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Heimatkundler: Tief im Taunus

Von Vor zehn Jahren erklärte die Unesco den Limes zum Weltkulturerbe. Glashütten feiert das Jubiläum nun ein ganzers Wochenende lang.

Was verbindet Glashütten im Taunus mit Rom und Istanbul? Ganz einfach: alle drei sind UNESCO-Welterbestätten. Was den einen die Hagia Sophia oder das Kolosseum ist, das ist für uns der Obergermanisch-Raetische Limes.

Die einstige Grenze des Römischen Weltreiches wurde vor zehn Jahren in das Verzeichnis des kulturellen Erbes der Menschheit aufgenommen – seither befinden sich unsere Taunus-Gemeinden wie Glashütten, Schmitten, Oberursel, Bad Homburg, Wehrheim und Friedrichsdorf in der illustren Gesellschaft der großen Stätten der Menschheitsgeschichte.

Im Taunus haben wir das Glück, dass wir an der „Königsstrecke“ des Limes liegen, der auf 550 km zwischen Rhein und Donau vor knapp 2000 Jahren die Grenze des Imperium Romanum markierte. Nirgendwo sonst sind die Reste der Grenzanlagen so gut in der Natur nachvollziehbar, und nirgendwo sonst ist die römische Geschichte so erlebbar wie auf der Saalburg. Schon seit dem 18. Jahrhundert wird das römische Altertum in unserer Region intensiv erforscht und behutsam gepflegt.

Aber was macht den Limes eigentlich so besonders, dass er zum Weltkulturerbe zählt? Zum einen ist der Limes ein herausragendes archäologisches Denkmal, das uns zeigt, wie eine antike Grenze funktionierte und bis heute ein eindrucksvolles Zeugnis römischer Ingenieurskunst und Militärorganisation ablegt.

Zum zweiten ist er ein nationalgeschichtliches Denkmal, denn die Zugehörigkeit Süddeutschlands zum Römischen Reich hatte bis heute spürbare Folgen für dessen weitere geschichtliche Entwicklung – angefangen von der früheren Christianisierung und Stadtentwicklung bis hin zum Weinbau; außerdem ist die Geschichte der Limesforschung inzwischen auch selbst ein Stück deutscher Geschichte und Geschichtspolitik.

Und drittens schließlich ist der Limes ein ideengeschichtliches Denkmal: Er steht für einen entscheidenden Wandel im Weltbild – dass nämlich nicht mehr der Anspruch erhoben wird, dass ein Reich berufen sei, die ganze Welt zu beherrschen; stattdessen akzeptierten die Römer, dass es unterschiedliche Machtsphären gibt, die zu respektieren sind und die nebeneinander existieren können.

Der Limes ist damit der materielle Ausdruck des multipolaren weltpolitischen Denkens, das im Grunde genommen bis heute unser Bild von der Machtverteilung in der Welt bestimmt.

Wir Taunenser haben also allen Grund, stolz auf „unseren“ Limes zu sein. Dafür brauchte es nicht erst den Welterbe-Titel, aber seine Verleihung ist natürlich eine ehrenvolle Bestätigung dafür, welch ein kostbares Erbe uns anvertraut ist.

Die Gemeinde Glashütten nimmt das zehnjährige Jubiläum des Welterbetitels zum Anlass, kräftig zu feiern: Am Wochenende vom 11. bis 13. September ist unter dem Titel „Glashütten hat was“ ein reichhaltiges Programm zu erleben – entlang des Limes ebenso wie an vielen anderen interessanten Orten in der Gemeinde. Ein schöner Grund für einen Ausflug in die Taunuswälder und eine Entdeckungsreise an der Grenze des Römischen Reiches!

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