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Frankfurt-Kennerin: Prinzessin vom Main

Von Zwei Trickbetrüger in die Flucht geschlagen. Und einen Ganoven knöpfe ich mir noch höchstpersönlich vor...
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Ich kann ja wieder nur Gutes über mich berichten.

Der gestrige Tag begann mit Aufstehen, den Schminkkoffer hole ich mir immer ins Bett, und während ich meinen Lidstrich ziehe rechts, gucke ich mit dem linken Auge „Frauentausch“ auf einem Privatkanal. Kanal, weil Kanalisation. Das ist, so sagen gebildete Menschen, eine echte Gulli-Sendung nämlich, aber ich finde sie praktisch und toll. Ich gucke das gerne. Ich bin ja auch mit allen Abwassern gewaschen. Man schaut aus mehreren verschiedenen Blickwinkeln in das Leben der anderen Menschen und amüsiert sich königlich. Dafür zahle ich dann gerne GEZ, die geile Einzugszentrale freut sich allmonatlich dann darüber. Man lästert und sagt: „ Also, wie peinlich ist das denn.“ Oder man entrüstet sich mit einem langgezogenen: „Das geht ja gaaaaaaaaaaaar nicht.“

Also Leute, ich sage Ihnen: „ Doch ,das geht.“ Wenn ich die Schnauze voll habe, dann schalte ich einfach um. Die Fernbedienung liegt ja auf dem Nachttisch nebendran. Wenn ich Glück habe. Neulich habe ich solange rumgeschaltet, bis beim Nachbarn das Garagentor auf und zu ging. Ich kann was.

So, dann klingelt es auf einmal, und ich schleppe mich zur Tür. Besuch erwarte ich keinen. Ich mache auch nicht auf. Durch den Spion sehe ich zwei geschniegelte und gestriegelte junge Herren im Anwaltskasperkopf-Anzug die Treppe erklimmen. Wieso klingeln die bei mir und gehen dann weiter? Das interessiert mich nun. Ich reiße die Tür auf und belle: „ Ey, habt ihr hier geklingelt und wenn ja, warum?!“ Das ist eher keine Frage, sondern eine befehlende Feststellung. Mein Missmut ist mir anzusehen. Da lege ich gesteigerten Wert drauf. Sie drehen sich gleichzeitig um wie ein Damenballett und starren mich an, kommen dann sofort zurück und begehren Einlass in meine Gemächer.

Euch haben sie wohl ins Hirn geschissen, denke ich und raffe mein Badehandtuch zusammen. Einer trägt eine Mappe unterm Arm, der andere hält mir unaufgefordert einen fröhlichen Ausweis vor die Nase. „Ich habe hier den Auftrag von der Mainova, Ihre Heizung zu kontrollieren, einen Ausweis habe ich auch“, verkündet er. „Und ich habe hier den Auftrag, mich ungestört zu schminken.“ Spreche die Worte und knalle die Türe zu. Die wollten in der Tat reinkommen. Eine dünne Stimme durch die Türe höre ich noch: „Wir werden Sie der Mainova melden, dass Sie nicht kompromissbereit waren.“ „Machen Sie das“, entgegne ich durch die geschlossene Türe. In Amerika hätte ich durch die Türe zusätzlich noch eine Kugel gejagt. Als Zugabe. Aus Notwehr.

Das waren Betrüger, da fallen viele Leute drauf rein. Besonders ältere Menschen, die noch gehorsam vor Ausweisen kuschen und die Penner dann reinlassen, und die klauen dann alles leer. Den Ausweis kann man auf jedem Kopierer drucken oder im Internet selbst designen.

Ich hasse solche Ganoven, die so durchs Leben schauspielern und rumkaspern statt einem ehrlichen Beruf nachzugehen. Fegt lieber die Straße, dann könnt ihr von Ehre sprechen. Dann habt ihr auch nicht so viel Freizeit, die ihr missbraucht. Schämt euch vorerst mal ausgiebig. Und wagt euch nie mehr an meine Tür, das geht nämlich mal richtig ins Auge dann. Promise you.

Tatsächlich sehe ich dann im heimischen hessischen Rundfunk-Sender am nächsten Tag, dass diese Masche gerade aktuell ist in Frankfurt. Ein Kripobeamter klärt auf, der Moderator gibt Tipps, wie man sich schützen kann.

Auch meine Freundin, eine ältere Dame mit schwacher Sehkraft, ist einem Betrüger aufgesessen. Der Betrüger annoncierte munter in einem lokalen Blättchen, er verkauft für dich deine Sachen bei Ebay auf Provision. Was er wirklich macht: Er holt deine Sachen ab, verscherbelt sie, und du siehst keinen müden Cent. Deine Sachen sind auch weg. Er geht nicht an die Türe, er taucht sang- und klanglos ab. Und das Geilste ist: Er annonciert munter weiter.

Wie viele Opfer gibt und gab es bei dem noch? Das finde ich nun raus. Den besuche ich bald. In Begleitung. Freue dich jetzt schon und lege alle Sachen vorsichtshalber gleich mal griffbereit zum Abholen. Eine Sauerei ist das, ältere Mitbürger so über den Tisch zu ziehen. Notlagen und Hilflosigkeit auszunutzen. Hoffentlich verprügelt dich die nächste Oma mal prachtvoll mit dem Teppichklopfer. So ein stabiler, aus Holz geflochten, der hält was aus. Ich kann das auch übernehmen, es würde mir sogar Freude bereiten.

Mann, eben klingelt es schon wieder. Da steht wieder jemand und will mein Vertrauen erschleichen. Diesmal will ein flott gekleideter Mann wissen, woher ich meinen Strom beziehe und er bietet mir an, dass ich was sparen kann. Der gute und wohltätige Mann. „Aus der Steckdose, du Vogel. Siehst du an meiner Frisur!“ „Okay, tschüss!“, findet er dann und beeilt sich wegzukommen. Der denkt garantiert, dass ich einen schweren Knall habe. Da vertrödelt er doch nicht seine Zeit mit einer Wahnsinnigen. Zeit ist Geld.

Nun, auf solche Antworten sind die Jungs in ihren Schulungen einfach nicht vorbereitet worden. Das ist wie beim Schauspielern… Tue etwas Unerwartetes, dann hast du plötzlich Erfolg. Ich glaube, ich gebe demnächst solche Kurse. Abwimmelkurse mit Spaßfaktor 10. Das wird ein Höllenspaß. „Ruf mich an!“ Am Telefon sage ich z.B. den unerwünschten Werbeanrufern, die den Chef oder die Chefin sprechen möchten: „Haben Sie kein Herz im Leib, warum rufen Sie in einem Kindersterbehospital an?" Dann herrscht am anderen Ende betretenes Schweigen, dann wird sich vielmals entschuldigt. Von denen hörst du nie wieder. In diesem Sinne: I drink to that, Aufwiederhören!

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