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Gefilmtes Buch

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Es gibt ja Bücher, da sieht man schon beim Lesen den Film vor dem geistigen Auge ablaufen. Aktuell geht es mir gerade mit Frank Goosens „Förster, mein Förster“ so. Wie diese irre Clique um eine uralte, demente Saxofonistin in einem VW Bully vom Ruhrgebiet Richtung Ostsee aufbricht, das setzt sofort Bilder in Bewegung: Man möchte mitfahren in dem Bully, die endlosen Streitereien von Fränge und Brocki im Ohr, man möchte das schöne junge Paar Finn und Sarah auf einem Spielplatz knutschen sehen, man möchte Dreffke über Toiletten-Voucher lästern hören und „die Uli“ kennen lernen. Und alles wäre ganz wunderbar.

Nur dass diese Filme dann oft gar nicht so sensationell werden, wie man dachte, dass sie es ganz natürlich werden müssten. War auch bei LONESOME DOVE (USA 1989, R: Simon Wincer) so, diesem pulitzerpreisgekrönten Western von Larry McMurtry über einen der letzten ganz großen Rindertrecks nach Montana. Kann doch eigentlich nur gut werden, war aber mehr so mittelmäßig, was ganz sicher nicht an Robert Duvall und Tommy Lee Jones in den Hauptrollen lag, aber vielleicht daran, dass der Film kein Film sondern eine Fernsehproduktion ist.

Beispiele nicht ganz so gut gelungener Verfilmungen gibt es genug, KRABAT (DE 2008, R: Marco Kreuzpaintner) fällt mir ein, Stieg Larssons Millennium-Trilogie  (SE/DK/DE/N 2009, R: Niels Arden Oplev, Daniel Alfredson), HOTEL NEW HAMPSHIRE (US/UK/CA 1984, R: Tony Richardson), PRIDE AND PREJUDICE (FR/UK/US 2005, R: Joe Wright),...

Gut, dass die besseren, zuweilen geradezu kongenialen (womöglich die Qualität des Buches sogar weit übertreffenden) Verfilmungen ebenso reichlich an der Zahl sind: THE COLOR PURPLE (US 1985, R: Steven Spielberg) wäre zu nennen, DER BLAUE ENGEL (DE/US 1930, R: Josef von Sternberg), SENSE AND SENSIBILITY (US/UK 1995, R: Ang Lee) , HENRY V. (GB 1989, R: Kenneth Branagh), THE CIDER HOUSE RULES (US 1999, R: Lasse Hallström), MUCH ADO ABOUT NOTHING (GB/US 1993, R: Kenneth Brannagh), ONE FLEW OVER THE CUCKOO’S NEST (US 1975, R: Milos Foreman), THE LAST PICTURE SHOW (US 1971, R: Peter Bogdanovich)... 

Dann gibt es da natürlich diese Zwischenwesen: Verfilmungen, die mit dem Buch gar nicht mehr sooo viel zu tun zu haben scheinen, aber eigene filmische Prachtstücke geworden sind: THE LORD OF THE RINGS (NZ/GB/US 2001-2003, R: Peter Jackson), CLOUD ATLAS (DE/US/VRC/SGP 2012, R: Tom Tykwer, Andrew Wachowski, Lana Wachowski) oder HARRY POTTER (GB/US 2001-2011, R: David Yates, Chris Columbus, Alfonso Cuarón, Mike Newell).

Volker Schlöndorff ist ein notorischer Literaturverfilmer, der von sich selbst sagt, ihm fehle die Phantasie für selbst entwickelte Drehbücher. Ihm verdanken wir eine Reihe herausragender Literaturverfilmungen, von der BLECHTROMMEL (DE/FR 1979) bis HOMO FABER (FR/DE/GR 1991). Schon sein erster Film geht auf ein Meisterwerk der deutschen Literatur zurück, auf Robert Musils „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“. Die grandiose Verfilmung DER JUNGE TÖRLESS stellte Schlöndorff 1966 in Cannes vor. Sie ist am heutigen Freitag, 6. Mai, um 18 Uhr im Kino des Deutschen Filmmuseums zu sehen. Lohnt sich!
 
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