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Heimatforscher: Tief im Taunus

Von Ein Pfarrer predigt für Protestanten und Katholiken: Wie das möglich ist und vieles mehr zeigt der „Geschichtstag für Taunus und Main".

Bald ist wieder Reformationstag – und noch vorher, am Samstag, 10. Oktober, findet in Wallau der diesjährige „Geschichtstag für Taunus und Main“ statt, der sich dem Thema „Evangelisches Leben im Taunus und am Main“ widmet.

Vier Vorträge und eine Ortsführung werden die Geschichte des Protestantismus in unserem Raum beleuchten. Das verspricht, ein spannender Tag zu werden, denn es lohnt sich – wie immer in der Geschichte –, genau hinzuschauen.

Wenn wir in Geschichtsbüchern lesen, dass irgendwann in einem bestimmten Gebiet „die Reformation eingeführt“ wurde, dann klingt das einfacher und simpler, als es tatsächlich war. Gerade im 16. Jahrhundert, als sich das, was wir heute „Evangelisch“ und „Katholisch“ nennen, allmählich entwickelte und voneinander abgrenzte, gab es durchaus auch ein „Weder-noch“, ein „Halb-halb“ oder auch ein „Sowohl-als-auch“.

Letzteres praktizierte Johannes Hell, der Pfarrer von Rod an der Weil, in den 1530er Jahren. Rod an der Weil, das den Grafen von Nassau gehörte, war zwar lutherisch geworden, in dem zugehörigen Filialort Hasselbach aber verhinderte der Kurfürst von Trier erfolgreich die Einführung der Reformation.

Pfarrer Hell fand eine pragmatische Lösung: Er predigte in der Kirche von Rod im Sinne Luthers – und ging dann nach Hasselbach, um in der dortigen Kirche eine katholische Messe zu lesen.

Das ging einige Jahre gut, schlussendlich aber führte kein Weg daran vorbei, die Pfarreigrenzen neu zu ordnen – und der Pfarrer musste sich für eine der beiden Konfession entscheiden.

Ähnlich wie der Pfarrer von Rod saßen auch die Herren von Kronberg zwischen den Stühlen bzw. Kirchenbänken. 1522 hatte Landgraf Philipp von Hessen die Kronberger Ritter verjagt, Besitz von deren Herrschaft ergriffen und dort die Reformation eingeführt. Die Kronberger erhielten ihre Herrschaft zwar nach zwanzig Jahren zurück, mussten sich aber vertraglich verpflichten, die lutherische Konfession ihrer Untertanen unangetastet zu lassen.

Das hatte zur Folge, dass die katholischen Herren von Kronberg 1585 eine evangelische Kirchenordnung erließen, die ein kurioser Zwitter ist: eine lutherische Gottesdienstordnung mit lateinischer Liturgie! Kirchengeschichte ist also keine Sache theologischer Spitzfindigkeiten, sondern ein Feld, in dem sich die Farbigkeit und Vielgestaltigkeit unserer Region in besonderer Weise wiederfindet.

Wer mehr darüber erfahren will, kann am 10. Oktober nach Wallau kommen. Alle Infos zum Geschichtstag gibt es unter 06192/2 01 16 38.

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