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Bewegte Bilder

Von Neu im Filmblog: Zum Lesen braucht man mehr als Knarre und Schaukelstuhl.
Tommy Lee Jones, hier im Westernthriller "No Country for Old Man", möchte beim Lesen nicht gestört werden. (Foto: dpa) Tommy Lee Jones, hier im Westernthriller "No Country for Old Man", möchte beim Lesen nicht gestört werden. (Foto: dpa)
Stimmt schon nachdenklich, wenn diese Buchmessen-Menschen, die ja derzeit überall die Stadt verstopfen, nie über Bücher zu sprechen scheinen, sondern ständig über Rotwein, leckeres Essen, den letzten Urlaub oder wen sie da Tolles in einer fernen Stadt getroffen haben. Das gibt Gelegenheit, an dieser Stelle auch nicht über Bücher zu sprechen, sondern über das ganz Entscheidende: Wo lesen? Eine Freundin von mir kann sich nur noch auf Texte konzentrieren, wenn sie sie abends im Bett aus ihrem iPhone (ich wiederhole: iPhone, also das Ding mit dem winzig kleinen Monitor) saugt. Ich an ihrer Stelle könnte mir dann auch etwas vorsingen.

Lesen im Bett ist allerdings eine prima Sache. Zwei Kissen ins Kreuz, halb sitzende, halb liegende Position, heißer Kaffee am Ellbogen… draußen regnet’s? Was kümmert es mich! Auf diese Weise lassen sich ganze Wochenenden sinnstiftend verbringen. Nur schade, wenn man noch so viel Restwohnung abzuwohnen hat. Wozu ein Wohnzimmer, wenn man da nicht auch ein paar Lesestunden verbringt? Zu diesem Behufe wurde kürzlich ein Schaukelstuhl angeschafft. Eigentlich mehr mit dem romantischen Bild von – sagen wir – Tommy Lee Jones in einer Altersrolle im Sinn, auf der Veranda im Abendlicht, eine Knarre quer über den Beinen, stumm, aber gefährlich aussehend, den dubiosen Ankömmlingen entgegenblickend – ein Film, der wohl noch zu drehen ist, von… am liebsten Clint Eastwood. In Ermangelung von Tommy Lee Jones und einer Veranda: erstmal einen Schaukelstuhl.

Aber dieses Möbelstück ist tricky. Zunächst einmal verstopft so ein Monster das Wohnzimmer mit seinem raumgreifenden Radius. Ständig steht das Ding im Weg und schlägt einem im Vorbeigehen die Knöchel blutig. Und was in US-amerikanischen Filmen so betörend entspannt aussieht, entpuppt sich als komplizierte Angelegenheit: Stößt man sich aufrecht sitzend mit dem einen Fuß immer wieder vom Boden ab, entsteht so ein kurz-amplitudenhaftes nervöses Gezappel, bei dem man eher einen Herzkasper kriegt, als die Ruhe weg. Lesen? Zu hektisch!

Besser wird es für diejenigen, die das Sofa zu Hilfe nehmen und sich im Schaukelstuhl zurückgelehnt, in Beinahe-Augenhöhe mit dem Fuß von der Sitzfläche des Sofas abstoßen: Es entsteht ein längerer Schaukelradius, der der Entspannung förderlicher ist.

Lustig wird es, wenn man die Beine hoch nimmt und sich gewissermaßen vom eigenen Gewicht nach vorne kippen lässt, das hat in der Tat was ungeheuer Relaxtes, aber lesen? Das Buch würde beim Schaukeln ständig vom eigenen Bauch erdrückt. Vermutlich wurde der Schaukelstuhl eben doch für die Tommy Lee Joneses dieser Welt erfunden: Die Schaukelbewegung nach vorne gibt dem potenziellen Knarrenbenutzer im Augenblick der Gefahr dann genau das Momentum, um blitzschnell aus dem Stuhl herauszuschaukeln und, Gewehr im Anschlag, bestenfalls in den Gesichtern der Eindringlinge zu lesen.

Am entspanntesten liest es sich letztlich unter tropischer Sonne im Schatten eines Mangobaums in der Hängematte (sanft seitlich schaukelnd), zur Not auch im Liegestuhl. Aber was Liegestühle mit einem anstellen können, ist eine ganz andere Geschichte. Dazu ein anderes Mal. Bis dahin: Lesen!

Filmtipps:
THE THREE BURIALS OF MELQUIADES ESTRADA (Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada, US 2005, R: Tommy Lee Jones)
NO COUNTRY FOR OLD MEN (US 2007, R: Ethan und Joel Coen)

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