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Bewegte Bilder

Von Heute im Film-Blog: Der Trilby-Hut feiert ein Comeback. Bogart trug ihn selten.
Humphrey Bogart als Richard 'Rick' Blaine und Ingrid Bergman als Ilsa Lund Laszlo blicken sich in dem Filmklassiker "Casablanca" tief in die Augen. Sein Hut sah dabei cool aus, nicht doof. (Foto: dpa) Humphrey Bogart als Richard 'Rick' Blaine und Ingrid Bergman als Ilsa Lund Laszlo blicken sich in dem Filmklassiker "Casablanca" tief in die Augen. Sein Hut sah dabei cool aus, nicht doof. (Foto: dpa)
Zum ersten Mal tauchte er in meiner Wahrnehmung wieder auf, als ihn bei einer Lesung auf der Buchmesse die Teenager-Tochter eines Buchautors trug. Das muss 2008 gewesen sein. Von da an blitzte seine ulkige Form immer mal wieder in der Menge auf. Dass es sich um einen Massentrend handelte, merkte ich erst, als eine Handy-Firma dieses Jahr auf einem „Familien-Event“ genannten Ereignis im Waldstadion die Dinger tausendfach unter die Leute brachte. Inzwischen ist er sogar in den „Tourist-Shops“ genannten Luftmatratzen- und Sonnenmilch-Läden an den Küsten des Mittelmeers angekommen.

Ja, sogar bis nach Kreta hat er es geschafft, wo es doch glücklicherweise immer etwas länger dauert, bis sich der Unfug industrieller Nonsens-Produktion breit macht. Schließlich isst man hier auch immer noch Tarama, gegrillten Octopus (am Stück!) und gefüllte Zucchini-Blüten – nix Burger, Pommes und Spaghetti (jedenfalls nicht, wenn man so klug ist, eine Taverne aufzusuchen und keine sogenannte „Bar“). Wir sind hier auf Kreta!

Aber den Trilby-Hut gibt es hier jetzt auch. In der Regel aus Stroh, aber in allen Farben, die schon die 80er Jahre über uns brachten, von knallorange bis schrillgrün und schockpink. Alles zu haben. Der Trilby-Hut war dem Fernseh-guckenden Kind der 60er Jahre wohl vertraut. Schließlich liefen die Männer in den französischen Krimis, von Lino Ventura bis Michel Piccoli, reihenweise damit rum. Eigentlich jeder Mann, der was auf sich hielt. Sean Connery als James Bond ebenso wie Eric Ode als Der Kommissar. Aus Sicht der Kinofilme im Fernsehen wahrnehmenden Heranwachsenden hatte dieser Hut stets etwas Lächerliches: Warum fanden es all diese ausgewachsenen Männer anscheinend schick, diesen irgendwie zu klein geratenen Hut auf den Kopf zu setzen? Am besten passte er tatsächlich zu Eric Ode, schließlich strahlte er mit seiner Bescheidenheit so was begrenzt Kleinbürgerliches aus. Gewiss auch etwas Keckes. Aber ein keckes Kleidungsstück für James Bond?

Ganz anders der raumgreifende Fedora der Gangster aus den US-amerikanischen Filmen der 30er und 40er-Jahre. Der Fedora, den auch Bogart trug. (Eine schnelle Foto-Recherche ergibt allerdings, dass Edward G. Robinson und James Cagney in vielen Gangsterfilmen auch häufig den etwas steifkrempigeren Homburg trugen.) Interessant ist, dass einige sogenannte Lexikon-Seiten im Internet behaupten, der Trilby sei der Hut, den Bogart trug, weshalb er inzwischen auch oft einfach „Bogart“ genannt werde. Was merkwürdig ist. Mag ja sein, dass Bogart ein-, zweimal auch einen Trilby getragen hat. Aber DER Bogart-Hut ist definitiv ein Fedora mit breiter Krempe und elegantem Schwung. Und um die Verwirrung voll zu machen, meldet Wikipedia.org., der Trilby sei gewissermaßen eine Unterart des Fedora. Gleichwie.

Der Trilby ist wieder da. Und je öfter man ihn sieht, desto schicker findet man ihn irgendwie. Vielleicht doch zugreifen? Zum Beispiel diese smarte Strohversion in Rot mit schwarzer Krempe…?
Filmtipps:

Little Caesar (Der kleine Cäsar, US 1931, R: Mervyn LeRoy)
Ascenseur pour l’échafaud (Fahrstuhl zum Schafott, FR 1958, R: Louis Malle)
Dr. No (James Bond – 007 jagt Dr. No, GB 1962, R: Terence Young)
Le Mépris (Die Verachtung, FR/IT 1963, R: Jean-Luc Godard)

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