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Frankfurt-Kennerin: Prinzessin vom Main

Von Danke, mir fehlt nichts! Zu Weihnachten schreibe ich deshalb keinen Wunschzettel, sondern uns allen einen Denkzettel!
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Eine sehr liebe Freundin sagte einmal zu mir: „Don't put too much on the wishing cards to the Gods!“ Das bedeutet so viel wie: „Pack nicht zu viel drauf, auf Deine Wunschzettel an die Götter.“

Damit hatte sie recht, ich passe auch immer genau auf. Nicht nur darauf, was ich mir wünsche, sondern ob es auch den anderen gut tut. Ich halte nicht viel von dem Rumgehetze in der Stadt auf der Jagd nach Geschenken. Das gibt mir nichts, ich finde sowieso in den Geschäften keine passenden Dinge für meine Freunde. Für mich gleich schon gar nicht. Ich ziehe meine Freuden aus ganz anderen Quellen. Doch dazu nachher mehr.

Weihnachten ergibt natürlich in erster Linie Sinn für Kinder. Jeder war mal Kind.  Bestenfalls erinnert man sich an Schönes,  damit verbindest Du Plätzchen backen, Tannenduft, Wartezeiten, bis der Typ mit dem langen weißen Bart durch den Schornstein gerutscht kam und das Singen von Liedern. Passend zum Thema.

Meine liebe und enge Freundin verbuchte in der Weihnachtszeit sogar einen ihrer größten Hits: „Santa Baby“. Jetzt wissen Sie, von wem ich anfangs sprach.
Weihnachten ist auch die Zeit, wo man den Briefkasten öffnet und viel Post findet. Z. B. Spendenaufrufe, denn jede Organisation hofft darauf, das die edlen Spender sich mal besinnen endlich am Ende des Jahres. Doch warum soll ich auf ein bestimmtes Datum oder eine Jahreszeit warten, um etwas Gutes zu tun?

Sitzen in den Einkaufsstraßen nun noch mehr Bettler und der Mann vom klitzekleinen Wanderzirkus, mit einem kleinen traurigen Pony an der Leine. Und wie er ohrenbetäubend scheppert mit seiner Sammelbüchse. Du gehst vorbei und bekommst ein schlechtes Gewissen, wenn Du all diese flehenden Augen und die personifizierte Demut betrachtest. Was fühlst du da?

Es ist die Nähe, die direkte Ansprache, die uns ein mulmiges Gefühl bereitet.
Aber kann man dieses Gefühl mit ein paar Münzen betäuben? Für den Augenblick vielleicht, aber dann wäre unser gesamtes Leben ja ein einziger Spendenmarathon.

Jeden Tag, wenn die Nachrichten aus aller Welt mit all dem Elend in unser Wohnzimmer hineinstrahlen, sollten wir dann nicht auch einfach paar Euros gegen den auf drei Jahre finanzierten Flachbildschirm werfen? Es geht uns gut in unserem Land, sehr gut sogar. Wir sitzen in keinem Keller und müssen um unser Leben fürchten, wir drehen den Wasserhahn und die Heizung auf und alles funktioniert.
 
Keiner fragt sich, wer eigentlich dafür zuständig ist. Es wird nur geklagt und gemeckert , wenn mal etwas von unserem gefühlten selbstverständlichen Grundbedarf ausfällt.

Statt einem Wunschzettel schreibe ich dieses Jahr mal einen Dankzettel:

Lieber Weihnachtsmann!
 
Danke, dass ich laufen kann.
Und Danke für den besten Mann.
Ich danke bei gewagten Runden,
dem Schutzengel für Überstunden.
 
Ich danke für mein Augenlicht,
und dem Innern für sein Gleichgewicht.
Nicht zu vergessen ihm zu danken,
dem Übergang mit seinen Schranken.
Der stets im rechten Augenblick,
mir sagt : „Jetzt geh' zurück“
 
Mein Dank geht auch an Körperteile,
und an das Haar, das ich gern style
für die oft supersexy Posen
dank ich meinen Stützstrumpfhosen.
 
Ich danke meinen Küchenstühlen,
dem Kühlschrank und den Glücksgefühlen.
Der Schmerzfreiheit und meinen Genen
Und auf dem Main, den schönen Schwänen.
 
Dank lieb der Sonne fürs Erscheinen,
den Wolken wenn sie manchmal weinen,
dem Mond fürs voll sein so wie ich,
den Sternen, supernovalich!
 
Wenn man all das zusammenzählt,
dann hat mir wirklich nichts gefehlt.
 
Besinnliche Zeiten

Wünscht Ihre Prinzessin vom Main… und hören Sie immer mal in sich hinein.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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