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Bewegte Bilder

Von Berlin scheint der Nabel der Welt zu sein. Globalisierung mal anders.
Nein, am Berliner Tiergarten liegt das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt eigentlich eher nicht... (Foto: dpa) Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Nein, am Berliner Tiergarten liegt das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt eigentlich eher nicht... (Foto: dpa)
Globalisierung ist toll. Wir alle kennen ja diese großartigen Gespräche: Man ruft beim Kundendienst der Firma X in Frankfurt an, um sich über irgendetwas nicht Funktionierendes zu beschweren, macht beiläufig einen Scherz über den Ginnheimer Spargel und erntet – hä??? –  völliges Unverständnis am anderen Ende der Leitung. „Ach so, Sie sitzen in Bonn, kann ich ja nicht wissen.“ Man kennt auch noch lustigere Gespräche zwischen Frankfurt und Irland oder Frankfurt und Indien. Da geht es dann meistens ums Internet oder Computer oder so.
 
Eine Kollegin aus der Museumspädagogik des Deutschen Filmmuseums Frankfurt erhielt neulich einen Anruf, der sie sehr erschütterte: Da hatte eine Mutter im Internet einen Kindergeburtstag gebucht, mit Führung und Workshop und allem drum und dran, das Übliche eben, zehn bis zwölf Kinder. Pünktlich zum Termin – die gebuchte Mitarbeiterin für die Führung wartete schon – klingelte das Telefon, es war die Mutter mit dem Kindergeburtstag: „Äh, ich rufe an, weil, ich bin jetzt etwas verwirrt. Ich stehe hier nämlich am Potsdamer Platz...“
 
Man muss dazu wissen, am Potsdamer Platz – mitten im Zentrum Berlins – gibt es auch ein Filmmuseum, nämlich die Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen. Wir können nur rätseln, wie die um ihren Nachwuchs bemühte Mutter sich im Internet nach Frankfurt verirrt hat. Definitiv ist die arme Frau zu bedauern, die nun ohne Programm für den Kindergeburtstag im Zentrum Berlins stand, mit zehn bis zwölf Kindern an der Backe. Das war bestimmt nicht leicht.
 
Die Frau ist übrigens weit davon entfernt, mit ihrem Missgeschick alleine zu sein.
 
So hatte die Kollegin aus der Museumspädagogik ein paar Monate zuvor schon einmal eine gefühlte halbe Stunde lang mit einer Lehrerin über eine Führung für deren Klasse gesprochen. Man plauderte über den kürzlichen Besuch der Lehrerin in der Dauerausstellung, über die tollen Exponate dort und so weiter, und so weiter. Im Nachhinein räumte die Kollegin aus der Museumspädagogik zwar ein, dass sie an manchen Stellen gestutzt hatte, weil die Schilderungen der Lehrerin so gar nicht mit der eigenen Wahrnehmung des Hauses zusammenzupassen schienen. Aber das gibt’s. Also ging sie darüber hinweg. Erst als die Lehrerin dann vorschlug, sie könne dann ja „zwischendurch mal eben mit den Kindern in den Tiergarten“, schlug das Stutzen in basses Erstaunen um: „Zwischendurch in den Zoo? Na, das ist ja nicht so ganz naheliegend, oder?“, fragte die Kollegin. „Wieso, der ist doch gleich nebenan, bei Ihnen?“ –  „Nebenan, naja, wir sind ja hier am Main...“ – „Am Main? Wieso am Main?...“
 
Auch diese Lehrerin unterrichtete, lebte und plante Ausflüge in Berlin.
 
Was lernen wir daraus? Mindestens drei Dinge: Berlin ist der Nabel der Welt. Im Internet kann man sich ganz leicht verlieren. Vorwahlen auswendig konkreten Orten zuordnen zu können, ist ebenso nützlich wie ab und zu mal direkt miteinander zu sprechen. So lassen sich Kindergeburtstags- und andere Katastrophen eventuell vermeiden.
 
Filmtipps:
A SERIOUS MAN (US 2009, R: Joel und Ethan Coen)
LUNCHBOX (IN, DE, FR 2013, R: Ritesh Batra)

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