Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Bewegte Bilder

Von Man muss Berlin einfach lieben... Heute: Eindrücke von der laufenden Berlinale.
Passanten spiegeln sich in Berlin auf dem Potsdamer Platz am Rande der 64. Internationalen Filmfestspiele in einer goldenen Bärenfigur. Die Berlinale findet vom 6. bis 16. Februar 2014 statt - und ist leider nicht ganz so glamourös, wie viele denken. (Foto: Jens Kalaene/dpa) Passanten spiegeln sich in Berlin auf dem Potsdamer Platz am Rande der 64. Internationalen Filmfestspiele in einer goldenen Bärenfigur. Die Berlinale findet vom 6. bis 16. Februar 2014 statt - und ist leider nicht ganz so glamourös, wie viele denken. (Foto: Jens Kalaene/dpa)
Gestern kam eine Kollegin ins Büro und rief schon von weitem: „Ach, die Berlinale-Reisenden… schon zurück?! Naja, ich bin bloß neidisch, wie toll…!“ So geht es einem in diesen Tagen ständig. „Echt? Du fährst zur Berlinale? Wie toll!“
 
Hm. Toll. Toll? Tollhaus, ja, toll?, hm, eher nein. Aber wenn man das sagt, dann denken alle: Ja, ja, das ist diese pseudohöfliche Bescheidenheit. Natürlich ist die Berlinale toll, gibt nur keiner zu. Hm. Was soll man sagen?
 
Der branchenferne Beobachter denkt bei Berlinale vermutlich vor allem an rote Teppiche, viele großartige Filme, den ganzen Tag Kino, George Clooney, Gina Lollobrigida und Tilda Swinton oder so. Die harte Realität sieht für die meisten anders aus: Gremiensitzungen ohne Ende, Empfänge, Empfänge, Empfänge, härteste Verhandlungen mit wüsten Ellbogenschlägen auf den Filmmärkten und selbst wenn man zu jenen gehört, die das Glück haben, tatsächlich und vor allem ins Kino gehen zu können: Auch das ist auf die Dauer anstrengend. Schon wegen der dauernden Ortswechsel im meist februarkalten Berliner Ostwind, der schon friedliche null Grad sich wie minus zehn Grad anfühlen lässt: Husten, Schnupfen, Heiserkeit? Standard im Berliner Berlinale-Februar. Auch wenn das dieses Jahr ausnahmsweise einmal anders war: Berlin zeigte sich mit charmanten und sonnigen acht Grad Celsius. Unglaublich.
 
Apropos Berlin: Neulich beim Bäcker am Potsdamer Platz: 5,10 Euro kosten die beiden Stullen. „Sorry, ich habe leider gar keine Münze“, sagt die höfliche Frankfurterin und reicht entschuldigend einen Zehner über die Theke. „Na, toll“, antwortet der Berliner Bäcker in der Berliner Standard-Höflichkeitseinstellung (gefühlte minus drei auf der Wärmeskala), „das ist ja nicht schön, tja, dann müssen Sie eben damit zurechtkommen…“ und schüttet der Kundin einen Haufen messingfarbenes Minigeld in die Hand. So sinse, die Berliner, charmant… Nicht zum Aushalten.
 
Unsereiner hat in Wirklichkeit vor allem damit zu tun, Infoflyer, Aufsteller, Kisten, Kästen, Plakate, Roll-up-Banner und Ähnliches in Frankfurt in ein großes Auto, in Berlin aus dem großen Auto je nachdem ein- oder wieder auszuladen, das große Auto durch handtuchschmale Einfahrten zu navigieren und Flyerkisten mit der Sackkarre (im Rock und auf Stöckelschuhen) vom einen Ende des Potsdamer Platzes zum anderen Ende (wie zum Empfang in der Hessischen Landesvertretung) zu transportieren. Alles nicht so dolle glamourös. Da ist es schon ein Knaller, wenn die Kollegin fröhlich berichtet „ganz zufällig hinzugeraten“ zu sein, als gerade George Clooney, Bill Murray und Matt Damon auf dem roten Teppich erschienen, fleißig winkten und Autogramme gaben. „Nur von ganz weit weg natürlich und rein zufällig.“ Unsereiner dagegen: Ich sage nur – Berliner Bäcker. Das ist, was zählt. Ich liebe Frankfurt.
 
Filmtipps:
THE LAST PICTURE SHOW (Die letzte Vorstellung, USA 1971, R: Peter Bogdanovich)

Die Meinungen unserer Blogger sind Privatsache und spiegeln nicht die Haltung der FNP wieder. Diskutieren Sie mit unseren Bloggern! Wenn Sie sich noch nicht registriert haben, können Sie das kostenlos nachholen: Klicken Sie dafür einfach unter dem Kommentarfeld am Seitenende auf den beige hinterlegten Reiter „Für nicht registrierte Nutzer“. Dort können Sie sich ganz unkompliziert mit einem Benutzernamen Ihrer Wahl, einem Passwort und Ihrer E-Mail-Adresse anmelden. Anschließend erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink, den Sie nur noch anklicken müssen – und schon können Sie kommentieren. Natürlich werden Ihre persönlichen Daten nur intern verwendet und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben. Unsere Blogger freuen sich auf Ihre Beiträge!
Zur Startseite Mehr aus Frauke Haß - Bewegte Bilder

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse