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Stil-Blüten

Von Die traditionelle englische Herrenmode ist auch bei uns ganz groß.
Kaum eine Nation hat die europäische Männermode nachhaltiger beeinflusst als die Briten. Tweed & Co. sind das Markenzeichen einer Nation, die wir nicht nur mit guter Mode, sondern auch einem ausgeprägten Stilbewusstsein verbinden. Und weil wir uns Ende Oktober in puncto Wetter langsam auf englische Verhältnisse bewegen, möchte ich Sie heute auf die Insel entführen.
 
Der Aufstieg des Empire zur Modenation wurde vor allem durch einen Umstand begünstigt: Als ein Land von Seefahrern hatten die Briten als erste den Zugriff auf die Rohstoffe, die zur Herstellung von Herrenmode im heutigen Verständnis notwendig waren. Dadurch kultivierten die Engländer recht schnell eine Industrie der Herstellung von Wolle und Stoffen. Dazu kam das traditionell raue Wetter auf der Insel, das eine Kleidung notwendig machte, welche Stil und Effizienz miteinander verbinden konnte.
 
Das Ergebnis sind Kleidungsstücke, die wir noch heute gerne tragen. Der britische Stadtmantel, der Covert Coat, beispielsweise. Das wohl typische Kleidungsstück aus UK ist des Tweed Sakko. Sein primäres Merkmal ist selbstredend der Tweedstoff, der in den unterschiedlichsten Farbkombinationen und Mustern angeboten wird. Meistens in grünen und braunen Tönen und Karos. „Harris Tweed“ ist der bekannteste seiner Art und wird ausschließlich auf den Äußeren Hebriden gewebt.
 
Das Mekka britischer Mode nach Maß ist und bleibt Londons Savile Row. In der kleinen Straße in Westminster sind die bekanntesten Maßschneider des Empire beheimatet. In den honorigen Ateliers der Traditionshäuser wie „Huntsman“ oder „Gieves & Hawks“ wurden von Winston Churchill bis Frank Sinatra alle Gentleman ihrer Zeit vermessen und mit edlen Tüchern eingekleidet.

Noch heute ist die Gemeinschaft der Maßschneider auf der Savile Row eine Gilde verschwiegener Gentlemen, in welche Außenstehende kaum Zugang erhalten. Ein Blick durch die Schaufenster zeugt jedoch von dem Stolz und der Tradition dieses Handwerks, welches jedoch auch in London nach und nach Konkurrenz durch Billig-Maßanzüge aus China erhält.

So wurde das bereits genannte Traditionshaus „Gieves & Hawkes“ auf der Savile Row No.1 bereits vor Jahren an chinesische Investoren verhökert. Seitdem verspotten es die richtigen Bespoke Tailor in Anspielung auf die britische Kaufhauskette als „Marks & Spencer der Row“.

Wer sich dazu entscheidet, einen Maßanzug auf der Savile Row anfertigen zu lassen, sollte zwei Dinge mitbringen. Zeit und Geld. Etwa drei Monate und mehrere Zwischenanprobe dauert die Anfertigung, welche beim Branchenprimus „Huntsman“ ungefähr 3500 Pfund kostet.

Ein solcher Maßanzug begleitet Sie jedoch viele Jahre und wird in England gerne auch vererbt oder auch mal geflickt. So haben sich deutsche Medien vor einigen Monaten über Prince Charles echauffiert, weil dieser einen deutlich sichtbaren Stoffflicken auf seinem Sakko trug. Der Prinz dürfte, wenn er die deutsche Aufregung überhaupt mitbekommen hat, über solche Kapriolen nur müde gelächelt haben. Gilt das Vererben und Bewahren in England als Ausdruck von Tradition und nicht als Ausdruck von Geiz oder Sparsamkeit.
 
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