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Bewegte Bilder

Von Herzschmerz-Trends, Drehs für Streamingdienste, ein Weltraum-Epos und Filmtipps im Deutschen Filmmuseum.

Über die teilweise merkwürdige Filmauswahl in Flugzeugen ist ja schon viel geschrieben worden. Festzustellen ist generell ein gewisser Trend zu Herzschmerz auf der einen und Blockbuster der unteren Kategorie auf der anderen Seite. Dazu passte auch jener Film, den Thai Airways Anfang Dezember 2014 (sic!) auf dem Rückflug von Bangkok im Programm hatte: "The Railway Man" (Die Liebe seines Lebens, GB/AUS 2013, R: Jonathan Teplitzky) mit Colin Firth und Nicole Kidman. Ein aktueller Film, von dem ich – trotz Starbesetzung – noch nie gehört hatte. Merkwürdig. Zwar passte der Film durchaus in die Herzschmerz-Kategorie, aber dennoch war er, dank seiner ausgezeichneten Hauptdarsteller, doch durchaus nicht übel und beleuchtete eine weitere dunkle Facette des Zweiten Weltkriegs. Was mir nach dem Ende des Films (und den vielen Stunden Fluges, die noch vor mir lagen) viel nachzudenken gab: Über das Böse im Menschen an sich (Folter!) und im Kino-Verleihwesen im Besonderen. Wieso lief ein Film, der ganz offensichtlich in Deutschland noch nicht angelaufen war, bereits bei Thai Airways im Unterhaltungsprogramm? Hatte er keinen Verleih gefunden? Möglich, denn leider ist es die traurige Regel, dass viele durchaus sehenswerte, zuweilen sogar erstklassige Filme nur auf Festivals laufen, weil kein Verleiher den Mut aufbringt, sie in die Kinos zu bringen.

Längst gibt es ja jede Menge Filme, die nur für den DVD-Markt produziert werden. Viele davon, zugegeben, haben das Kino auch gar nicht verdient. Aber eben nicht alle. Wer regelmäßig Festivals besucht, hat ein Gefühl für die Größe des Eisbergs unter der Wasseroberfläche: für die Zahl der nie im Kino gezeigten Filmwerke. Ist ein Ausweg in Sicht? Keineswegs. Der aktuelle US-Trend zum Dreh direkt für Streamingdienste (http://www.fnp.de/ganz-aktuell/schlaglichter/Amazon-gewinnt-Woody-Allen-als-Serien-Regisseur;art189,1214318) wird sich noch ausweiten. Womöglich werden bald auch Filmregisseure (aus Kostengründen?, aus Gründen der Unabhängigkeit?) dazu übergehen, nur noch fürs Internet zu drehen. Was ihre Filme auf jeden Fall einem breiten Publikum zugänglich macht. Besser als sie gar nicht sehen zu können, oder?

Naja. Da lobe ich mir Leute wie Christopher Nolan, der sich dem totalen Digital-Wahn entgegenstemmt und sein Weltraumepos "Interstellar" (USA 2013) auf 35mm und 65mm-Material gedreht hat. Neben der digitalen Version brachte Nolan den Film auch in analogen Kopien in die Kinos. Und überhaupt: Nur im Kino ist Kino noch Kino. Große Leinwand, Gemeinschaftserlebnis mit anderen, sozialer Ort und so.

P.S.: Wer einen Film, der "The Railway Man" heißt, was ein überaus gelungener und dem Inhalt des Films ideal entsprechender Titel ist, in Deutschland "Die Liebe seines Lebens" (deutscher Kinostart nun doch: Juni 2015) nennt, muss sich nicht wundern, wenn die Leute nicht ins Kino gehen.
 
Filmtipp:
Die Two-Generations-Filmreihe, die derzeit im Deutschen Filmmuseum läuft, zum Beispiel "Basic Instinct" (US/FR 1992, R: Paul Verhoeven), am morgigen Freitag, 17. Juli, um 18 Uhr (sowie Sonntag, 9. Juli um 20:30 Uhr) als 35mm-Kopie oder ein anderes Werk von Christopher Nolan: "Inception" 2010) ebenfalls auf 35mm!
Am Mittwoch, 29. Juli, um 18 Uhr und am Donnerstag, 30. Juli, um 20:30 Uhr im Kino des Deutschen Filmmuseums.
 

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