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Frankfurt-Kennerin: Prinzessin vom Main

Von So schmeckt die Vielfalt, oder: Was wir von Äpfeln lernen können.
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Ich habe von einem Freund neulich ein Geschenk bekommen. Eine Kiste mit 13 Äpfeln drin. Darüber habe ich mich derart gefreut, dass ich mit der Kiste im Anschlag direkt zuhause am Küchentisch Selfies gemacht habe. Die Äpfelchen und ich. Die glänzten genauso rot wie meine Wangen vor Freude, und ein bisschen schimmerten sie auch im Morgenlicht, fast im Wettbewerb mit meinem Lipgloss. Wären sie dunkler und schrumpelig gewesen, ich hätte sie nicht weniger geschätzt.

Vier Tage lang aß ich an diesen Äpfelchen. Sie wurden immer weniger, die kleine Kiste bekam raschen Kahlschlag an verschiedenen Stellen. Eins habe z.B. ich mit auf die Couch genommen, geviertelt und beim Lesen gegessen. Dann gleich wieder hoch von der amerikanischen weichen Liegelandschaft und zurück in die Küche. Barfuß, schnell zur Kiste, noch eins holen. Eines habe ich morgens mit auf die Arbeit genommen und ein kleines Stückchen davon ins Vogelhäuschen gelegt. Das wurde begeistert von einer Amsel erst ausgiebig bezwitschert und dann von dannen getragen als Füllung für den kleinen Magen. Wäre bestimmt feiner, wäre noch ein zusätzlicher Wurm darin gewesen. Da flog sie hin mit meinem Apfelstückchen.

Abends nahm ich dann auch eins mit auf den Weg. In der Straßenbahn knöpfte ich mir die Wegzehrung dann über acht Stationen vor. Daraus lernte ich, es ist gescheiter den Apfel in Stücke zu schneiden. Ich trug zwar als kleines Mädchen schon Rot auf den Lippen. Aber das sah dann niedlich aus mit dem Verschmieren. Heute jedoch, Jahrzehnte später, nur noch dämlich. Versuchen Sie einfach mal, mit Lippenstift einen Apfel zu essen. Auch wenn er kussecht sein sollte, es wird schiefgehen.

Also ich entdeckte dann beim Vorübergehen an einem Wandspiegel im Schaufenster des nächsten Möbelgeschäftes: die Nase war zusätzlich rot. Da verfiel ich vor Schreck in in die akute Mock-Starre. Das Gehäuse esse ich stets mit, also auf Hessisch :den Appelkrotzen, und so bleibt nur der Stiel übrig. Den stecke ich meist in die Manteltasche zu den zuckerfreien Hustenbonbons.

Äpfel gehen bei mir übrigens schneller weg als warme Semmeln. Als Kind war ich unheimlich gerne in unserem Garten in Wiesbaden, wo es viele Apfelsorten gab. Reichliche Ernte, die unterschiedlichsten Größen und Farben stapelten sich im Weidekorb. Friedlich, einträchtig. Die Angeschlagenen neben den Unförmigen. Glänzende neben den leicht Verfaulten, von Vögeln angehackten und anderen pityfullen Outcasts. Die Sauren und die Bitteren neben denen, die uns ein herrlich saftiges und mildes Aroma bereithielten. Allesamt bunt, friedlich und appetitlich von verschiedenen Bäumen mit unterschiedlichsten Wurzeln in der Erde.

Warum kriegen die Äpfel das eigentlich hin und die Menschen nicht?

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