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Heimatkundler: Tief im Taunus

Von Zur aktuellen Flüchtlingsgeschichte gibt es einen starken Satz. Er steht in keiner Zeitung, sondern auf einem Bad Homburger Denkmal.

Dem einen großen Thema, das ganz Europa in Atem hält, will sich auch der Taunus-Blog nicht verschließen – aus gutem Grund: Im Bad Homburger Kurpark prangt am Landgrafendenkmal ein Satz, den man manchem Politiker der Gegenwart gerne ins Stammbuch schreiben wollte: „Lieber will ich mein Silbergeräte verkaufen als diesen armen Leuten die Aufnahme verweigern.“

– Ein starker, plakativer Satz, dazu eine bildliche Darstellung, wie der Homburger Landgraf Flüchtlinge in Empfang nimmt, die in ihrer Heimat aus religiösen Gründen verfolgt wurden. Es geht um die Ansiedelung von Hugenotten und Waldensern, die seit dem Widerruf des Toleranzediktes von Nantes 1685 in Scharen aus Frankreich flohen.

Wie viele Fürsten im protestantischen Europa sah auch Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg, der „Prinz von Homburg“, die Chance, seinem Land, das immer noch mit den Folgen des Dreißigjährigen Krieges zu kämpfen hatte, durch die Ansiedlung der französischen Flüchtlinge wieder auf die Beine zu helfen – und damit zugleich an seinen Glaubensbrüdern ein gutes Werk zu tun.

Das untergegangene Dorf Dornholzhausen wurde mit Waldensern neu besiedelt, für die Hugenotten wurde die Siedlung Friedrichsdorf gegründet, und Homburg selbst wuchs um eine ansehnliche Neustadt. An der Kanzel der Waldenserkirche in Dornholzhausen erinnert bis heute die Inschrift „Ici je trouve mon asile“ („Hier finde ich meine Zuflucht“) an die Dankbarkeit der Flüchtlinge für die Aufnahme, die ihnen der Landgraf gewährte.

Damals wie heute geht es um Flüchtlinge und die Frage, wie man mit ihnen umgeht. Damit aber enden schon die Gemeinsamkeiten. Barocke Hugenottenansiedlung und gegenwärtige Flüchtlingskrise lassen sich beim besten Willen nicht miteinander vergleichen, zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen, Zusammenhänge und Intentionen. Beides sind historische Phänomene, die ihren eigenen Charakter haben.

Dasselbe gilt natürlich auch für andere große Migrationswellen, die im Taunus ihre Spuren hinterlassen haben – etwa die Ankunft der Flüchtlinge und Vertriebenen am Ende des Zweiten Weltkriegs oder auch im 19. Jahrhundert die zahllosen Wirtschaftsflüchtlinge, die aus dem Taunus auswanderten.

Das alles jedoch ändert nichts an der unveränderten Kraft des Satzes vom Silbergerät. Er teilt das Los vieler großer historischer Zitate: Wahrscheinlich wurde er so nie gesagt. Schön ist er dennoch: „Lieber will ich mein Sibergeräte verkaufen als diesen armen Leuten die Aufnahme verweigern.“

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