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Frankfurt-Kennerin: Prinzessin vom Main

Von Die vermeintliche Unterwelt feiert zuweilen feiner als die feine Gesellschaft. Hier zwei Partys im Vergleich.
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Antenne Frankfurt feiert im Frankfurter Hof, ich sitze unten im Keller auf der Damentoilette vor dem Spiegel und mache Selfies. Das ist so ein Tick von mir, ich kann an keinem Spiegel vorbeigehen, ohne reinzuglotzen. Seit ich bei Facebook bin, stelle ich auch kleine Videos ein und allen möglichen Schabernack. Ich bin eine lustige Lady.

Die Tür fliegt auf, Damen schwirren herein, und es wird nachgezogen, gepudert, gefeilt und gesprüht. Ich bleibe sitzen und schaue in den Spiegel, beobachte alles, was hinter mir vor sich geht. Laute Musik wummert durch die Wände, und ich begrüße eine Bekannte.

Sie hat Stilettos an und trägt eine Tasche, die größer ist als der Handtuchspender auf dem Bahnhofsklo. „Hey Manu, was machst du hier?“, seufzt sie und hält sich an meinen Schultern fest. Dann folgt das Übliche: Schnelldurchlauf der Bewertung der letzten männlichen Eroberung, prüfender Blick in den Spiegel, das Haarewerfen quer durch den Raum, abchecken, was die Konkurrenz so vor dem Spiegel macht und dann wieder hochstürmen auf die Auktionsrampe, Teppichludergesicht aufsetzen und ran an den durchtrainierten Speck. Was machen Sie beruflich? Ich bin Unternehmensberater, ich bin Modell, ich bin Personal Trainer, meine Name ist Betthase, schönen Abend noch.

Ja, frage ich mich. Ja, Manu was machst Du eigentlich hier? Ich erinnere mich noch gut an die Worte meiner Freundin Eartha Kitt, die stets zu mir sagte: „I hate socializing“, und dann, wenn wir auf einer Party angelangt waren: „Oh Boy, what am I doing here? I want to go home.“ Das habe ich damals noch nicht verstanden, heute ist glasklar, was sie damit meinte.

Nichts gegen Partys oder Events aller Art, nur gegen Oberflächlichkeit bin ich mittlerweile allergisch geworden. Und wenn ich keine Ecke finden kann, wo man sich ungestört austauscht, dann gehe ich lieber heim oder setze mich einsam in eine entlegene Ecke. Alleinsein ist Kunst, ich bin auch startklar mit mir allein. Ich war aber damals auch gerne bei Antenne Frankfurt im Studio zu Gast, in einem Interview mit Hassan Annouri. Radio macht Laune, denn man erzählt, und ein anderer hört zu. Der Zuhörer.

Draußen vor den Frankfurter-Hof-Toren treffe ich den erfolgreichen Crowdfunder und Frankfurter Filmproduzenten Sascha Goldberg, er beobachtet das Treiben, lehnt heute im Sonnenschein an seinem schicken Fahrrad und strahlt eine allgemeine Zufriedenheit aus. „Manu, ich habe jetzt den Pitch fertig, Du bist zur Premiere eingeladen, wenn die Einladung nicht rechtzeitig da ist, dann sag mir noch mal Bescheid.“

Als  wir uns das letzte Mal trafen, war das im Bahnhofsviertel beim Peter Jung in der Curry 25. Ich wollte was einnehmen dort, also einen Hellburger mit Pommes und Soße, blieb aber stundenlang hungrig dort hängen. Gab nix. Der Grund waren die Dreharbeiten, die dort grade stattfanden. Ich habe genau beobachten können, wie sensibel Sascha mit seinen Darstellern umging, zig Mal alles wiederholt wurde bis alles saß und eingetütet war. Alles Laiendarsteller, alles Originale, alles Sprüche und Echtes aus dem Milieu. Ich bekam auch direkt eine sitzende Rolle an der Fritten-Theke, dies ist nun schon mein zweiter Cameo-Auftritt in einem Film aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel. Und ich muss sagen: Das sitzt mir gut.
Ich war seinerzeit sehr gespannt, wann und wie der Streifen den Weg wohl auf die Leinwand finden mag.

