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Bewegte Bilder

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Vor wenigen Tagen auf der Post am Frankfurter Goetheplatz: Also keine piefige Mini-Filiale in irgendeinem kleinen Stadtteil am Rande der Metropole. Schon gar keine Postagentur, in der sie auch Nähzeug und Kugelschreiber, Lottoscheine und Zeitschriften verkaufen. Es ist DIE Post in der Innenstadt von Frankfurt, oder jedenfalls eine der wirklich zentral gelegenen und gut zu erreichenden Filialen. Morgens um 9.45 Uhr. Fünf Personen in der Schlange. Geht ja.
 
Aber nichts tut sich. Es wird 9.50 Uhr und noch immer das gleiche Bild. Nur, dass sich inzwischen fünf weitere Personen in die Schlange gereiht haben. Der ältere Kunde am Tresen scheint ein komplizierteres Problem zu haben. Am einzigen anderen Schalter geht es auch nicht voran. Was will der alte Herr nur? Oder liegt es gar nicht an ihm? Warum steht der junge Mann da so stoisch lächelnd neben seiner Kollegin? Soll er lieber einen dritten Schalter aufmachen … Warum geht hier nichts? Langsam dämmert den Wartenden: Hier wird gerade eine neue Schalter-Mitarbeiterin eingearbeitet. Man fragt sich zwar: Muss das unter Minimalbesetzung passieren? Aber bitte, wir haben alle mal angefangen. Geduld. Es wird 9.55 Uhr, 10 Uhr. Und endlich: Geschafft.

 
Post vom Osterhasen

Dem Weihnachtsmann oder Nikolaus schreiben Kinder seit langem. Doch auch der Osterhase freut sich über Briefe und beantwortet sie sogar. Was mit einer Aktion des örtlichen Postamts begann, ist heute auch in China bekannt.

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Geschafft? Die Bitte, eine Büchersendung zu frankieren, sorgt für weitere dicke Schweißtropfen auf der Stirn der jungen Frau. Geradezu fieberhaft sucht sie auf ihrem Spickzettel nach dem richtigen Porto, findet es, wickelt das Geschäft ordnungsgemäß ab, frankiert auch das andere Päckchen … Puuuh, erledigt: „Noch Wünsche?“ „Ja, ich hätte gerne eine Briefmarke für eine Postkarte.“
Weit aufgerissene Augen, Schweiß, fieberhaftes Suchen in der Schublade links. Langsames Wiederauftauchen: „Die sind gerade aus.“
 
Ah, ja. Der Moment dehnt sich ins scheinbar Unendliche. Wir befinden uns in Frankfurt, der Beinahe-hauptstadtgewordenen kleinsten Metropole der Welt, Finanzstandort, Sitz der Europäischen Zentralbank, Sitz des DFB, des Deutschen Filminstituts, des NSA-Abhörknotens, mitten im Zentrum dieser Stadt, in einer der zentralen Postfilialen und ... Postkarten-Briefmarken sind … „aus“???
 
Es ist ein wundervoller, ein grandioser Augenblick, für den allein sich die ganze Warterei gelohnt hat: Wann ist in diesem Land in den vergangenen 20 Jahren schon je etwas „aus“ gewesen? In den 70er Jahren, und ich würde behaupten wollen, auch noch in den 80ern, vielleicht gar bis Ende der 90er, bedurfte es kluger Planung, zur rechten Zeit Milch einzukaufen. Sonst ging man nämlich leer aus.
 
Was daran lag, dass frische Milch nicht wie heute 17 Tage angeblich frisch bleibt, sondern frische Milch hielt drei Tage, vielleicht vier. Kein Laden wollte sich am Samstagmittag mit schlecht werdender Milch belasten. Merke: Das war in Zeiten, als die Läden noch Samstag mittags schlossen. Ha! Also wurde genau kalkuliert, und zwar knapp. Und wer so blöd war, am Samstag um 12.20 Uhr in den Laden zu gehen, um Milch zu kaufen, hatte in der Regel Pech. Gab keine mehr. Nur noch H-Milch. Also früher: Milch war oft aus.
 
Brötchen? Wer nicht bis 9.15 Uhr beim Bäcker war: Aus! Sogar Zeitungen: Bei meinem Wiener Trafikanten (deutsch: Kioskbetreiber) gab es jeden Freitag (sic!) nur 1 (eine!) Ausgabe der ZEIT. Jeden Freitag morgen hechtete ich um 7 Uhr zur Trafik, um meinem unbekannten Konkurrenten (ein Deutscher in der Nachbarschaft?) zuvorzukommen, sonst: „aus“! (… bis der Trafikant sich nach Monaten endlich bereiterklärte, seine ZEIT-Order auf zwei zu erhöhen.)
 
