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Stil-Blüten

Von Das Übel rast durch die Stadt. Der Mann, der was auf sich und andere hält, kommt auf leisen Reifen daher.
Welche ist die Lieblingsbeschäftigung des Maßschneiders nach Feierabend? Sich auf eine der zahlreichen wunderschönen  Frankfurter Terrassen entspannt zurücklehnen, eine gute Zigarre anzünden und diese mit einem Cappuccino in den letzten Sonnenstrahlen des Abends genießen. Soweit die Theorie.
 
Gestört wird diese idyllische Ruhe allzu oft von brachialen Lärmattacken, die sich ihren Weg durch die Häuserschluchten bahnen und einem  abstürzenden Tornado der Bundeswehr ähneln müssen. Wenige Sekunden später rast das Übel an einem vorbei. Getunte und aufgemotzte Boliden, die in den höchst möglichen Drehzahlbereichen durch die Innenstadt geprügelt werden, um ein maximales Maß an Aufmerksamkeit zu erlangen.
 
Um es vorweg zu sagen: Ich mag schöne, teure und schnelle Autos. Ich fahre keinen Drahtesel und ärgere mich über die allzu oft ebenfalls mehr als pampigen Fahrradfahrer in der Innenstadt genauso wie Sie. Mindestens ähnlich bedauernswert sind jedoch jene Zeitgenossen, die meinen, ihre Umwelt im Jahr 2014 noch immer mit „lauter-schneller-weiter“-Attacken im Straßenverkehr beeindrucken zu müssen.
 
Warum auch? Frauen, die sich von solchen Darstellungen beeindrucken lassen, tragen meistens gefälschte Louis Vuitton-Taschen. Und der Rest verdreht ohnehin nur genervt die Augen. Wie gesagt: nichts gegen schöne Autos. Eine vorbeirauschende „Emily“ beispielsweise ist elegant. Sie erzeugt Anerkennung und Begeisterung – und sie ist leise. Niemals würde man mit so einem Automobil mit quietschenden Reifen an der Ampel starten. Fahrer und Fahrzeug sind in diesem Fall eins. Sie strahlen Souveränität und Understatement aus. Mit so einem Fahrzeug beeindruckt Mann ohne große Worte oder eine Nerven zermürbende Geräuschkulisse. Und ganz gewiss ohne Louis Vuitton-Tasche.
So ein Fahrzeug ist wie eine Katze. Leise, individuell und (wenn sie will) auch schnell.
 
Die krachenden Boliden dagegen sind Straßenköter, die zeigen wollen, was sie oftmals nicht haben. Dabei ist es völlig egal, ob man mit einem teuren Sportwagen oder einem Lexmaul-Opel Lärm macht.
 
In diesem Sinne: Fahren Sie Ihren Wagen mit Würde und einer gewissen Ruhe. In Frankfurt lohnt es sich ohnehin, ab und an zu laufen.
 
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