jetzt geh noch mal zu der."
„Geht nicht, Mann!"
„Wieso nicht?"
„Weil ich nicht kann, kapierst Du das. Ich bin voll."
„Ja, Mann, sag doch was, Mann!"
„Sag ich doch.“

Soweit, so gut, denke ich. Nun, eine Dame erscheint mit korrekt angeleintem Designer-Hund. Sie weist die beiden Männer mit folgenden Worten zurecht. „Das hier ist mein Haus, machen Sie den Eingang frei und werfen Sie nichts vor die Türe. Verstehen sie das? Dies ist unser Haus, da machen Sie bitte keinen Dreck davor. Wenn Sie das verstehen!“

Ich persönlich weiß nicht, wie lange das schon ihr Haus ist, aber im Bahnhofsviertel zu wohnen und Dreck nicht zu mögen, widerspricht sich ungemein. Move in and find out. Wir sind fast unter den Top Ten. Und das sind hier alles sexy Müllmänner und scharfe Polizisten und keine Stripper oder Statisten, Baby.

Ich werde mir nun eine höllisch gute und tiefenverschärfte Currywurst gönnen beim Peter in der Taunusstrasse. Darauf freue ich mich, da ich es sehr selten mache. So eine Currywurst macht Appetit auf mehr- da kommen dann noch Fritten dazu und so weiter. Eine Endlos-Schärfenschleife mit leckerer Soße. Doch, oh, Schreck, der Rollo ist unten. Verbarrikadiert, zu die heiße Hütte. Keine Currywurst für mich heute...

Nebendran winkt mir freundlich der Chef vom „Bella italia". Er telefoniert. Mein Telefon klingelt nun auch, ich gehe dran und höre Folgendes: „Manuela, hast Du Hunger?“ „Natürlich, mir ist schon ganz schummrig, und meine Knie wackeln“, zwitschere ich in mein schweinchenfarbenes Plastik-Kinderhandy für 19 Euro vom Handy-King. „Dann guck mal neben dich, ich sitze in dem schwarzen Auto mit den verdunkelten Scheiben. Steig ein, und wir zwei fahren irgendwohin. Kannst dir was aussuchen.“ Wrap und Rap, Brot und Schrot, wo Vollkorn noch Promille hat… wird der größte Schluckspecht satt.

Ja, so ist Frankfurt, wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Food-Gangster her! Stay tuned, die Prinzessin lädt nach.

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