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Frankfurt-Kennerin: Prinzessin vom Main

Von Geben Sie acht auf jedes Wort. Sonst droht Ungemach. Und halten Sie die Augen auf. Dann sehen wir uns...

Wenn man nicht richtig und aufmerksam zuhört, dann wird aus dem Titel „Farah Diba“ schnell mal das Wort „Fahrraddiebe“. Wenn das beim Tratsch im Treppenhaus aufgeschnappt wird, dann kann es sein, dass sich auf Grund dessen ein Fahrradbesitzer ängstigt und sein Gefährt ab sofort mit in die Wohnung nimmt. Hätte er nicht gelauscht, es wäre ihm erspart geblieben. Hätte er die Tratschweiber direkt angesprochen, dann hätte sich das Missverständnis bestimmt aufklären können.

Jetzt nimmt der gesetzestreue Mieter also sein Gefährt mit in die Wohnung. Das stört seine Lebenspartnerin, die für dieses Verhalten absolut kein Verständnis aufbringt. In den Keller kann er das Rad stellen, von ihr aus.

Doch den Keller hat er schon lange dauerhaft an einen anderen Nachbarn untervermietet. Der beschützt dort eine Armada von Sommer und Winterreifen. Das ist eigentlich verboten, denn die können Feuer fangen. Der Kellervermieter hat zwar keinen Mietvertrag, denn er darf gar nicht untervermieten, aber sein Handschlag gilt bei ihm wie Gottes Wort.

Nun gibt es Ärger, die Freundin droht schmollend mit Liebesentzug. „Wie soll ich denn romatische Gefühle entwickeln, wenn da ein dreckiges Fahrrad auf dem Flur steht?“, brüllt sie ihn an. Die Wände sind dünn, die Nachbarin hört aufmerksam das Rumschreien und macht sich einen Reim drauf. Den eigenen versteht sich. Bestimmt schlägt er seine Freundin.

Mit dieser neuesten Information ausgestattet trifft sie sich am nächsten Tag mit einer Freundin aus dem Block. „Stell Dir vor, da geht was ab bei denen. Laufend Geschrei und Gepolter aus der Wohnung.“

Die Freundin ist entsetzt, war sie doch lange Jahre selbst Opfer häuslicher Gewalt. Sie kann das aber nicht zugeben, niemals würde sie sich einem Dritten anvertrauen. Auch keiner Freundin. Sie nimmt sich vor, die Geprügelte zu beobachten und ihr auch zu helfen. Anonym natürlich, sie hat ja nur das Beste im Sinn. Wie froh wäre sie gewesen, wenn sie damals Hilfe erhalten hätte.

Mittlerweile hat sich der Streit um das Fahrrad im Flur gelegt, der Kompromiss lautet: Balkon! Damit können beide leben. Wegen einer Bindehautentzündung muss die Freundin unseres Fahrradproblematikers eine Sonnenbrille tragen. Der Arzt hat das zwar nicht gesagt, aber sie fühlt sich besser damit. Soll ja niemand sie mit ungeschminkten Augen sehen. Sie hat Schlupflider. Wenn der Alte mal endlich was verdienen würde, sie wäre sofort beim Schönheitschirurgen.

Da heute kein bisschen die Sonne scheint, sieht die Nachbarin nur, wie die vermeintlich Geprügelte mit Sonnenbrille aus dem Haus schleicht. Ja, sie schleicht. Und unter der großen Brille verbirgt sie mit Sicherheit ein dunkelblaues Auge.  Anonym muss man den Schläger-Typen anzeigen. Gesagt getan. Der Stein kommt ins Rollen.

Ein Kind wohnt dort ja auch noch, das dann wohl alles mit ansehen muss. „Am besten gleich das Jugendamt informieren, die reagieren sofort. Zum Wohle eines schutzbedürftigen Kindes!“ Eifrig werden Informationen erst schriftlich, dann telefonisch mit verstellter Stimme und unterdrückter Nummer den jeweiligen Behörden nun mitgeteilt. Die müssen nun handeln.

Ja, liebe Leser. So entsteht es. Das sind die Fake-News. Das ist die stille Post, das ist die Welt. Hätte, hätte Fahrradkette. Ich prüfe alles so gut ich kann, bevor ich es glaube oder gar weitergebe, ich spreche direkt mit meinen Mitmenschen und weiß eines: Ich kann und muss nicht allen gefallen. In Zeiten, wo fast jeder mit Kopfhörern durch die Weltgeschichte rennt, Informationen in Bruchteilen von Sekunden sich verändern, Tausende Kanäle etwas anderes berichten und nur ein einziger vergessener oder hinzugefügter Buchstabe alles verändern kann… wo kommen wir da noch hin?

Neulich sagte mir ein guter Freund, er hätte mich im Fernsehen gesehen in den Nachrichten. Ich wäre auf der Love-Parade auf dem Wagen gewesen und hätte herunter gewunken. Es kann nun sein, dass er es verwechselt hat oder der Sender. Mich kann man nicht verwechseln, ich sehe immer gleich aus. Wie Uta Ranke-Heinemann mit blondem Dutt und türkisfarbenen Leder-Outfit. Oder Heino. Ich war in meinem Leben nie auf der Love-Parade. Auf dem CSD jedoch sehr oft, auf dem ersten Wagen in Berlin. Ein wunderbares Erlebnis immer.

Aber ich habe auch schon gehört, ich hätte Doppelgängerinnen oder Doppelgänger. Setz dir einfach mal eine blonde Hochfrisur auf und trage ein schwarzes Kleid, ein bisschen Goldschmuck… dann bist Du sofort die Prinzessin vom Main. Es sollte mehr von mir geben, lebensfroh und lustig und individuell selbstverliebt. Finde ich.

Nun muss ich mich verabschieden, denn mein kleiner Blog endet heute. Er fällt buchstäblich ins Wasser… in den Main. Und wenn Sie aufmerksam sind, werden Sie sehen, wann und wo ich demnächst wieder auftauchen werde.

Danke liebe FNP-Redaktion für die gute Betreuung, ganz besonders Frau Anne Zegelmann und Herrn Mark Obert. Das handgeschriebene Wort ist und bleibt ein sicherer Ort.

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