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Heimatforscher: Tief im Taunus

Von Unser Waterloo: Auch Soldaten von hier ließen dort ihr Leben. Eine Ausstellung und ein Tagebuch beleuchten die Hintergründe.

Bevor das Jahr 2015 zu Ende geht, will ich unbedingt ein Jubiläum noch aufgreifen, auch wenn dessen eigentlicher Jahrestag schon längst vergangen ist. Am 18. Juni 1815, vor 200 Jahren, erlebte Napoleon sein sprichwörtliches Waterloo – die große Schlacht, mit der nicht nur das persönliche Schicksal Napoleons besiegelt war, sondern eine ganze Epoche ihr blutiges Ende fand.

Waterloo ist einer jener historischen Momente, wo wir sehr anschaulich die Verflechtung von großer Welt- und kleiner Regionalgeschichte beobachten können. Denn in Waterloo kämpften zahlreiche Taunus-Bewohner, von denen viele ihr Leben ließen. Das Herzogtum Nassau stellte rund 7500 Soldaten, die an der Seite der Briten gegen das Heer Napoleons kämpften. Der Herzog von Nassau hatte erst in letzter Sekunde die Seiten gewechselt: Bis zur Völkerschlacht von Leipzig im Oktober 1813 war Nassau ein treuer Verbündeter Napoleons, nach dieser ersten katastrophalen Niederlage Frankreichs war das Herzogtum in das Lager der Alliierten gewechselt und stand daher nun, 1815, im Lager der Briten und Preußen.

Aus beinahe jedem Ort in Nassau lassen sich Teilnehmer an der Schlacht von Waterloo rekonstruieren, und vielfach erinnern Denkmäler an sie. Auf dem großen nassauischen Waterloo-Denkmal, das zum 50. Jahrestag der Schlacht 1865 in Wiesbaden errichtet wurde, finden sich beispielsweise die Namen von 19 gefallenen Soldaten allein aus Königstein. In der Pfarrkirche in Usingen erinnert eine Gedenktafel an die 14 Gefallenen aus dem Amt Usingen.

Dort, in Usingen, erinnert der Geschichtsverein jetzt gerade in besonderer Weise an dieses blutige Kapitel europäischer Geschichte: Zum einen mit einer kleinen, aber liebevoll gestalteten Ausstellung im Stadtmuseum, in der anhand der eigenen Sammlung die Geschichte des herzoglich nassauischen Militärs erzählt wird; und zum anderen mit einer lesenswerten Publikation: dem Kriegstagebuch eines Grenadiers aus dem Amt Usingen, der zwar nicht in Waterloo dabei war, aber von 1806 bis 1814 zwischen Barcelona, Wien und Stralsund kreuz und quer von Schlachtfeld zu Schlachtfeld durch Europa marschieren musste.

Beides kann ich nur wärmstens empfehlen: Die Ausstellung „Ein Kleinstaat und sein Militär. Objekte zur Nassauischen Armee 1806–1866 aus der Rüstkammer des Stadtmuseums Usingen“ ist bis zum 10. Januar jeweils sonntags von 14-17 Uhr im Stadtmuseum Usingen zu sehen.

Und „Das Kriegstagebuch 1806 bis 1814 des Wernborner Grenadiers Conrad Nicolay im 1. Garderegiment der Herzoglich Nassauischen Armee“, bearbeitet von Heribert Daume und Eberhard Schrimpf, 48 Seiten, kann zum Preis von 5 Euro über kontakt@geschichtsverein-usingen.de bestellt oder direkt im Museum erworben werden.

Diesem blutigen Thema zum Trotz – aber so ist nun mal unsere Geschichte! – wünsche ich allen Blog-Leserinnen und -Lesern ein friedliches Weihnachten!

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