Jetzt war es endlich soweit, im Filmmuseum Frankfurt fand eine Pitch-Premiere statt, die es in sich hatte. Ja, und Sascha hat mich, wie versprochen, nicht vergessen…. Das Foyer füllte sich mit schönen Frauen und starken Männern. Muskelbepackte, sonnengebräunte und cool blickende Echtzeitmenschen fielen sich in die Arme vor der aufgestellten Fotowand. Pit Bonnie Parker, Muskelberg und Türsteher im Nachtclub Pik Dame, mit dem kleinen Herkules, einem sanft dreinblickenden Chihuahua-Rüden, die beiden waren die absoluten Hingucker!
Herkules bekam extra zur Premiere noch von Sascha ein cooles Gastgeschenk: ein schwarzes schickes Mäntelchen mit Kragen und der Aufschrift  „Testosteron". So auch der Filmtitel. Kleiner Herkules ganz groß, da gab es nix dran zu rütteln.

Im Kino füllte sich dann eine rotsamtige Sitzreihe nach der anderen mit Akteuren und den geladenen Gästen, ich suchte mir einen Platz in der Nähe vertrauensvoller Menschen, meinen Prosecco in der einen und meine Stimmkarten im schwarzen Umschlag in der anderen Hand. Kameras vom Hessischen Rundfunk flankierten stets das Geschehen, Grinse-Kater und Börsen-Moderator Mick Knauff begrüßte schwungvoll die Gäste. Ich werde übrigens nicht mehr umschalten, wenn ich ihn demnächst mal wieder morgens im Fernsehen erblicke. Auch werde ich keine Seite mehr aus dem Top-Magazin reißen, wenn ich sein Bild sehe. Hab ich ihm auch gesagt, das ich ihn bis dato nicht leiden konnte. Das hat ihn überhaupt nicht verwundert, er nahm es mit Humor.

Finde ich gut, mich darf man auch Scheiße finden, man muss es mir nur sagen.
Dann habe ich wenigstens was davon. Mal ehrlich, wenn man einen Menschen nur vom Bildschirm kennt oder anhand von Fotos beurteilt, da kann man sich derb irren. Die Prinzessin vom Main wird noch mal alt wie eine Kuh und lernt zum Glück stets dazu.  I drink to that, ich trinke drauf. Ich mag ihn jetzt wirklich, den Mick Knauff.

Ja, dann wurde es dunkel im Kinosaal, drei Pitches wurden gezeigt, und es gab auch viel Applaus für den zwischendurch zaubernden Entertainer „Bretzel-Berger“, ein wild zerzauster und wirklich witziger Kerl. Einer, der sich und das Publikum gekonnt auf die Schippe nahm. Egal ob beim Kindergeburtstag, wo er später noch erwartet wurde oder hier bei den härteren, ausgebratenen Semestern.

Prosecco wurde geschlürft durch Strohhalme, Softgetränke wurden zu Munde geführt, Blitzlichtgewitter erfasste kurvige Ladies, von gestählten Armen umfasst. Laura de Salvo, die schöne glutäugige Gutwetter-Fee des Hessischen Rundfunks war immer mit dem Mikrofon unterwegs auf der Jagd nach O-Tönen. Wenn die Laura ab und an mal ein Selfie postet auf Facebook, da gibt es auf jeden Fall immer ein paar hundert „Gefällt mir“. Umwerfende Ausstrahlung, ein Lächeln wie eine Wunderlandkarte, das den Betrachter liebevoll und langsam zusammenfaltet.

Warum hast Du eigentlich noch keine eigene Kochsendung, liebe Laura? Vielleicht mal live aus dem Hamsilos . Arbeitstitel: Bei jedem Wind, bei jedem Wetter. Laura looks and cooks better! So genug jetzt, Sie können es ja sicher schon erahnen, dass ich Laura toll finde.

Oben im Museum, da wunderten sich Eltern mit ihren Kindern, wer nun der böse Wolf und wer das Rotkäppchen hier sei. Kinder starrten mit großen Augen auf Paillettengekleidete, Lederbejackte, und ein kleines Mädchen an der Hand seiner Mutter wollte natürlich sofort den Herkules streicheln. Wen sonst?

Testosteron, ein Frankfurt-Film. Ein Heimatfilm. Da findet der Zuschauer Geballtes. „Der Film wird durch die Decke gehen!“, verspricht uns Produzent Sascha Goldberg. Ich freue mich drauf,  glaube an diese Vision und halte alle Daumen für die Testosteron-Rakete im Frankfurter Nachthimmel, möge sie so hell strahlen, dass Milchstraße und Reeperbahn gleichzeitig die Lichter ausmachen könnten. Die vermeintliche Unterwelt, die ist alles andere als oberflächlich.

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