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Frankfurt-Kennerin: Prinzessin vom Main

Von Von Menschen und Mäusen und einer Hollywood-Schauspielerin in meinen Armen.
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Heute fahre ich mal mit der 17. Die fährt zur Messe, da möchte ich hin. Es ist ja gerade Ambiente und ich bin unheimlich scharf drauf, die Weihnachtsdekorationen dort zu beäugen. Ein Taxifahrer hat mir vor ein paar Tagen gesagt, das wäre keine Messe, sondern die „Christmas-World“.

Ich werde kontrolliert in der Straßenbahn, zeige meinen Fahrausweis und schaue wieder aus dem Fenster. Ein Mädchen steigt ebenfalls am Hauptbahnhof ein und setzt sich neben mich. Sie fragt, ob ich etwas Geld für sie habe, sie nennt mich „Maus“, stellt sich als Jessy vor und entschuldigt sich umgehend für ihre Aufdringlichkeit.

Sie wohne auf der Straße und sei schizophren, das würde man auf der Straße automatisch. Es ist ihr aber egal, denn sie kommt klar. „Ich glaube fest, die Bekloppten sind die, die den Durchblick haben“, sage ich lächeln und schenke ihr meine vorletzten zwei Euro. Sie steckt sie ein und sagt mir: „Jesus liebt dich."
Das glaube ich sogar. Mein Blick fällt aus dem Fenster, ein Auto steht an der Ampel und trägt ein Nummernschild mit 227, meinem Geburtstag. Und der Gedenktag der Maria Magdalena. Das kann kein Zufall sein, denke ich. An der Messe steige ich aus und sage augenzwinkernd zu Jessy. „Ich weiß, dass Jesus mich liebt, deswegen hat er mich damals ja auch geheiratet.“

Am Eingang der Festhalle ist bereits der Teufel los, und ich sehe an der Garderobe schon ein bekanntes Gesicht. Dietmar arbeitet heute dort, er hilft mir galant aus dem Mantel und schenkt mir für unterwegs ein paar leckere Bonbons. Wir kennen uns von diversen Abstürzen in Keller-Bars und Co.

Spaß haben wir immer. Wir erzählen uns noch ein paar der neuesten schmutzigen Witze, bevor ich in die unendlichen Weiten der Messe-Hallen eintauche. Mir hängt nach drei Hallen schon die Zunge aus dem Hals, und ich bin hundert Mal angesprochen worden. Um 14 Uhr koche ich Hühnchen und Couscous am Fissler-Stand, und um 15 Uhr esse ich das Gekochte auf.

Ein unheimlich lustiger Herr (63), den ich dort kennenlerne, lädt mich (?) spontan zu sich nach Hause ein. Zum Kochen mit seiner Frau (?), Massagen (!) mache er auch. Ich verschütte vor Schreck den Balsamico, und zwar direkt in meinen Ausschnitt. Mehrere Japaner halten das Handy auf uns. „Wir werden berühmt, we become big in Japan“, frohlocke ich, und mein neuer Koch- und Massagefreund ist auch sehr medienpräsent; er wirft sich über den Kräutertopf und zupft Koriander. Oder ähnliches grünes Gewächs. Ich kenne mich da nicht so aus.

Auf jeden Fall tauschen wir Adressen, ich lerne seine Gattin kennen, die mich aus dem „Perfekten Dinner“ wohl kennt, und wir planen gemeinsam, nun weltberühmt zu werden. Wir haben wirklich tolle Ideen ausgebrütet, spontan in der kurzen Stunde. Ich hoffe, er plaudert vorab nicht alles aus, sonst ist die Karriere zu Ende, bevor sie begann.

Ich stürze weiter ins Vergnügen, ziehe meine Runden, fahre in falsche Richtungen, quetsche mich in den Messe-Shuttle-Bus und gehe an den Ständen, die Schokolade anbieten, dreimal im Schnitt vorbei. Nein, ich schäme mich nicht. Weder in Grund noch in den Boden. Manuela als Prinzessin vom Main ist das Sahnehäubchen  genauso lieb wie der Bodensatz.