Aus war früher oder anderswo.  
 
Zum Beispiel in Oman: Bei der Ankunft im schnieken, von vielen Deutschen bevölkerten Hotel in Salalah vor wenigen Wochen war nämlich erst mal das Bier „aus“ (und es ent-auste sich auch in den folgenden acht Tagen nicht mehr). Kein Bier, nirgends. Kennt man gar nicht mehr in Zeiten der allesumfassenden, sofortigen Bedürfniserfüllung: Film? Buch? Wissen? Zigaretten? Sex? Alles da, und zwar jetzt, und zwar sofort. Ich will! Und dann dies: Keine Postkarten-Briefmarke in der Postfiliale am Goetheplatz in Frankfurt?
 
Ist das möglich?
 
Natürlich nicht: Schon senkt sich der Kopf des dauerlächelnden Post-Coachs zu dem seiner anzulernenden Kollegin herab: „Schauen Sie doch mal da, ja, dort rechts….“ Der schwindelerregende Moment eines möglichen Mangels an Postkarten-Briefmarken mitten in Frankfurt ist vorbei. Bedürfnis befriedigt. Schweißtropfen getrocknet. Wäre ja auch schlimm gewesen. Echt.
 
Filmtipps:
BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS (Willkommen bie den Sch’tis, Frankreich 2008, R: Dany Boon)
IL POSTINO (Der Postmann, Italien 1994, R: Michael Radford)
LADRI DI BICICLETTE (Fahrraddiebe, Italien 1948, R: Vittorio de Sica)


Supermarkt-Blog

Im Supermarkt begegnet man seinen schlimmsten Feinden. Das nervt.

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Bilderstrecke Angst vor Angst und Angst vor Enten: Die verrücktesten Phobien
Ängste begleiten uns seit Menschengedenken. Manche folgen uns durch den Tag, andere besuchen uns in der Nacht. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Formen und Intensitäten - die verrücktesten Phobien und ihre Fachbezeichnungen zeigen wir in unserer Bilderstrecke.<br>Foto: fotolia © Robert KneschkeAnatidaephobie: Die Angst, von einer Ente beobachtet zu werden.<br>Foto: dpaGerontophobie: Angst vor alten Menschen.<br>Foto: dpa
Bilderstrecke Die Unwörter vergangener Jahre
Das «Unwort des Jahres 2013» heißt
«Sozialtourismus». Das gab die Jury am Dienstag in Darmstadt bekannt. Mit dem Schlagwort «wurde von einigen Politikern und Medien gezielt Stimmung gegen unerwünschte Zuwanderer, insbesondere aus Osteuropa, gemacht», begründete die Jury ihre Entscheidung.<br>
<br> Die von Sprachwissenschaftlern gewählten «Unwörter» des Jahres gelten als Ausdruck des Zeitgeistes. Wir zeigen eine Auswahl der vergangenen Jahre. (Fotos: dpa)2012: «Opfer-Abo»: Das Schlagwort hatte Wetter-Moderator Jörg Kachelmann geprägt. Er meinte damit, dass Frauen immer wieder die Opferrolle zugesprochen wird. Die Jury kritisierte, der Begriff stelle Frauen «pauschal und in inakzeptabler Weise» unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und damit selbst Täterinnen zu sein.<br>
Weitere: "Gutmensch" und "Marktkonforme Demokratie".2011: «Döner-Morde»: Mit der «sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung» würden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt, erklärte die Jury.<br>
Außerdem: "Integrationsverweigerer" und "Geschwätz des Augenblicks".
Bilderstrecke Luxus für Hund und Katze
Max und Fritzchen posieren für den Wettbewerb "Germany's next Mops Model" im luxuriösen Cashmere-Reiseset. Für ihre Haustiere geben die Deutschen immer mehr Geld aus. Wir zeigen was alles möglich ist. (Fotos: dpa)Nicht nur Kinder, auch das geliebte Haustier bekommt Geschenke. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Napf aus Porzelan, bemalt mit feinen Mustern?Auch gemütlich soll es das Haustier haben. Körbchen aus edlen Stoffen und ein kleiner Kuschelhund sorgen gleich für die richtige Atmosphäre.
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