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Frankfurt-Kennerin: Prinzessin vom Main

Von Wir werden vergiftet. Ständig und überall. Eine perfide Attacke lauerte nun in meinem Briefkasten...

In meinem Briefkasten habe ich heute morgen eine Probepackung mit Wäscheparfüm gefunden. Waschmittel und irgendwelche Zusatzperlen. Eine große Hausfrau war ich nie, meine Mutter habe ich nie putzen oder irgendwie aufwendig kochen gesehen. Hat mir aber nicht geschadet, ganz im Gegenteil.

Wenn ich so zurückdenke, wir hatten auch keine Waschmaschine. Ich war immer adrett und sauber angezogen. Einen Fleck irgendwo entdeckt? Da hat meine Mama drauf gespuckt und ihn raus gerieben Das klappte hervorragend.

Nun wird in den heutigen Zeiten, laut penetranter Fernsehdauerwerbung, eine ganze Familie beschützt. Von Sagrotan. Wie ein erhabener Leibwächter wird uns diese Chemikalie angepriesen. Wenn man alles einsprüht, abreibt, bestäubt und beträufelt mit diesem Gift, dann kann uns nichts passieren.

Mag sein, aber was passiert, wenn ein Einbrecher kommt? Also ich sprühe ihm eine Ladung Sagrotan in die Visage, das macht den kampfunfähig und verätzt wahrscheinlich die Hornhaut der Augen. Warum also teures Pfefferspray einsetzen? In meine Handtasche für die dreckigen Angreifer eine saubere Ladung Sagrotan.

Nun zurück zu den Zusatzduftperlen des Waschmittelpröbchens vom heutigen Morgen. Ich habe mir das genau durchgelesen. Es steht tatsächlich drauf, dass es die Umwelt belastet und schädlich ist für Mensch und Tier. Für das Wasser eine böse Belastung, und wenn Kinderhände es erlangen, dann kann man nur noch bangen. Notaufnahme Uniklinik.

Der Geruch dieser Zusatzperlen glich dem jener Steine, die man in die Kloschüssel reinhängt. Das nennt sich dann Wäscheparfüm. Pfui, Teufel. Da wundert es mich nicht, dass Menschen allergisch reagieren auf allen möglichen Körperflächen und Ebenen. Wir werden vergiftet. Volles Rohr. Feuer frei, der Verbraucher richtet sich selbst zugrunde, die Industrie muss es nur anbieten und den Bedarf rund um die Uhr erwecken auf allen erdenklichen Zwangskanälen. Todtraurig.

Natürlich möchte ich nicht an einem Fluss sitzen mit einem Waschbrett und mit Kernseife meine Buxen schrubben. Aber weniger Bequemlichkeit und Chemie würde uns allen gut zu Gesicht stehen. Da könnte ich mir doch tatsächlich fast das Konzept vom Modediscounter loben, wo die Klamotten so billig sind, dass es sich nicht mehr lohnt, das Zeug nach dem Tragen zu waschen. Da bleibt der Dreck wenigstens in dem Land, wo er hingehört. In Indien, Pakistan oder China, wo er hergestellt wird.

Was geht es den Pfennigfuchser hierzulande an, wenn in den Fabriken die Arbeiterinnen und Arbeiter regelmäßig von den Dämpfen in Ohnmacht fallen und in die Notaufnahme geschleppt werden müssen. Da kann man auch nichts machen, die meisten können das von ihrem Hungerlohn sowieso nicht bezahlen.

Hat man vergessen, dass die Erde uns allen gehört und wir achtsam mit unserer Umwelt und unseren Mitmenschen umgehen sollen? Fortschritt ist etwas Wunderbares, aber mit derartigen Fortschritten bleiben wir alle früher oder später auf der Strecke. Verzicht brauchen wir nicht üben, denn wir können es alle.

Das Problem ist, keiner will anfangen, denn der Druck ist zu hoch. Der Druck, nicht das Neueste zu haben, der Druck, nicht der Schnellste zu sein oder der Klügste. Druck von oben, Druck von der Seite, von vorne und von hinten. Überall Druck. Sei doch einfach mal du und denke dabei aber nicht nur an dich.

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