An manchen Ständen stehen Repräsentanten, die gucken derart böse, da würde mir als Einkäufer die Lust echt vergehen. Aber es gibt auch viele, die lächeln, und die tun das nicht nur, weil ich immer noch meine fast bodenlange rote Fissler-Küchenschürze zur Boa trage. Das passt farblich, ich muss nur achtgeben, dass sie nicht in die Rolltreppe gerät. Mit so einer Schürze (natürlich habe ich sie super eng auf Taillie gebunden) kriegt man von den umstehenden Damen ganz andere Blicke zugeworfen. „Du bist echt cool“, sagt eine hübsche Lady zu mir und mixt mir was im Blender, mit Frucht und Spinat und Chilly. Ihr tätowierter Arm reicht mir ein Pröbchen übern Tresen. Ich nehme gleich drei davon und bedanke mich artig.

Zwischendurch lutsche ich noch zwei Bonbons von Dietmar. Einen Pechkeks öffne ich und werde vom Inhalt derb beleidigt. Pechkekse statt Glückskekse. So was kann sich auch nur ein Regisseur ausdenken, so ist es wirklich. Der hat es erfunden. Wer hat es erfunden? Nun die Schweizer auf keinen Fall.

Ich setze mich Minuten später in die nächste Koch-Show. Die Innovation 2017, so wird die Küche angepriesen. Dem Koch geht mittendrin der hochsensible Superherd aus, aber er bekommt technische Hilfe. Das Ganze wird aufgezeichnet, das schneiden die bestimmt später raus. Ich bekomme ein paar Mini-Häppchen Steak mit Kartöffelchen und Karöttchen gereicht. Das Porzellan wird danach von der netten Assistentin wieder eingesammelt.

Es war hübsch, es war auch vertrauensvoll, sowas rauszugeben. Gerade in Frankfurt, the most dangerous place in Germany. Man las doch kürzlich erst von Hotelgästen die sogar die Matratzen stehlen.

Nun geht es zum Empfang. Ich freue mich, dass ich dabei sein darf. Ich treffe ein paar Freunde und nehme mir einen Saft und ein Häppchen mit Roastbeef, dann eins mit Ziegenkäse, dann eins mit Pute und dann alles wieder von vorne. Dann sehe ich mich um, es geht gleich los.

Hollywood-Schauspielerin Liz Hurley, flankiert von Messechef Herrn Braun, erscheint. Er sieht neben ihr aus wie James Bond persönlich. Der hat's einfach drauf, charmant lächelnd präsentiert er Miss Hurley Minuten später als Überraschungs-Stargast auf der Bühne dem wartenden Publikum. Herr Bombach, ein Moderator vom Hessischen Rundfunk, führt wendig und schlagfertig ein humorvolles Interview. Die Hesse können's eben,  Miss Hurleys Augen blitzen, und sie lächelt strahlend in die Kameras. Sie lächelt sogar ins Mikrofon und zieht dabei ihre hübsche Nase kraus, wie ein kleiner Setter.

Das wirkt unglaublich sympathisch, sie gewinnt Herzen im Sturm, da sind gleich alle im Boot. Das diese Lady auch viel Gutes tut und sich einsetzt für Menschen, die es nicht so leicht haben, das glaube ich ihr auf Anhieb. Viel weiß ich ja nicht über sie.
Ich habe vor Jahren mal in einem Klatschblatt gelesen, sie hätte gesagt: „Wenn ich mal so fett wie die Monroe werde, würde ich mich umbringen!“ Dieser Satz hing mir seitdem im Hinterkopf. Wegen dieses Satzes habe ich sie immer mit gemischten Gefühlen wahrgenommen. Ich werde sie nachher fragen, ob sie das wirklich gesagt hat.

Ich möchte diesen Satz wirklich gerne aus meinem Gedächtnis bringen, denn die wunderschöne Lady mit der sexy Stimme (tief und warm) hier im Raum, die hat mich wirklich bezaubert.

So, jetzt mache ich es kurz. Sie hat es nicht gesagt. Ich habe dann ein Selfie mit Miss Hurely gemacht und vorher gefragt: „Would you come into my arms?“
Und sie sagte ohne zu zögern: „Yes, of course, Manuela.”

Thank, you Liz Hurley, you are beautiful. Wenn ich für die FNP die Prinzessin vom Main bin, dann bist du ab jetzt für mich die Königin.
 
 
 

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