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Frankfurt-Kennerin: Prinzessin vom Main

Von Beim Weihnachts-Shopping in New York und im Advent mit Eartha Kitt wird offenbar: Das größte Geschenk kann man nicht kaufen.
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Ich erinnere mich an ein Weihnachts-Shopping in New York. Nie hätte ich gedacht, dass so viele Menschen sich durch die eiskalten Straßen schieben können, um dabei nur ihre Wunschzettel abzuarbeiten. „Schau mal, wenn ich meinen Finger an die Laterne halte, dann bleibt der kleben“, sagte mein Begleiter. Ich wünschte, er hätte seine Zunge dran gehalten, damit endlich Ruhe gewesen wäre.

Wir fuhren mit einem Aufzug ins Windows of the World, die Zwillingstürme standen ja noch, und oben im Restaurant saß ich immer besonders gerne. Die runde Bar, dort konnte ich mich immer so schön in die Mitte schmiegen mit den Hüften und mit dem Barkeeper Witzchen reißen. Was wohl aus ihm geworden ist?

Je höher der Aufzug nach oben schoss, desto winziger fühlte ich mich. So klein und ausgeliefert, rasend schnell hochkatapultiert, der Druck auf den Ohren und der Wind, der zu spüren war, wenn die Tür oben endlich aufging. Ein Erlebnis. Nie habe ich es geschafft, Lauren Bacall dort zu treffen, meine Traumfrau. Das wäre die Krönung gewesen, nun will ich aber nicht undankbar sein. Jahre später traf ich sie dann am Airport, ich fiel fast in Ohnmacht.

Mein Begleiter, der meine Einkäufe wieder mal schleppte, senkte sich ächzend in den Stuhl. Der Ober eilte herbei und brachte die Karte. Der Ausblick vom Windows oft he World war phänomenal, eigentlich war es dort oben aber etwas dunkel. Fast wie in einer Gruft.

Abends sind wir oft ins Elaines gegangen, einer Bar mit Piano-Musik, und manchmal kam dort Woody Allen vorbei und packte seine Klarinette aus und jammte mit dem Pianisten. Das durfte ich auch mal erleben, wusste aber nicht, wer das war. Ich wusste auch nicht, dass man den Pianisten tippen sollte, das Glas mit den Dollarscheinen war also keine Deko.

In New York bin ich auch zum ersten Mal in meinem Leben mit einer Limousine gefahren, da war eine Hausbar drin, und ich war danach stockbesoffen. Auch mit dem eleganten Aussteigen klappte das überhaupt nicht. Zwei Jungs zogen mich vom Rücksitz und stellten mich an eine Parkuhr, die mir Stütze gab.

Dann habe ich in New York auch noch geheiratet, in einem roten Hosenanzug vor dem Schnellrichter. Ich war an diesem Tag übelst gelaunt, denn mein Auserwählter saß stundenlang auf dem Klo und verbarrikadierte somit das Badezimmer. Unter der Türe kamen riesige Dampfschwaden hervor, und ich schloss daraus, er badete wohl zu heiß. Meine Trauzeugen Olaf und Dirk traten von einem Bein auf das andere, aber die Tür zum Badezimmer blieb verschlossen.

Wir haben alle vier gemeinsam in einer Suite übernachtet, in zwei Kingsize-Betten mit Blick zum Hof. Auf eine romantische Mauer, wie im Mittelalter. Fensterbank voller Taubenkacke, und mein Lockenstab passte nicht in die Steckdose. Damned! Beim Frühstück gab es den ersten Krach , ich schlug mit der Faust auf den Tisch, dass die Ketchup-Flaschen tanzten. Der Gatte in spe flüchtete daraufhin wieder auf die Toilette.

Die Ehe hielt dann aber etliche Jahre. War ja ein feiner Kerl, aber passte irgendwie nicht zu mir. Wir waren oft auf Reisen, er hat mir viel geboten, und er war gut zu meinem Hund. Sein Portemonnaie habe ich oft ausgeräumt, da blieben ihm oft nur vier Mark für Zigaretten drin. Dann musste er nachladen, ich habe mir nie Gedanken gemacht, wo das Geld herkam. Manchmal hatte er dreißigtausend Mark auf dem Konto, am nächsten Tag war alles wieder weg.

Na ja, ich habe glücklicherweise immer auch mein eigenes Geld verdient. Mal wenig, mal viel. Auch auf dem Arbeitsamt habe ich schon hochtoupiert mit Stöckelschuhen im Flur gesessen, öfters als mir lieb war. Unten links, wo das Personal in spe für die Gastronomie hockte. Das nur mal nebenbei. I`m not a Gold Digger, auch wenn ich so aussehe.

Als Frühaufsteherin hatte ich in dieser Ehe gute Karten, denn er schlief oft bis mittags. Das konnte er sich glücklicherweise beruflich auch gut erlauben. Außerdem verbrachte er gefühlte zehn Stunden am Tag im Badezimmer. Wir sind mit einer Kutsche durch den Central Park gefahren zum Wintergarten. Dort wurde das Musical „Cats“ gespielt, es war bitterkalt. Mein erstes Musical, ein Traum. Ich verliebte mich in eine Katze, wegen ihrer Stimme. Aber das war nicht das erste Mal, dass ich mich in eine Katze verliebt hatte.

Der Hauptgrund für die vielen Reisen in die USA, war und blieb meine wundervolle Freundin und ewige Catwoman Eartha Kitt. Jetzt, wo es bald neun Jahre her ist, dass sie uns verlassen hat, steigen mir die Tränen in die Augen. Vor Glück, dass ich so vieles mit ihr erleben durfte. Eigentlich hätten wir heiraten sollen, das haben wir immer aus Spaß zueinander gesagt. Wir wären das absolute Traumpaar gewesen. Wenn im Radio jetzt wieder „Santa Baby“ läuft, sehe ich sie vor mir mit ihrer einzigartigen Mimik. Sie war so lustig, ich habe nie mehr mit einem Menschen so lachen oder auch weinen können wie mit ihr.

Zu Hause spiele ich keine Platten oder CDs mehr, ich höre aber oft unsere gemeinsamen Telefongespräche. Ich bin froh, dass es damals so altmodische Anrufbeantworter gab. Ich habe unbewusst viele unserer Telefonate aufgezeichnet, die fand ich Jahre später wieder in einem Karton. Dieser Fund war für mich wie tausend Weihnachten zusammen. Wir haben oft Weihnachten zusammen gefeiert, an ihrer Haustüre in Connecticut haben wir einen großen Kranz aus Zweigen gemeinsam aufgehängt in Gold und Rot. Eartha war ja kleiner noch als ich. Gut das mein zweiter Gatte 1,93 war und das Ding locker an die Türe tackern konnte. So war er auch für etwas gut.

Männer waren in Earthas Leben klein. Sie hat sich selber am Leben erhalten, eigenes Geld verdient, und sie war stolz darauf, unabhängig zu sein. Das habe ich mir verinnerlicht, es geht immer weiter, egal ob man viel, wenig oder gar nix hat. Vollkommen egal, ob verheiratet, geschieden oder anderweitig genervt. Zu meinem ersten Gatten sagte sie: „I like him“, zum Zweiten schweigt des Sängers Höflichkeit. Nur soviel dazu: Sie hatte Recht. Und wenn man was hat, dann muss man davon etwas abgeben. Das Leben ist ein Geben und nehmen.

Aus keiner Ehe habe ich je einen Cent oder gar einen Rentenanspruch mitgenommen. Warum auch? Ich wurde alleine geboren, dann schaffe ich es auch, alleine zu leben und für meine Ansprüche alleine zu arbeiten. Wenn man jedoch in einer Gemeinschaft lebt, dann wird eben geteilt.

Wenn Eartha und ich gemeinsam unterwegs waren, dann haben wir auch geteilt. Unsere Liebe, unsere Gedanken, unseren Fisch mit Salat. Kurz vor ihrem Tod rief sie mich ein letztes Mal an. Ich saß in einem roten Ferrari an einer Tankstelle in Salzburg. „Manuela, I am calling to tell you, I am at the end of the road. I had a wonderful life. I am dying now, please don't cry, I love you dear!“ Geld spielt keine Rolle. Nicht die Kaufkraft ist magisch, sondern die der Anziehung. Liebe! Liebe ist das größte Geschenk.

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