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Frankfurt-Kennerin: Prinzessin vom Main

Von Reisen in die unbekannte Ferne öffnen Augen, Geist und Herz. Ich war in Fechenheim.
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Es wundert mich, dass Fechenheim keinen so guten Ruf haben soll. Natürlich sind wir dort nicht in der Innenstadt, und es liegt auch ein bisschen weiter draußen. Ein Häuschen im Grünen mitten auf der Hauptwache, das gibt es nun mal nicht. Aber das sollte eigentlich kein Grund sein, entlegenere Stadtteile so zu dissen.

Ich habe auf jeden Fall diesen kleinen Stadtteil im Herzen für mich entdeckt. Mit der Straßenbahnlinie 11 vom Bahnhof aus gut zu erreichen, bis zur Endstation durchfahren.

Wir steigen aus und werden schon vom Gezwitscher der Vögel empfangen, eine Wohltat für die Ohren. Nach all den Sirenen am Bahnhof andauernd. Unser kleiner Begleiter, der Hund, stürmt sofort los und verschwindet in einem Gebüsch. Das war's. Erst mal Warten angesagt; es ist kalt, und das Tier vergnügt sich. Ich schaue auf die Anzeigetafel, die Bahn fährt in erträglichen Abständen wieder in Richtung Innenstadt zurück. Also, kein Grund zur Panik.

Bei einem Streifzug durch die kleinen Straßen fühle ich mich versetzt in ein anderes Frankfurt. Es riecht nach verbranntem Holz, recht angenehm und gemütlich kommen die eng aneinander geschmiegten Häuschen daher. Kleine Handwerksbetriebe neben Privathäusern, aber auch installierte Kameras vor mancher Türe, die listig Richtung Gehsteig lugen. Die erfassen Herr und Hund. Auf einem Schild steht geschrieben: „Betteln und Hausieren verboten!“ Nun, das haben wir nicht vor. Wir wollen nur spazieren gehen und uns den kalten Wind um die Nase wehen lassen.

Es macht mir Spaß, Frankfurt mit der Bahn oder zu Fuß zu erkunden. Man sieht viel mehr, man kann sich auch darauf verlassen, dass man vom Fleck kommt. Irgendwas fährt immer. Im großen Bogen über die Brücke erreichen wir nun auch Bürgel, viele Spaziergänger sind unterwegs. Wir entdecken auf dem Weg sogar eine Windhund-Rennbahn. Manche Leute grüßen freundlich, vielleicht erkennen sie die Prominenz. Wir schmunzeln und gucken Richtung Main. Dort zieht ein langer Kutter seine Bahn, er kommt aus Holland und scheint kein Ende zu nehmen. Er sieht menschenleer aus, gesteuert von Geisterhand vielleicht.

Ich erinnere mich umgehend an San Diego, wo ich nachts auf der Queen Mary mich voll des goldenen Weines verlaufen hatte. Abenteuerlustig bin ich ja und habe gleich zwei Hände Gottes auf meinen Schultern. Ein Schwan am Ufer zischt mich an, ich war ihm und seiner Familie wohl etwas zu nah gekommen. Weiter am Ufer entlang geht's dann munter nach Offenbach rein. Das erkenne ich fast nicht wieder hier. Klötze aus Beton bevölkern den Hafen, auch hier Goldgräberstimmung mit Blick auf die EZB. Nun, heute nicht, es ist neblig. Ich will mein Geld zurück.

Ein kleines Schiff steht im Wasser mit Namen „Backschaft“, aber leider geschlossen. Urlaub, sagt das Schild. Ich schaue hinein und stelle mir vor, dass es sehr heimelig dort zugeht. Liebevoll eingerichtet, im Frühling und Sommer kann man dort wohl auch draußen sitzen. Ein kleines Paradies. Wie schön.

Vor vielen Jahren sind wir von Frankfurt oft nach Offenbach gefahren, um die Nacht zum Tage zu machen. Es gab auch ein Schiffchen dort, wo man über einen kleinen Steg auf das Deck gelangte. So ganz unkonventionell sind auch einige vorher schon ausgerutscht und in die Plörre reingefallen. Sind also quasi über Bord gegangen, bevor sie überhaupt an Bord gelangten. Heutzutage ist so etwas ja undenkbar. Ich kann mich an einen frühen Morgen erinnern, wo man eine Lady samt Abendkleid aus dem Wasser zog und die sich dann genauso an die Theke drinnen setzte. Ganz easy, ganz locker, ganz transparent. No Beach, but sexy.

Es wird kälter und kälter, ich suche den Hund. Der umtänzelt gerade einen schwarzen Mischling und gibt zufriedene Laute von sich. Auf dem Rückweg zur 11 zieht es gewaltig in den hochgeschlagenen Kragen, klar ist es Winter. Die 11 steht am Gleis, wir geben Hackengas. Noch eine Minute bis zur Abfahrt. Der Automat nimmt mein Geld nicht an, die Zeit rennt. Ich fluche laut. Sehr laut. Da öffnet sich die Tür, und der Fahrer schaut heraus : „Na, na, na Frolleinchen. Nicht so fluchen. Ich warte auf Sie.“ Hier lerne ich auch noch, dass der Automat oben links ein Lämpchen hat. Wenn es blinkt, hat der kleine Automat nicht mehr genügend Wechselgeld. Dann nimmt man einfach einen anderen Automaten.

Wie versprochen, wartet der Fahrer bis wir mit der Fahrkarte im Warmen unseren Platz einnehmen. Es muss nicht immer spektakulär sein, wenn man etwas gemeinsam unternimmt. Klar könnte ich heute auch wieder was vom roten Teppich schreiben, aber der ist erst mal in der Reinigung. Wir fahren jetzt einfach jeden Sonntag mit irgendwas irgendwohin. Heute hieß es einfach: Let's have some quality time in Fechenheim.

Freue Dich an kleinen Dingen,
solange noch die Vögel singen.
Freue Dich an Wald und Flur,
sieh nicht die Geschäfte nur.
Geh mal raus, es wird nicht schaden
Frischluft kannst Du nicht runterladen.

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