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Bewegte Bilder

Von Und über allen Toren ist Ruh... Dem Fußball bei dieser WM fehlt nur eines: die Stille.
Ich weiß, ich weiß: Fußball-Kommentatoren beschimpfen hat erstens: sooooo einen Bart, ist zweitens gerade total aktuell und deshalb noch langweiliger, doch drittens wurde noch längst nicht alles gesagt und vor allem nicht von mir.
 
Über Fußballkommentatoren schreiben wollte ich schon vor dem Spiel am vergangenen Montag, danach aber noch viel dringender. Anders als der Rest der Schland-Fan-Welt fand ich das Spiel zwar nicht toll, aber immer noch besser als das meiste, was im Achtelfinale bis dahin von den sogenannten Favoriten (Brasilien!, Niederlande!) zu sehen war.
 
Da war der Kommentator – dessen Name hier nicht genannt werden soll – aber ganz anderer Meinung. Er schimpfte und meckerte, wetterte und grollte, höhnte und jammerte. (Mit seiner Meinung war er natürlich nicht allein: Viele Journalisten sahen am Tag danach ebenfalls einen „Grottenkick“ usw.)
 
Das Problem und seine Ursachen ist ja längst benannt: Mustafi und Höwedes ebenso fehlplatziert wie Özil und Lahm und anfangs kein Khedira im Mittelfeld. Kein Wunder, dass da Unordnung entsteht im Spielaufbau. Aber ich habe in den beiden genannten Achtelfinal-Partien zuvor ebenso muntere Chilenen und leidenschaftlich aufspielende Mexikaner gesehen, wie die hochgefährlichen Algerier, die der deutschen Mannschaft das Leben schwer machten.
 
Sicherlich nahmen das auch dort die jeweiligen Kommentatoren zur Kenntnis. Allerdings nicht mit dem negativ-energetischen Furor eines Kommentatoren, der hier nicht genannt werden soll. Kann es sein, dass die Erwartungen an die Deutschen einfach unglaublich überzogen sind? Ich zitiere Mertesacker: „Glauben Sie, unter den letzten 16 ist irgendwie eine Karnevalstruppe, oder was?“
 
Doch es soll hier gar nicht um eine Bewertung der Qualität der deutschen Mannschaft gehen, sondern darum, das das dauernde Gesabbel – und in diesem Fall: Gemecker – der Kommentatoren einem den Spaß am Zuschauen nimmt. Ich muss nicht während eines Spiels erzählt bekommen, dass sich Verein X gerade für den „munter aufspielenden Stürmer Y“ interessiert, oder dass er in einem Slum aufgewachsen ist, dass er einen Bruder hat, der auch Profi-Fußballer ist, allerdings noch bei einem kleinen Verein etc. etc. etc. Noch viel weniger will ich wissen, dass Deutschland gerade aber mal wieder Fehlpässe ohne Ende macht, oder sonst wie grottig spielt.
 
Das sehe ich doch selbst, während ich versuche, mir davon nicht die Laune verderben zu lassen, sondern das Positive zu sehen. Schließlich will ich, dass „wir“ Weltmeister werden. Wie ist mir zwar nicht egal, aber der Mannschaft oder Löw vorzuwerfen, dass sie zurzeit nicht so granatenmäßig toll spielt wie in Südafrika, ist verquer. Schließlich wissen wir alle, welche Spieler warum nicht dabei sein können und welche verletzungsbedingt nicht in Form sind. Was soll das?
 
Mein Traum-Kommentator sagt deshalb am besten gar nichts, allenfalls: „Feghouli, Slimani, Lahm, Müller, Özil“ und dann am besten: „Tor!“
Wiewohl er das bei den meisten Deutschen auch bleiben lassen könnte. Die erkennt man ja schließlich auch auf dem kleinsten Fernsehschirm. Was fehlt ist: ein bisschen Stille!
 
Filmtipps:
The Other Final (Das andere Finale, NL 2003, R: Johan Kramer)
Die große Stille (FR, CH, DE 2005, R: Philip Gröning)



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