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Heimatkundler: Tief im Taunus

Von Kann eine ganze Stadt wandern? Und ob! Königstein ist erst vor gut 200 Jahren von der Wetterau in den Taunus gekommen.

Seit kurzem steht auf der Königsteiner Burg eine so genannte „Stauferstele“ – ein Gedenkstein, der auf die Bedeutung Königsteins in der Zeit der Stauferkaiser hinweist. An den Inschriften wurde kürzlich aus berufenem Munde Kritik geäußert, unter anderem an dem Satz: „Unter den […] Hohenstaufen wird die Wetterau mit einem System von Burgen zur Sicherung der Reichsstraße von Frankfurt nach Köln überzogen“, in das auch die Burg Königstein einbezogen gewesen sei.

Königstein in der Wetterau? Königstein liegt doch im Taunus – und die alte Kölner Straße, die heutige B8, läuft über den Taunus und nicht durch die Wetterau! Für unsere heutigen Begriffe mag „Königstein in der Wetterau“ tatsächlich irritierend klingen – es hat aber durchaus seine Berechtigung. Denn: Im Mittelalter gab es den Taunus noch nicht. Natürlich gab es das Gebirge, das wir heute „Taunus“ nennen, es galt aber nicht als eigenständige Landschaft und hatte auch noch keinen eigenen Namen.

1552 beschrieb der Humanist Erasmus Alber, der unter anderem in Hattstein und Oberursel tätig war und die Gegend also gut kannte: „Die Wetterau […] reicht in die Länge von Gelnhausen bis gen Kastel, diesseits Mainz am Rhein gelegen, in die Breit aber von Gießen bis gen Seligenstadt.“

Königstein und das, was wir heute „Taunus“ nennen, gehörte zweifellos dazu. Das galt bis ins 18. Jahrhundert. Damals beschäftigten sich Gelehrte intensiv mit der Frage, was der alte Tacitus gemeint haben könnte, als er von einem „mons Taunus“, einem Berg namens Taunus, in Germanien geschrieben hatte.

Johann Ernst von Glauburg kam 1723 zu dem Ergebnis, „dass mich niemand […] bereden wird können, den montem Taunum anderswo als in der Wetterau bei Homburg zu suchen“.

Für heutige Lokalpatrioten klingt das niederschmetternd: Der Taunus als Teil der Wetterau! Immerhin aber war damit ein Anfang gemacht: In den Jahren um 1800 wurde dann der Taunus von Dichtern, Künstlern und Gelehrten als eigenständige Landschaft „entdeckt“ und emanzipierte sich von der Wetterau.

Den entscheidenden Beitrag leistete der Gelehrte, Sammler und Schriftsteller Johann Isaak von Gerning, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Mittelgebirge zwischen Main und Lahn als Einheit begriff, mit dem Namen „Taunus“ belegte und von der fruchtbaren Ebene der Wetterau unterschied.

Königstein ist also tatsächlich erst vor rund 200 Jahren aus der Wetterau in den Taunus „gewandert“. Wenn wir über die Stauferzeit sprechen, ist es daher vollkommen korrekt, Königstein als Teil des wetterauischen Burgensystems zu bezeichnen.

Eine andere Inschrift auf der Stauferstele – „Cuno I. von Münzenberg […] gilt als Erbauer der Burg“ – ist dagegen durchaus problematisch. Das ist aber ein anderes Kapitel. Wenn die Königsteiner Stauferstele im produktiven Sinne als „Stein des Anstoßes“ dient, also als Anlass, sich intensiv mit der hochmittelalterlichen Geschichte unserer Region zu beschäftigen und bisheriges Wissen auf den Prüfstand zu stellen, kann das der Kenntnis über unsere Vergangenheit nur gut tun.

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