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Bewegte Bilder

Von Heute im Film-Blog: Alte im Kino - warum Senioren die neuen Leinwand-Helden sind.
Judi Dench als Evelyn in einer Szene des Kinofilms "Best Exotic Marigold Hotel". Die Alten sind auf der Leinwand die neuen Helden, glaubt unsere Bloggerin, Filmexpertin  Frauke Haß. (Foto: dpa) Judi Dench als Evelyn in einer Szene des Kinofilms "Best Exotic Marigold Hotel". Die Alten sind auf der Leinwand die neuen Helden, glaubt unsere Bloggerin, Filmexpertin Frauke Haß. (Foto: dpa)
Alte Menschen sieht man im Film ja in jüngster Zeit häufiger. Das hängt bestimmt damit zusammen, dass die derzeitige Seniorengeneration die gesündeste und prosperierendste je ist. Will heißen: Opa und Oma haben Geld und Zeit und die kulturelle Ausstattung, ins Kino zu gehen.

Dort haben sie inzwischen alle Schwarzweiß-Filme aus ihrer Jugend in besonderen Filmreihen und in Filmmuseums-Kinos rauf und runter gesehen und jetzt wird’s Zeit für Erneuerung. Aber die neueste Highschool-Comedy aus den USA vermag die neuen Alten ebensowenig anzusprechen wie WOLVERINE (US/AU 2013, R: James Mangold). Die Alten wollen Filme über sich selbst sehen. Und sie werden großartig bedient.

Letztlich fing das ja schon an mit Clint Eastwood, der sich die Seniorenrollen einfach selbst inszenierte, als er in ein gewisses Alter kam. Etwa in SPACE COWBOYS (US 2000), wo eine Gruppe pensionierter Testpiloten von der NASA reaktiviert wird, um einen sowjetischen, mit Nuklearwaffen ausgestatteten Satelliten unschädlich zu machen, dessen uraltes System in der aktuellen NASA-Truppe kein Mensch mehr begreift. Großartige Unterhaltung mit grandiosen Schauspielern, von Donald Sutherland bis Tommy Lee Jones. Auch acht Jahre später macht Eastwood im Alter von bald 80 Jahren in GRAN TORINO (US 2008) aus dem grumpy old man noch einen angehimmelten Helden.

Inzwischen überschlagen sich die Altenfilme geradezu. 2011 brillierten eine grandios schöne Jane Fonda und eine sympathisch geerdete Geraldine Chaplin in ET SI ON VIVAIT TOUS ENSEMBLE? (Und wenn wir alle zusammen ziehen? FR/DE 2011, R: Stéphane Robelin) –  einem Film über die Turbulenzen in einer frisch gegründeten Alten-WG. Fast gleichzeitig erschien THE BEST EXOTIC MARIGOLD HOTEL (GB/IN 2011, R: John Madden), in dem sich britische Rentner aus Kostengründen nach Indien zurückziehen, um es sich dort wenigstens einigermaßen gut gehen zu lassen – was natürlich höchst unterhaltsam schief geht.

Für Comedys dieser Preisklasse ist Robert Redford selbstredend nicht zu haben. Redford steht längst für anspruchsvolles politisches Kino. Und doch ist er der Regisseur und Hauptdarsteller des allerneuesten Altenfilms. In THE COMPANY YOU KEEP mimt er unglaublich zerknittert einen Ex-Terroristen, der seit 30 Jahren im Untergrund lebte und nun seinen Namen reinwaschen will. Im Kino war neulich die Ansicht zu hören, „dass die Schauspieler doch alle extra so auf alt getrimmt sind“. Eher nicht. Sie sind alt.

Selbst wenn Redford anzusehen ist, dass seine blond gefärbten Haare mit den dekorativen grauen Büscheln an den Schläfen für jede Einstellung mühsam attraktiv zurechtgewuschelt wurden: Man sieht ihm seine 76 Jahre ebenso an wie Julie Christie ihre 72, Susan Sarandon ihre 66 und Nick Nolte seine 72. Sie alle sind nicht unbedingt schöne Alte, aber sie haben sich ganz gut gehalten und sehen dabei doch würdig aus. Und das sind doch ganz gute Aussichten. Auch wenn die wenigsten von uns Redfords körperliche Grundausstattung mitbringen – so zu altern wie Nick Nolte ist keine Schande. Nur über die Wampe müssten wir noch reden.

Filmtipps:
DON’T LOOK NOW (Wenn die Gondeln Trauer tragen, IT/GB 1973, R: Nicolas Roeg), THELMA & LOUISE (US 1991, R: Ridley Scott), BUTCH CASSIDY AND SUNDANCE KID (Zwei Banditen, US 1969, R: George Roy Hill), UNDER FIRE (US 1983, R: Roger Spottiswoode)

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