Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Heimatforscher: Tief im Taunus

Von Es ist an der Zeit, auf große Historie zurückzublicken. Zwei große Dynastien unserer Region starben vor 200 und 150 Jahren aus.

Jubiläen im Neuen Jahr

Was das Jahr 2016 uns bringen wird, können wir nicht wissen. Was wir immerhin wissen können, das sind die Anlässe für historische Rückblicke, die zu erwarten sind. Und da bringt 2016 gleich zwei bedeutende Jahrestage, die sowohl für den Taunus als auch darüber hinaus von Bedeutung sind.

Wir können im Neuen Jahr auf die beiden Dynastien blicken, die das Schicksal des Taunus über Jahrhunderte hinweg bestimmt haben – und zwar in beiden Fällen im Blick auf ihr jeweiliges Aussterben, das sich 2016 jährt.

Vor 200 Jahren, 1816, starb Herzog Friedrich August von Nassau, der letzte männliche Vertreter des Fürstenhauses Nassau-Usingen und zugleich der erste Herzog des von Napoleon neu eingerichteten Staates Nassau. Mit ihm erlosch die Linie des Hauses Nassau, die seit 1659 – also rund 150 Jahre lang – das Usinger Land mit seiner Residenzstadt maßgeblich geprägt hatte.

Die bedeutendsten Zeugnisse Nassau-Usingens finden sich allerdings nicht hier im Taunus, sondern zu dessen Füßen: Die Usinger Fürsten verlegten ihre Residenz im 18. Jahrhundert an den Rhein, bauten das prächtige Schloss Biebrich und legten den Grundstein für den Aufstieg Wiesbadens im 19. Jahrhundert.

Friedrich August, der letzte Usinger Nassauer, ist eine bemerkenswerte historische Gestalt: Es gelang ihm, die Existenz Nassaus über die napoleonischen Umwälzungen hinweg zu sichern, für sein Haus die Herzogswürde zu erlangen und bedeutende Reformen – etwa die berühmte Nassauische Verfassung von 1814 – ins Werk zu setzen. Mit seinem Tod übernahm die Linie Nassau-Weilburg die Regierung im Herzogtum – bis zum Schicksalsjahr 1866, dem zweiten bevorstehenden großen Taunus-Jubiläum.

Vor 150 Jahren, 1866, fiel der Taunus – Nassau ebenso wie Hessen-Homburg – als Kriegsbeute an das Königreich Preußen, nachdem dieses seine Vormachtstellung im preußisch-deutschen Krieg gewaltsam durchgesetzt und Österreich aus Deutschland hinausgedrängt hatte.

Kurz vor der preußischen Annexion jedoch, im Frühjahr 1866, starb in Homburg Landgraf Ferdinand – und mit ihm das Landgrafenhaus Hessen-Homburg, das seit 1622 mit großem Namen, aber geringer Macht das Zwergterritorium am Südrand des Taunus regiert und mit viel Geschick die Stürme der napoleonischen Epoche überstanden hatte.

Das Homburger Landgrafenschloss ist ein bis heute eindrucksvolles architektonisches Zeugnis dieses Fürstenhauses. Laut Erbvertrag traten die Landgrafen von Hessen-Darmstadt die Herrschaft in Homburg an, konnten sich aber nur kurz an ihrem neuen Besitz erfreuen – denn dann kamen schon die Preußen und verleibten sich die alte Homburger Landgrafschaft ein.

1816 und 1866: Das sind für eine Vergangenheit, in der Herrschaft maßgeblich an konkrete Familien gebunden war, zwei bedeutende historische Zäsuren, die uns im Neuen Jahr allerhand Stoff für historische Betrachtungen liefern werden. Die zwei runden Todestage der letzten Fürsten von Usingen und von Homburg bieten uns die Gelegenheit dazu. Begraben sind übrigens beide hier im Taunus – in den Fürstengruften von Usingen und Homburg.

Zur Startseite Mehr aus Gregor Maier - Taunus-Blog

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse