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Bewegte Bilder

Von Heute im Film-Blog: Deutsche Übersetzungen - und was eigentlich gemeint war. Der Turmpalast fehlt.
Das waren noch Zeiten, als es im Turmpalast Filme in der Originalfassung gab... (Foto: dpa) Das waren noch Zeiten, als es im Turmpalast Filme in der Originalfassung gab... (Foto: dpa)
Kennen Sie das? Irgendwo läuft ein Fernseher, vermutlich Fußball, es kommt Bierwerbung und Sie denken: Robert Redford? Was hat denn Redford mit deutschem Bier zu tun? Bis es klickt: Ach so, Synchronstimme. Schlimm ist das. Die deutsche Fassung von GONE WITH THE WIND (US 1939, R: Victor Fleming) kam auch deshalb noch einen Tick rassistischer rüber als das Original, weil die schwarzen Frauen mit so einer merkwürdigen Micky-Maus-Stimme sprachen, die sie unglaublich kindisch und unreif wirken ließ; eine deutsche Micky-Maus-Stimme wohlgemerkt.

Filme der Noir-Serie wie THE MALTESE FALCON (US 1941, R: John Huston) mit Humphrey Bogart hatten in der deutschen Fassung nicht nur eine bekloppte Synchronisation, sondern in diesem Fall unterlegten die deutschen Bearbeiter Bogarts privatdetektivische Ermittlungen auch noch mit einer völlig unpassenden Tanzmusik. Der Klassiker zu diesem Thema stammt ja aus einem anderen Bogart-Film: „Here’s lookin’ at you, kid“ sagt Bogart in CASABLANCA (US 1942, R: Michael Curtiz) zu Ingrid Bergmann, ein Trinkspruch, weiter nichts. In der deutschen Fassung sagt er dann den idiotischen Satz: „Ich seh’ Dir in die Augen, Kleines“. Ein Spruch, der jahrzehntelang und vieltausendfach in der deutschen Werbung und in den Medien kolportiert wurde, und zwar so, als sei er das Original.

Ganz zu schweigen von der stark sinnverschiebenden Wirkung der deutschen Bearbeitung in allen möglichen, vor allem aber den politischen Aspekten der Handlung. Deshalb: Pfoten weg von deutschen Synchronisationen. Aber was tun in Frankfurt? Seit es das Turm-Kino nicht mehr gibt, ist es schwierig geworden, anspruchsvolle aktuelle Filme im Original zu sehen. Lobenswert ist deshalb die Initiative einiger kleinerer Kinos, einen Original-Sonntag und -Montag einzuführen.

Das kann jetzt in der Anfangszeit schief gehen, wenn man – wie ich neulich – am Montag das Programm recherchiert und dann am Dienstag ins Kino geht, um sich überraschend in der deutschen Fassung wiederzufinden. Aber das sind Peanuts (dt.: Kleinigkeiten). Sonntags und montags künftig also den Terminkalender frei halten und ins Kino gehen – ins Original nämlich. An jedem anderen Tag der Woche geht das natürlich auch: Im Kino des Deutschen Filmmuseums werden die Filme im Regelfall ohnehin im Original gezeigt. Tipp: Kino-des-deutschen Filmmuseums.de FRANCES HA (US 2012, R: Noah Baumbach), So und Mo in OmU in der Harmonie und täglich im "Mal seh’n"-Kino.

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